Sunuxsal – Schutzgöttin des Stammes der Sunuci

Sunuxsal ist die Schutzgöttin des Stammes der Sunuci. Diese haben sich in der Nähe der Ubier in Civitas Agrippinenses (Köln) angesiedelt. Cornelius Tacitus erwähnte sie im 1. Jahrhundert n.u.Z. als frühe EinwanderInnen nach Britannien.

Sie, die hohe Träume erfüllt

Sunuxsal ist die Schutzgöttin des Stammes der Sunuci, einem  westgermanischer Stamm mit stark keltisierter Führungsschicht. Diese haben sich in Civitas Agrippinenses (Köln) angesiedelt. Cornelius Tacitus erwähnte sie im 1. Jahrhundert n.u.Z. als frühe EinwanderInnen nach Britannien.

Im gesamten Gebiet der antiken Belgica Secundus (heutiges Nordfrankreich, Belgien, südl. Teil der Niederlande), finden sich zahlreiche anthroponymische Namen, die auf denselben Wortstamm wie jener der Göttin Sunuxsal zurückgehen. Dazu gehören beispielsweise Sunua in Aix-en-Savoie, Mari-sunu(s) in Vichy und Iulius Sunnuvesa in Gurzenich.

Auch Votivsteine, die zwischen Bonn und Koblenz gefunden wurden, wie der in Glücksburg, zeugen von ihrem Kult, wie z.B. jener mit der Inschrift:

DEAE SVNVXSALI VLPIVS HVNICIVS VSLM

„Der Göttin Sunuxsal hat Ulpius Hunicius diesen Stein gewidmet, seine Gelübde wurden erfüllt und ihm gebührt.“

Im antiken Tempel von Varnenum wurde eine bronzene Weihinschrift mit dem Namen Sunuxsal gefunden. Neben dieser und weiteren Inschriften entdeckte man Münzen, Nadeln, Broschen, Keramik und Nägel. Der Tempel wurde vermutlich um 70 v.u.Z.durch ein Feuer zerstört.

Ihr Name begegnet auf bisher zehn Inschriften aus der römischen Provinz Germania inferior (von West nach Ost):

Nährend und fürsorglich

Der Tempelkomplex bei Kornelimünster gilt als ein zentrales Heiligtum der Sunuci für ihre Stammesgöttin Sunuxsal. Diese wird als sitzende Frau in Begleitung eines Tieres dargestellt, jedoch sind die wenigen figürlichen Darstellung so beschädigt, dass weder ihr Kopf noch ihr Oberkörper erhalten geblieben ist; von ihrem tierischen Begleiter sieht man nur die Vorderbeine. Es ist dies wahrscheinlich ein Hund, dem sie eine Wasser- oder Futterschale hinhält – dies als Aspekt ihres nährenden und fürsorglichen Charakters. 

In ihrer nährenden und versorgenden Rolle kann man die Göttin um Fruchtbarkeit, Wohlstand, Wohlergehen und Rat bitten. Besonders hervorzuheben ist auch ihre Funktion als Spenderin von Unterstützung in Zeiten der Trauer. In poetischerer Sprache ausgedrückt: „Sunuxsalis, mit ihrem Hundegefährten an ihrer Seite, hält ihre Schale hin, um Wohlbefinden und Wohlstand zu spenden. Und mit ihrer hochgehaltenen Fackel erhellt sie den Weg aus Momenten innerer Dunkelheit.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass aufgrund der stets fehlenden Köpfe, die möglicherweise mutwillig im Rahmen der Christianisierung abgeschlagen wurden, in der gesamten Region des westlichen Rheinlands bis heute die sogenannten „Juffernsagen“ über kopflose Frauen verbreitet sind. Diese Juffernsagen sind regionale Volkssagen aus dem rheinischen Raum, in denen weiße, feenartige Jungfrauen (Juffern) als gütige, aber strenge Beschützerinnen von Natur und Feldfrüchten auftreten. Sie sind eng mit dem antiken Matronenkult (drei Muttergottheiten) verbunden, beschützen oft Obstbäume und erscheinen häufig in Dreiergruppen. 

Söhne, Schlaf, Tod oder Träume

Zur Etymologie des Namens Sunuxsal gibt es einige Deutungen: So kann das Element „sunu“ mit dem germanischen „su(H)-nu-“ (= Sohn) in Verbindung gebracht werden und in Verbindung mit dem Endsuffix „sal“ („Ort, Heim, Halle“) könnte es darauf hindeuten, dass ihr Name „diejenige, die die Söhne siedelt“ bedeuten könnte.

Doch weitaus plausibler erscheint jedoch, dass die Sprachwurzel ihres Namens vom gallischen „Sunṷo“ (= Traum) stammt.

Auch die Verwandtschaft der gallischen Wurzel „Sunṷo“ mit dem germanischen „Swefaną“, was „Schlaf“ bedeutet, kann auf Vorstellungen des unklaren Traumzustands des Todes hinweisen. Im späteren Altenglischen finden sich Belege dafür, dass dieses Wort für Schlaf viel später verwendet wurde als die belegte poetische Form von „Tod“, ähnlich dem heutigen Begriff für „langen Schlaf“.

Die Göttin erschien den Menschen offenbar oft im Schlaf mit Botschaften, Geheimnissen und Lösungsansätzen. Daher kann Sunuxsal als prophetische Göttin betrachtet werden, die die Hoffnungen, Träume und Bestrebungen ihrer AnhängerInnen in Angelegenheiten des Wohlstands, der Fruchtbarkeit und des Krieges lenkt bzw. (Lebens-)Träume erfüllt. Daher auch ihr Beiname: „Sie, die hohe Träume erfüllt“.

Sie fungiert möglicherweise auch als Seelenführerin im „langen Schlaf“ des Todes, ähnlich den Walküren in der späteren skandinavischen und englischen Mythologie.

Die gesamte Zusammensetzung von Sunuxsal ergibt sich aus einer älteren Verbindung von „Sunṷo“ mit dem gallischen Endsilben „uχso“ (= hoch, erhaben) und dem Adjektiv „ali“, was darauf hindeutet, dass sie eine Heiligtumsgöttin war. Somit hätte „Sun(o)-uχs(o)-ali-“ die Bedeutung „Diejenige, die hohe Träume erfüllt (gewährt)“.

Göttin der Sonnenwechsel

Eine weitere Interpretation verbindet den Namen der Göttin mit „Sunwihslaz“ (= „Sonnenwandel“), gebildet aus „sunnǭ“ (=„Sonne“) und „wihslaz“ (=„Wandel“).

So gelangt man zu „Sunuhsalis“ (Sunuxsalis) mit der Bedeutung „des Sonnenwechsels“, was vielleicht am besten mit „sie der Sonnenübergänge“ umformuliert werden kann. Aussprache: Soon-ookh-suhl-is.

Sunuxsalis verkörpert damit den Wechsel der Jahreszeiten, insbesondere um die Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden. In diesen Zeiten vollzieht die Sonne ihren Wandel, ihren Übergang von der hellen zur dunklen Jahreshälfte bzw. von längeren zu kürzeren Tagen und umgekehrt. Die Sonne und mit ihr die Göttin durchwandert die drei Welten in einem jährlichen Zyklus: Um die Tagundnachtgleichen (etwa September/Oktober im Herbst und März/April im Frühling) weilt sie kurz in der mittleren Welt, bevor sie in der dunklen Jahreshälfte (November bis Februar) in die Unterwelt und in der hellen Jahreshälfte (Mai bis August) in die obere Welt reist.

auch: Sunuxsalis, Dea Sunuxsal, Sunuxalis, Sunucsalis, Sunuxsal, Sunucsal 

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