Britomartis – Kretische Mond- und Jagdgöttin, Göttin der wilden, ungezähmten Natur sowie der Seeleute

Britomartis, entweder als Göttin oder auch als Nymphe geschildert, wird auch mit Dictynna oder Aphaia gleichgesetzt. Möglicherweise gab es in Kreta zwei große Muttergöttinnen — Britomartis als Gebieterin der Ostseite und Dictynna als jene des westlichen Teils der Insel.

Die gnadenreiche Jungfrau

Britomartis, entweder als Göttin oder auch als Nymphe geschildert, wird auch mit Dictynna oder Aphaia gleichgesetzt.

Der Mythos erzählt, dass sie sie neun Monate hindurch unablässig von Minos durch Kretas Bergwälder verfolgt wurde. Als er sie schließlich aufgespürt hatte, stürzte sich Britomartis in ihrer Verzweiflung von einem hohen Felsen ins Meer. Mit Hilfe der Göttin Artemis, die Britomartis besonders liebte, wurde sie allerdings mit Netzen „diktya“ heraus gefischt. Artemis machte sie daraufhin zu einer Göttin und gab ihr den Namen Dictynna („die Gefangene mit dem Netz“).

Andere Quellen behaupten, dass es zwei große Muttergöttinnen in Kreta gab — Britomartis als Gebieterin der Ostseite und Dictynna als jene des westlichen Teils der Insel.

Die zwei Seiten der Weiblichkeit

Britomartis-Dictynna könnten aber auch zwei Seiten der Weiblichkeit symbolisieren — die verfolgte, gefährdete und die errettete, wiedergeborene Frau bzw. Göttin.

Da Britomartis als Mondgöttin verehrt wurde, kann der Sturz ins Meer auch als das Verschwinden des Mondes im Meer gedeutet werden. Auf jeden Fall gilt sie als die Beschützerin der Seeleute, die ihnen als Mond am Nachthimmel erscheint, damit sie ihnen leuchtet und sie sich an ihrem Strahlen orientieren können.

Da Britomartis ursprünglich eine Naturgottheit war, dargestellt als junge geschmeidige Frau, die mit Pfeil und Bogen bewaffnet ist, übertrug sich ihr Mythos im Zuge der Eroberung Kretas durch die Festlandgriechen auf deren Göttin Artemis.

Allerdings wird Britomartis von Schlangen begleitet und hält ein saugendes Baby in ihren Armen. Diese starken Symbole der Zeugungskraft wurde niemals bei Artemis gesehen.

Die Schlangen waren wichtige Tiere in den minoischen Palästen und Tempeln, die von den Priesterinnen sehr gepflegt wurden, deutete man schließlich durch ihr Verhalten auf bevorstehende Katastrophen wie Feuer oder Erdbeben. Manchmal wird vermutet, dass die Schlangengöttin, die auf mehreren Statuetten dargestellt wird, die Göttin Britomartis selbst oder eine ihrer Priesterinnen war.

Andere Auslegungen vermuten, dass Briomartis eine eigenständige Göttin und die große Schlangengöttin eine andere Gottheit ist.

Labrys als starkes Zeichen der Frauenmacht

Britomartis wird immer auch mit Doppeläxten gezeigt. Die Labrys gilt als das Symbol für das matriarchal strukturierte Kreta und ist bis heute ein starkes Zeichen der weiblichen Kraft und Frauenmacht. Die beiden Teilen einer Doppelaxt werden auch als der zu- und abnehmende Mond gedeutet, was ihre Bedeutung als Mondgöttin hervorsteicht.

Beschützt und begleitet wird sie neben der Schlange auch von anderen wilden Tieren. Die Tempel von Britomartis wie auch von Dictynna wurden der Mythologie zufolge von teuflischen Hunden geschützt, die stärker als Bären waren.

Der Mythos und der Schutz durch so starke Lebewesen lässt sie auch zur Göttin der Keuschheit werden. Ihr Name bedeutet auf übersetzt auch „gnadenreiche Jungfrau“ bzw. „liebliches Mädchen“.

Vermutlich hat ihr Verhalten jedoch weniger mit genereller Keuschheit als viel mehr mit Selbstbestimmung einer matriarchalen Göttin zu tun, die sich ihre erotische GefährtInnen selbst wählt.

auch: Briomaris, Briomartis

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