Ama no Uzume – Japanisch-shintoistische Fruchtbarkeitsgöttin, Göttin des Tanzes und des Lachens und der Fröhlichkeit sowie der Morgenröte

Der Legende nach hat sich die Sonnengöttin Amaterasu in eine Höhle zurückgezogen als Gram darüber, dass ihr Bruder Frauen Gewalt antat.

Heitere, tabulose Tänzerin 

Der Legende nach hat sich die Sonnengöttin Amaterasu in eine Höhle zurückgezogen als Gram darüber, dass ihr Bruder Frauen Gewalt antat.

In einer anderen Version war Susanoo, der Herrscher über das Wasser auf seine Schwester, die Sonnengöttin Amaterasu, die über das Himmelsland herrschte, eifersüchtig und wollte ihr den Thron streitig machen. Göttervater Izanagi duldete dies nicht und verbannte seinen Sohn aus dem Land der Götter. Trotzdem versuchte Susanoo seiner Schwester den Thron zu stehlen, obwohl deutlich war, dass Amaterasu mehr Macht besaß, als er selbst. Erzürnt durch diese Tat forderte sie ihren Bruder zu einem Wettstreit heraus. Wer als erstes einen männlichen Gott gebar, der sollte gewinnen.

Natürlich gewann Amaterasu diesen Wettstreit, was die Fehde aber nicht beendete, da Susanoo ihren Sieg nicht akzeptierte. Verärgert und enttäuscht schloss sich Amaterasu in eine Höhle ein, was im Himmel und auf der Erde dazu führte, dass alles in Dunkelheit gehüllt wurde. Auf der Erde herrschte damit Nacht und Unfruchtbarkeit. 800 Gottheiten versuchten, Amaterasu aus der Höhle zu locken.

Der Tanz der Göttin bringt die Sonne zurück

Erst Ama no Uzume gelang dies, indem sie einen verrückten, schamlosen Tanz vor der Höhle aufführte. Zu diesem Tanz bediente sie sich verschiedene Reliquien: darunter ein Handstützband (tasuki) aus Keulen-Bärlapp vom Himmlischen Kagu-Berg, Kopfschmuck (kazura) aus den Blättern des Spindelbaums, ein Handstrauß aus Bambusgras (sasa-ba), sowie ein Speer (hoko), entzündete ein Feuer und stellte ein Schallbrett (uke fusete) bzw. einen umgekehrten Trog (uke) vor die Höhle.

Auf diesen stellte sie sich, stampfte mit pantomimischen und obszönen Gesten darauf herum, entblößte daraufhin ihre Brüste und Genitalien und brachte so alle anderen Gottheiten zum Lachen. Dem Mythos nach waren das immerhin achthundert Myriaden Gottheiten. Also sehr beeindruckend, was diese Göttin mit dem Zeigen ihrer weiblichsten Körperteile bewirkt hat. Diese zur Schau getragenen Attribute der Weiblichkeit stehen in zahlreichen Mythen immer  für das Besiegen der Unfruchtbarkeit.

Was sonst als das weibliche „Tor zum Leben“ und die Brüste als archaische Nahrungsquelle könnten magische und kräftige Symbole sein, um Dürre und Dunkelheit zu vertreiben. Amaterasu wurde ob des göttlichen Gelächters, das Ama no Uzumes Tanz auslöste, neugierig und schaute aus ihrer Höhle. Ein anderer Gott beugte sich zu ihr: „Dort ist eine wunderschöne Göttin, die weitaus verehrungswürdiger ist als du!“ Empörung erwuchs aus Amaterasu und sie schob den Stein weiter zur Seite, um die Göttin sehen zu können. Ama no Uzume verwendete daraufhin eine List und hielt darauf hin Amaterasu einen Spiegel vor. Gefesselt von ihrem eigenen Anblick konnten die anderen Gottheiten Amaterasu überrumpeln und aus der Höhle ziehen. Damit kam Licht und Leben wieder auf die Welt.

Das Mittel ihrer Wahl war für Ama no Uzume Tanz, Humor, Frohsinn und unbeschwerte Leichtigkeit. Nicht so einfach, wenn sich alles verdunkelt hat und die ganze Welt in Kälte erstarrt ist. Doch oft die einzige Chance, aus einer schlimmen, ganz aussichtslosen Situation zu entkommen.

Der Tanz der Ama no Uzume gilt als die Urform des shintoistischen Sakraltanzes Kagura. Bis heute wird dieser Mythos jedes Jahr in den Tempeln mit den Kagura-Ritual reinszeniert. In den Rotlichtbezirken Japans, die „tokadushi“ heißen (übersetzt – sehr unmissverständlich: „Öffnung“) wird dieser „rituelle Tanz“ jede Nacht wiederholt. Der Unterschied zwischen den Riten im Tempel und jenen in den Nachtclubs ist marginal: Die Stripperinnen werden durch das Zeigen ihrer Vulva  für diesen Augenblick zur Personifizierung der Göttin. Beschreibungen schildern, dass sie keine erniedrigten Objekte männlicher Lust sein sollen, sondern die Situation uneingeschränkt beherrschen – wie matriarchalen Göttinnen.

Eine Entsprechung findet Ama no Uzume auch in der griechischen Göttin Baubo die mit ihrer Vulva auch die Fruchtbarkeit zurück geholt hat (näheres siehe bei Baubo).

Tabubrüche, um Fröhlichkeit in die Welt zu bringen

Sie beschützt vor dem Bösen und Dunklen, steht für langes Leben (von Menschen aber auch von Projekten) und für den Schutz der Nachkommenschaft. Ihre Energie besänftigt mürrische, übelgelaunte, beleidigte oder unglückliche Helden und Heldinnen. Sie ist damit sozusagen auch eine Heilerin von Depressionen.

Wann immer ungewöhnliche Maßnahmen, die alle Regeln der Etikette sprengen gefordert sind, können sich Frauen der Kraft des Ama no Uzume bedienen. Eine Übersetzung ihres Namens lautet auch: „Das schreckliche Himmelsweib“. 

Sie ist die Großmeisterin der Tabubrüche, die wieder Heiterkeit, Frohsinn und Strahlen in die Welt bringen.

Wenn Frauen ihr Leben zu Ernst nehmen, wenn ihnen das Lachen vergangen ist, wenn sie das Gefühl haben, ihre Strahlkraft wäre verloren, dann können sie sich Ama no Uzume einladen und sie bitten, wieder Tanz und Lachen in ihr Leben zu bringen. Damit kann auch ihr Strahlen und Leuchten wieder zum Vorschein kommen.

auch: Ame-no-uzume-no-kami oder Ame-no-uzume-no-mikoto

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