Tashi Tseringma ist die alteste der fünf „Feengöttinnen des Langen Lebens“ (“Glücksschwestern“) – eine alte Bön-Göttin, die jetzt von BuddhistInnen in Nepal und Tibet verehrt wird.

 Glückliches langes Leben

Tashi Tseringma ist die älteste der fünf „Feengöttinnen des Langen Lebens“ (“Glücksschwestern“) – eine alte Bön-Göttin, die jetzt von BuddhistInnen in Nepal und Tibet verehrt wird.

Als Hauptgöttin der fünf Schwestern steht Tashi Tseringma für ein glückliches langes Leben. Sie wird auch als Schützerin der Menschen verehrt und gilt als die Gebieterin über alle Wesen und göttliche Mutter. Der Mount Everest, den die BuddhistInnen in Nepal Chomolungma nennen und den sie als heiligen Berg verehren, ist der Sitz von Tashi Tseringma. Oft stellt man sich diese Göttin selbst wie einen mächtigen, schönen Berg vor, über dessen Mitte sich Wolken bewegen.

Um Tashi Tseringma ganz zu begreifen, stelle man sich weiter vor, dass Blumen und Medizinbäume am Fuß dieses Berges wachsen. Das Geräusch von fallenden Wassern ist vernehmbar und in den Wäldern singen die Vögel ihre Melodien. Aus alle dem steigt wie ein Schloss aus Diamanten und Rubinen empor. Wer diesen Ort kennt, wird immer nach ihm streben.

Das Schönste, das ein Mensch je zu Gesicht bekäme

Im Innern des Schlosses findet sich ein Thron aus einem Mond, der auf einer Blume ruht. In der strahlenden Mitte findet sich wieder die Göttin Tashi Tseringma. Mit leuchtendem, schmalem Antlitz, drei Augen und schimmerndem, blauschwarzem schlangenartig hochgebundem Haar, das mit einem Rubin geschmückt ist, wäre sie wahrscheinlich das Schönste, das ein Mensch je zu Gesicht bekäme. Man glaubt, ihr Schmuck sei kostbarer als alle Juwelen der irdischen Menschen und aller Gottheiten zusammen. Gehüllt ist sie in ein weiches und enges Kleid. Ihre Hautfarbe soll wie die einer goldenen Jungfrau sein und sie strahlt wie ein Licht, das im Wasser brennt.

Ihre Gesichtsfarbe erinnert an den leuchtenden Mond in einer Herbstnacht. Ihre lachenden Zähne sind wie Perlen und ihre Brust hat die Macht, den Regenfall auf die Erde zu bringen. Sie besitzt eine schmale, biegsame Taille und hat einen Blick, von dessen Glanz die Heiligen aus tiefster Meditation erweckt werden. So wird die Göttin in Gedichten beschrieben. Kein Wunder, dass man von ihr glaubt, dass sie den Menschen die höchsten Güter gewährt und alle damit verbundenen Wünsche erfüllt.

Eines der Gebete an sie lautet: „Wenn wir in die Ferne ziehen, begleite uns, göttliche Mutter, und wenn wir heimkehren, nimm uns wieder gnädig auf.“ Sie wird auch als Beschützerin des Dharmas verehrt und oft auf einem auf einem Schneelöwen mit grüner Mähne reitend dargestellt. Dabei hält sie eine Langlebensvase in ihrer rechten Hand.

Wolken, die sich in Feen und in Berggipfel verwandeln

Eine alte Legende berichtet von der Entstehung der „fünf Schwestern des langen Lebens“: Einst breitete sich im Land des Schnees eine große Wasserfläche aus, deren Wellen an ein üppig bewachsenes Ufer schlugen.

In diesem Wasser lebten viele verschiedene Tieren in einer friedlichen Atmosphäre zusammen. Doch dann stieg aus diesem Wasser ein giftiger fünfköpfiger Drache auf. Er wühlte die Wasseroberfläche so stark auf, dass er die Vegetation vernichtete. Die Tiere spürten das aufkommende Unheil und flohen, fanden aber keine Zuflucht mehr. Schließlich kam die Rettung in Form von fünf bunten Wolken, die sich dem Wasser näherten.

Sie verwandelten sich in fünf Feen und bezwangen den Drachen. Die so geretteten Tiere verbeugten sich aus Dankbarkeit vor den Feen und baten sie um ihren Schutz. Die Feen waren damit einverstanden, das Meer zog sich zurück und Wälder, Felder, Weiden und Gärten entstanden.

Die fünf Feen selbst verwandelten sich in die fünf höchsten Gipfel des Himalaya:

■ Im Zentrum ist der Gipfel der weißen Göttin Tashi Tseringma, die Glück und langes Lebens gewährt.
■ Im Osten findet sich der Gipfel von Tinggi Shelsangma (auch: Ting gyi Shal Zangma), der blauen Göttin der Freude, die die Gabe des Hellsehens verleiht.
■ Im Süden ist der Gipfel der Chomo Miyo Langsangma, der gelben Göttin der Güte, die Lebensmittel schenkt (er ist der höchste Berggipfel der Welt).
■ Im Westen findet sich der Gipfel Chöpen Dringsangma der roten Göttin der harmonischen Stimmen, sie gewährt Wohlstand.
■ Im Norden ragt schließlich der Gipfel der Zuverlässigkeit auf, er wird mit der grünen Göttin Tekar Drosangma in Zusammenhang gebracht, jener, die Glück gewährt. Noch heute kann man die fünf Glücksschwestern sehen: Sie ragen an der Südwestgrenze Tibets empor und schützen das Paradies auf Erden.

Alte Bön-Göttinnen zum Buddhismus „bekehrt“

Die Schwestern sind alte tibetische Bön-Berg-Göttinnen und damit vorbuddhistischen Ursprungs. Für die Menschen dieser frühen animistischen Zeit war ihr Land von Gottheiten, Geistern und Dämonen belebt. Mit dem Aufkommen des Buddhismus in Tibet wurden diese alten Gottheiten dann allerdings „bekehrt“. Der große tibetische Yogi und Dichter Milarepa wurde während seines Rückzugs in einer Höhle von Bergwächter-Geister geplagt. Das waren offenbar die fünf Bergschwestern.

Es gelang ihm, Tashi Tseringma zu seiner tantrische Gefährtin zu machen. Damit hatte seine Qual ein Ende. Darüber hinaus konnte er sie und ihre Schwestern zum buddhistischen Glauben bekehren und damit wurden sie auch zu Schutzgöttinnen aller Yogis.

auch: Tshe-ring-ma  

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