Coatlicue – Aztekische, vorkolumbische Schöpfungsgöttin, Erdmutter, Mutter von Leben und Tod

Coatlicue ist eine Fruchtbarkeits- und Schlangengöttin, die große beschneidende Kraft. Sie zählt zu jenem Typus einer Großen Göttin, die sowohl Geburt, liebende und nährende Mutterschaft, als auch Tod und Zerstörung bringt.

Beschneidende Kraft

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Coatlicue ist eine Fruchtbarkeits- und Schlangengöttin, die große beschneidende Kraft. Sie zählt zu jenem Typus einer Großen Göttin, die sowohl Geburt, liebende und nährende Mutterschaft, als auch Tod und Zerstörung bringt.

Da sie Leben gebären kann, kann sie es auch wieder nehmen. Sie eine Gegenspielerin von jeglicher Art von Fülle und damit auch der Göttin Xochiquetzal.

Ihre beschneidende Kraft bringt Artenvielfalt

Mit dieser Kraft ist diese Göttin im ewigen Kreislauf des Lebens sehr bedeutend. Sie beschneidet die ausufernde Fülle und sorgt damit, dass von einzelnen Arten nicht zuviel da ist.

Ihr Geschenk ist daher die Artenvielfalt. Damit bringt sie Fruchtbarkeit. Der Preis für diese Fruchtbarkeit, die das Leben einer Art unterstützt und hervorbringt, ist allerdings der Tod oder das Zurückdrängen einer anderen Art.

Man stelle sich vor: Es gäbe auf unseren Feldern nur Monokultur, Wälder mit nur einer Baumart, Gärten, in denen nur eine Sorte Blumen wachsen, nur eine einzige Hunderasse, nur eine Möglichkeit, ein Problem zu lösen. Da ist zum Glück Coatlicue vor.
All dieses Eintönige wird von ihr bis in die letzte Konsequenz bekämpft.

Göttin mit Schlangenrock

Coatlicue wird oft als Schlange, als Frau mit schlangenähnlichen Tätowierungen oder mit einem Rock aus sich windenden Schlangen um ihre Taille dargestellt (ihr Name bedeutet auch „Rock aus Schlangen“).

Auf einigen Darstellungen trägt sie ein Halsband aus menschlichen Herzen, Händen und Schädeln. Gleichzeitig ist sie mit Kränzen aus den unterschiedlichsten Blüten geschmückt. Das streicht ihre Qualitäten als Leben spendende und gleichzeitig als Tod bringende Göttin hervor. Ihre Füße und Hände sind oft als Klauen dargestellt (um Gräber zu graben).

Ihre Brüste werden oft als schlaff dargestellt. Das wiederum zeigt ihre Leben spendende Kraft, denn die schlaffen Brüste wurden durch das Stillen ihrer vielen Kinder verursacht.
Oft wird sie als Göttin mit vier Schwestern dargestellt, sie ist im Zentrum, während ihre Schwestern, allesamt auch Schlangen, die vier Himmelsrichtungen repräsentieren und beherrschen.

Was ist zuviel des Guten?

Coatlicue zeigt sich nie als liebreizend oder freundlich, sondern immer als streng und prüfend. Sie schaut genau, was überflüssig ist, wo irgend etwas „zuviel des Guten“ ist, welche Wesen oder Wesensanteile deswegen vernachlässigt werden, nicht zum Blühen und Wachsen gelangen können.

Es wird erzählt, dass eines Tages, als sie den Tempel auf Coatepec, dem Schlangenberg, ihrem Heim, fegte, ein Ball Federn auf sie herab fiel. Coatlicue wurde schwanger. Als ihre anderen Kinder (allesamt Gottheiten), von dieser Schwangerschaft erfuhren, fürchteten sie die Konkurrenz des Nachkömmlings und planten, ihre Mutter zu töten.
Aber das ungeborene Kind, der Sonnengott Huitzilopochtli erfuhr von dem Plan und sprang aus dem Schoß seiner Mutter um sie zu retten. Er zerstörte seine Geschwister und enthauptete auch seine Schwester Coyolxauqui.
Doch um diese trauerte Coatlicue sehr, da sie sie besonders liebte. Darum setzte sie deren Kopf mit dem strahlend schönen Gesicht an den Himmel, auf dass sie nie mehr vergessen werde. So wurde Coyolxauqui zur Mondgöttin.

Mutter des Lebens

Die aztekische Schlangengöttin wird oft auch als Schöpfungsgöttin angesehen. Über allem stehend und vor allem anderen existierend, schwebte sie zunächst in einer Nebel verhangenen Welt.

Niemand erkannte, wie wunderbar sie ist, weil ja auch noch niemand da war. Als sie endlich in Erscheinung trat, begann plötzlich eine unglaubliche Vielfalt an Pflanzen zu blühen und sie wurde von allen als Mutter des Lebens anerkannt.

Coatlicue bringt ihre prüfende, beschneidende Kraft auch in das Leben von Menschen, wenn diese sich mit ihrer Kraft verbünden und verbinden wollen. Dies geschieht oft in Zeiten, wo man sich seiner selbst überdrüssig ist, wo Trägheit oder Langeweile das Leben beherrschen.

Die Verbindung mit dieser Göttin bringt meist einen Prozess mit sich, der nicht einfach ist. Vertraute, aber stagnierende, muffige Angewohnheiten, Lebensumstände, Charakterzüge werden genau überprüft und mit Hilfe der Coatlicue-Energie weg geschnitten.
Das kann schmerzhaft sein. Aber die Mühe lohnt sich. Neue, beeindruckende Kräfte, Ideen, Energien können erblühen und neue – oft ungeahnte – Lust und Freude bringen.

auch: Cihuacoatl, Tonantzín, Teteoinan, Teteo Inan, Toci

 

Das Bild der Coatlicue kann als Replik erworben werden.

Hier alle Infos dazu

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