Ancamna – Gallo-römische Wasser- und Quellgöttin

Ancamna ist eine gallo-römische Wasser- und Quellgöttin der Treveri, einem keltischen Volksstamm in Nordostgallien. Es ist naheliegend, in ihr auch eine Stammesgöttin zu sehen. 

Die sehr kurvige Wassergöttin

Ancamna ist eine gallo-römische Wasser- und Quellgöttin der Treveri, einem keltischen Volksstamm in Nordostgallien. Es ist naheliegend, in ihr auch eine Stammesgöttin zu sehen.
Als Schutzgöttin wurde sie besonders in Teilen des Moseltales verehrt, sowie in Trier (dem antiken Augusta Treverorum). Wichtige Belege für den Kult der Ancamna stammen aus dem Heiligtumskomplex Irminenwingert bei Trier, einer bedeutenden religiösen Stätte.
In den umliegenden Regionen entstanden weitere Kultstätten, darunter Ripsdorf in der Eifel (nahe dem heutigen Euskirchen) und Möhn bei Welschbillig, nördlich von Trier. Im Heiligtum von Möhn wurden Votivgaben für Ancamna gefunden.
Weitere Belege für den Kult der Ancamna finden sich in Freckenfeld im Gebiet des Stammes der Nemeten (heutige Pfalz).

Verkörperung des Kreislaufs des Lebens

Sie ist die Hüterin der heiligen Gewässer, die Beschützerin von Heilung und Fruchtbarkeit und die Verkörperung des Kreislaufs des Lebens. 

Dargestellt wurde Ancamna oft als heitere, fast kindliche Gestalt mit fließendem, wasserähnlichem Haar, geschmückt mit einer Krone aus Wasserpflanzen und Muscheln. Ihre Augen bergen die Tiefe uralten Wissens, und ihre Ausstrahlung vermittelte Ruhe und Erneuerung. 

Ein unvollendetes Votivrelief aus Sandstein aus dem 3. Jahrhundert, das in der Nähe von Freckenfeld entdeckt wurde, zeigt Ancamna in einer gegurteten, ärmellosen Tunika und einem Mantel, geschmückt mit einer Halskette und einer Schale in der linken Hand. 

Ancamna steht für die Heiligkeit des Wassers und seine lebensnotwendige Rolle. Die KeltInnen glaubten, dass Flüsse, Seen und Quellen die Adern der Erde seien, die das Lebensblut transportierten, das Land und seine BewohnerInnen nährte. Sie legten für die Göttin heilige Brunnen an, bei denen sie Rituale vollzogen, um die heilende und lebenspendende Kraft des Wassers zu ehren. 

Ancamnas Einflussbereich reichte weit über die physischen Gewässer hinaus, denn sie wurde auch als Göttin der Heilung und Fruchtbarkeit verehrt. Ihre Berührung, so heißt es, bewirkte wundersame Heilungen und die Anrufung ihres Namens in Ritualen sicherte reiche Ernten und gesunde Nachkommen. 

Ihr Name ist vermutliche eine Aufteilung von „an-“ , das als Intensivierer fungiert und „sehr“ oder „intensiv“ entspricht, kombiniert mit einer Form, die mit der Wurzel „kam-“ verwandt ist und „Biegung“  oder „Kurve“ bedeutet. Dies könnte an die gewundenen Mäander der Flüsse in der Moselregion erinnern. Sie ist also die „sehr kurvige“  oder „sehr gebogene“ Göttin.

Die Legende mit dem Fischer

Einer Legende zufolge lebte einst ein junger Fischer namens Lirin an den Ufern eines mystischen Sees, der als „Der Spiegel von Ancamna“ bekannt war. Man glaubte, der See berge die Spiegelbilder von Vergangenheit und Zukunft, und viele suchten seine Ufer auf, um Weisheit und Führung zu finden.

Eines Abends, als Lirin seine Netze in das schimmernde Wasser warf, tauchte eine strahlende Gestalt aus den Tiefen des Sees auf. Es war Ancamna selbst, angezogen von Lirins reinem Herzen und seiner Ehrfurcht vor dem heiligen Wasser. Sie erschien vor ihm, und ihre Anwesenheit erzeugte Wellen auf der Seeoberfläche, die den Sternenhimmel widerspiegelten.

Ancamna sprach von der Verbundenheit aller Lebewesen und der Wichtigkeit, das fragile Gleichgewicht der Natur zu bewahren. Sie schenkte Lirin die Fähigkeit, mit den Tieren des Sees zu kommunizieren, und schuf so eine tiefe Verbindung zwischen ihm und der Unterwasserwelt.
Von diesem Tag an widmete Lirin sein Leben dem Schutz des Sees und seiner BewohnerInnen.
Er wurde zu einem verehrten Hüter des heiligen Wassers und sorgte dafür, dass die Geschöpfe gediehen und der See ein Zufluchtsort für all jene blieb, die Ancamnas Segen suchten.

 

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