Brigantia war vermutlich die Stammesgöttin des keltischen Stammes der BrigantInnen, von denen Stammesverbände sowohl in Britannien als auch in Gallien und heutigen Belgien ansässig waren.

Die Erhabene

Brigantia war vermutlich die Stammesgöttin des keltischen Stammes der BrigantInnen, von denen Stammesverbände sowohl in Britannien als auch in Gallien und dem heutigen Belgien ansässig waren.

Die BrigantInnen siedelten schon in Südengland — Jahrhunderte bevor diese Region um 43 v.d.Z  vom Römischen Reich erobert wurde. In der Eroberungszeit regierte die Königin Cartimandua diesen Verband, dessen Einigkeit in der Verehrung der Brigantia als oberste Göttin und gemeinsame Mutter lag. 

Der Name Brigantia bedeutet „die Leuchtende“ oder „die Erhabene“. Schon das deutet darauf hin, dass eine enge Verwandschaft zwischen ihr und der irisch-keltische Lichtgöttin Brigid besteht. 
Möglicherweise ist „Dea Brigantia“ einfach die römische Bezeichnung oder eine lokale Ausprägung für Brigid .
Manche Quellen sprechen sogar davon, dass die Göttin Brigantia die Ältere ist und die Mythen der Brigid auf sie zurückführen.

Beschützt ihr Land

Brigantia wird aber in zahlreichen Überlieferungen unter diesem Namen erwähnt wird und hat auch Attribute, die Brigid so nicht zugeschrieben werden, 
Dargestellt wurde sie meist als ernst blickende junge Frau mit Helm, Speer, Schild und Rüstung, was auf eine Schlacht- und Siegesgöttin schließen lässt. Eine, die ihr Territorium in Kriegszeiten schützt, denn sie ist eine Göttin des Landes und damit auch eine Erdgöttin
In der Friedenszeit behütet sie die Herden und Felder.


Das bekannteste Bildnis, das sie namentlich als Brigantia ausweist, ist das vergleichsweise junge und stark klassisch beeinflussten Relief von Birrens (heute im Besitz des National Museum of Antiquities of Scotland, Edinburgh).
Es zeigt sie als gekrönte Göttin, die mit ihren den Attributen an die römische Göttin Minerva erinnert.
In der linken Hand hält sie ein rundes Objekt, das als Ei, oft auch als Schlangenei, als (Reichs-)Apfel bzw.einer anderen großen Frucht aber auch als Erdkugel gedeutet wird.

Berg, Fluss und Himmel

Die Ebene Brega in Irland lässt auf Briganitia als Landschafts- und Erdgöttin schließen.
Die Bezeichnung „die Erhabene“ wird auch dahingehend gedeutet, dass sie auch eine Berggöttin gewesen sein mag, was auch eine spezielle Form einer Erdgöttin ist.

Bregenz in Vorarlberg/Österreich wurde von den KeltInnen, dem Stamm der BrigantierInnen, 400 vor unserer Zeitrechnung gegründet: Es hieß Briga (lat.: Brigantium) —  die Hoch Erhabene liegt auf dem Berg, Brigantia war die Göttin, die hier verehrt wurde und immer noch verehrt wird.

Brigantia wurde aber auch als Nymphe bezeichnet – wohl weil sie auch als Flussgöttin des River Brent, ein Nebenfluss der Themse im Südosten Englands sowie des River Brain in Essex, nordöstlich von London ist. Dieser gab auch der Stadt Braintree seinen Namen, die damit auch mit Briganitia in Verbindung gebracht werden kann.
Flussgöttinnen sind immer auch für die Fruchtbarkeit des Bodens in der Flusslandschaft zuständig.
Ein Beiname der Brigantia ist auch „Caelestis“ (die Himmlische) — womit sie zur allumfassenden Göttin von Erde, Wasser und Himmel wird.

Einfluss bis auf das Festland

Eine Inschrift in der Ortschaft Irthington mit einer Anrufung an die „deæ Nymphæ Brigantiæ“ deutet auf ihre Funktion als Heilungsgöttin hin. 
Im römischen Kastell Blatobulgium im schottischen Birrens ist eine Weihestätte aus dem 2. Jahrhundert der Brigantia erhalten.
Obwohl Brigantia hauptsächlich in Britannien verehrt wurde, war ihr Kult auch auf dem Festland bekannt – was zahlreiche Inschriften bezeugen.

Möglicherweise ist auch Percht oder Berchta eine lokale binneneuropäische, alpenländische Ausprägung der Brigantia ebenso wie auch die gallische Muttergöttin Rigani.

Brigantia wird meist als spätantike keltische Göttin wahrgenommen, ihr Kult kann aber bis in die Steinzeit zurückverfolgt werden kann.

auch: Brigindona, Brigan, Brigandu, Brigindo, Bricta, Brixia, Bridig, Brigit, Brighid, Bríd, Bride, Braidd

%d Bloggern gefällt das: