In der Mythologie der australischen UreinwohnerInnen der Tiwi-Inseln ist Wuriupranili eine Sonnengöttin, die die Sonne als Fackel trägt. Die Sonnengöttin zieht verlässlich jeden Tag mit starker Kraft über den Himmel. 

Die Göttin mit der Sonnen-Fackel

In der Mythologie der australischen UreinwohnerInnen der Tiwi-Inseln ist Wuriupranili eine Sonnengöttin, die die Sonne als Fackel trägt.
Jeden Morgen erwacht sie im Osten und entzündet ein kleines Feuer, das die Menschen als ersten Schein der Morgendämmerung erkennen. Dann verziert sie ihr Gesicht und ihren Körper mit rotem Ocker. 
Oft wird dabei ein wenig vom Ocker-Pigment in die Luft geblasen und befleckt die Wolken, was zu einem roten Sonnenaufgang führt.
Während die Sonnengöttin sich auf ihre Reise über den Himmel vorbereitet, beginnen die Vögel mit ihren Gesang und wecken die Menschen.
Schließlich zündet sie am kleinen Morgenfeuer ihre Fackel an und reist dann mit dieser über den Himmel. Die Fackel der Wuriupranili nehmen die Menschen als Sonne wahr.
Wenn sie am westlichen Horizont angekommen ist, dekoriert sie ihren Körper erneut mit Ocker, was zu farbenprächtigen Sonnenuntergängen führt. Schließlich löscht sie ihre Fackel im Meer und die Nacht bricht herein. Sie benutzt die verbleibende Glut, um unter der Erde durch einen Tunnel zurück nach Osten zu gelangen.

Sonnenfrau und Mondmann

Ihr Bruder ist der Mondmann Japara und viele alte Geschichten erzählen, wie Wuriupranili und ihr Bruder zu unterschiedlichen Zeiten über den Himmel reisen.
Es heißt, das Leben war schwer für die Menschen als die Welt noch jung war. Die UreinwohnerInnen Australiens hatten weder Licht noch Wärme und mussten daher im Dunkeln jagen und ihre Beute roh essen.
Eines Tages rieb Japara gemeinsam mit seinem Freund Purukupali (der erste Mann auf der Welt) zwei Stöcke aneinander, nur so um zu sehen was passieren würde. Damit entdeckten sie zufällig die Kunst Feuer zu machen.
Sie hatten etwas gefunden, was die Dunkelheit vertreiben, Wärme spenden kann und zum Kochen dienlich war. Welch ein Wunder! Sie schworen einander, dass egal was passiert, dieses Feuer nie mehr ausgehen dürfe.

Purukupali gab Wuriupranala ein großes Stück brennender Baumrinde, weil er ihr und ihrer Stärke und ihrem Durchhaltevermögen mehr vertraute. Sein Freund Japara bekam ein kleineres Stück.
Damit endete in den Mythen der Aboriginis das Schöpfungszeitalter und die mythologischen Gestalten verwandelten sich in Lebewesen, Pflanzen und Naturgewalten. Wuriupranala wurde zur Sonnenfrau und Japara zum Mondmann.
Und wie sich herausstellte, war die Entscheidung von Purukupali richtig. Die Sonnengöttin zieht verlässlich jeden Tag mit starker Kraft über den Himmel.
Der Mondmann verliert schon recht bald seine Kraft und gleich nach Vollmond wird sein Licht schwächer und schwächer, bis es schließlich ganz erlischt. Dann muss ihm die Sonnenfrau sein Fackel wieder neu entzünden, bevor er sich mit der ersten schmalen Mondsichel wieder am nächtlichen Himmel zeigt und erneut in kleinen Schritten wieder zu Kräften kommt.

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auch: Wuriunpranilli


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