Die altägyptische Göttin Mafdet erscheint in Geparden-, Leoparden- oder Panthergestalt und führt als Unterweltsführerin die Seelen durch die Verwirrungen des Totenreichs, aber auch in das Reich der Magie.

Die beschützende Schlangenfeindin

Mafdet wird zu mächtigem Zauber gerufen. Sie ist zuständig für Gericht und Strafe.
Sie wirkt als Wächterin gegen Schlangen und Skorpione. Man glaubte, dass die Wildheit der Großkatze, die als Energie in der Göttin steckt, gegen Angriffe von Schlangen und Skorpionen schütze. So heißt es in Pyramidentexten, dass Mafdet den König und den Gott Re schützte, indem sie bedrohliche Schlangen angegriffen hat,
In diesen Texten werden Zähne und Krallen der Mafdet mit Messern und Widerhaken von Harpunen verglichen mit denen man Feinde enthaupten kann.
Mafdet ist zunächst in der altägyptischen Frühzeit eine Göttin in der Duat, in der sie als Himmelspanther tätig ist. Mit Duat wurde im Alten Ägypten das Jenseits bezeichneten, in das die Verstorbenen nach ihrer Bestattung und Wiedergeburt eintraten. 
Darstellungen auf „Zaubermessern“ des frühen Mittleren Reiches zeigen Mafdet als Pantherkatze, in welcher sie als Schlangenfeindin und Vernichterin der Feinde des Sonnengottes Re wirkt. Insbesondere tritt sie als Schützerin des Sonnengottes Re auf und zwar in der Phase, in der er am verletzlichsten ist, dem frühen Morgen mit dem Sonnenaufgang, Chepre genannt. Also kurz nach der alltäglich wiederkehrenden Geburt der Sonne.

Göttin mit dem Zaubermesser

In Pyramidentexten des Alten Reiches wird die Göttin als „Mafdet mit dem Messer in der Hand“ erwähnt und hatte damit auch die Funktion einer Schutzgöttin der Verstorbenen inne, die darüber wacht, dass sich die Schlange als Feind der Toten nicht nähern kann.
Fuß und Arm der Verstorbenen galten als Fuß und Arm der Mafdet, die zu dieser Zeit den erweiterten Titel „Die inmitten des Lebenshauses ist“ führte.
In Grabdarstellungen des Neuen Reiches ist Mafdet in ihrer Eigenschaft als Henkerin oder Bestrafende dargestellt wenn sie in den Szenen der Halle des Jenseitsgerichtes auftaucht.
Im Britischen Museum in London ist ein altägyptisches „Zaubermesser“, ausgestellt, mit einer Darstellung des solaren und himmlischen Charakter des Panthers. Dieser Panther wird mit der Göttin Mafdet in Verbindung gebracht. Das Pantherfell ist das Symbol der Mafdet und ihrer lebenserhaltenden und wiederbelebenden Kräfte.
Auf diesem Zaubermesser ist die Phase eines Sonnenlaufs zu sehen. Die gesamte Komposition einschließlich des Pantherkopfes endet in den Flügeln eines nicht zu erkennenden Wesens.
Auch auf zahlreichen Steingefäßen der frühdynastischen Periode ist die Göttin Mafdet zu sehen. Auf einer Abbildung aus Abydos fungiert sie als göttliche Pantherkatze, die mit der rechten Tatze ein Was-Zepter hält, das in dieser Anordnung einen Phallus symbolisieren könnte.
Sie steht dabei auf einer Neb-Hieroglyphe, darunter befindet sich in einem Haus ein Anch-Zeichen. Die gesamte Darstellung spielt auf einen ihrer Beinamen an: „Gebieterin des Lebenshauses” („Nebet Hut-anch”). Daneben wird Mafdet mit dem Hinrichtungspfahl in Verbindung gebracht, wo sie die Köpfe der hingerichteten Verbrecher frisst.

Versorgung mit Lebensmitteln

Bereits im späten Mittleren Reich sind Wesensveränderungen der Mafdet erkennbar. Sie ändert den passiven Status ihrer alten Funktion als Schutzgöttin und greift ergänzend aktiv in den Totenkult ein. Ihre neuen Aufgabenbereiche beinhalten nun die „Vereinigung der Glieder des Osiris“ und die Versorgung der Verstorbenen, die sich fortan „von den Jungtieren der Mafdet“ ernähren.
Im Neuen Reich ist die vollständige Transformation abgeschlossen, nun übernimmt Mafdet die Rolle der Verstorbenen.
Der von Mafdet getragene Pantherfellumhang ist oft auf Darstellungen von Speisetischszenen und im Rahmen der rituellen Opfergaben in Form von Kleidung für Verstorbene anzutreffen. Damit ist Mafdet auch die „Gebieterin der Versorgung mit Lebensmitteln” – und zwar von jenen für die Verstorbenen wie auch für jene des Pharaos. Denn sie war für das persönliche Wohlergehen des Königs verantwortlich. Als „Gebieterin des Lebenshauses“ schützt sie alle „Versorgungsinstanzen“ des Hofes.

Zusammenspiel mit anderen Göttinnen

Im Zusammenhang mit dem Pantherfell werden die beiden Göttinnen Mafdet und Seschat genannt, da beide als einzige weibliche Gottheiten die Insignie des Pantherfells tragen.
Mafdet und Seschat gelten als Zwillingsschwestern. Der Geburtstag beider Göttinnen wurde gemeinsam gefeiert. Man vermutet, dass die Verbindung durch ihre Funktionen zustande kam. Mafdet galt als eine Gerichtsgöttin und Seschat als Schriftgöttin.
Oft vereint Mafdet die Attribute der Schlangengöttin Wadjet und der Löwengöttin Sekhmet. Entsprechend ändert sich die Ikonografie der Mafdet, die nun als löwenköpfige Schlange dargestellt wird.
Amulette zeigen sie zusätzlich als Katze, die gemeinsam mit dem Falken und Löwen den Gott Horus schützt.

Außer im Zusammenhang mit ihrer Schwester Seschat ist Mafdet in keinen mythischen Familienverband eingebunden und symbolisiert so auch den einsamen Weg durch Schwierigkeiten und Verwirrungen. Dieser geht sie aber nicht furchtsam, sondern mit der wachen Aufmerksamkeit des schnellen Raubtiers.
Sie weckt auch die Raubtierenergien in Frauen. Auch das Einnehmen des eigenen Raumes und der Ausdruck der Eigenmacht wird von Mafdet mit Sympathie begleitet.

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