Maya – Indische Göttin bzw. Mutter der Schöpfung, Weltenmutter, die das Gespinst des Lebens, aber auch die Illusion webt

Im indischen Hinduismus und im Buddhismus gilt Maya als das „Materielle Universum“ bzw. Schöpferin des Universums und als Göttin der Illusion, die dieses Universum gemäß dem Hinduismus darstellt. Maya wird auch in Nepal, Tibet und im Himalaya verehrt

Die Weltenweberin 

Im indischen Hinduismus und im Buddhismus gilt Maya als das „Materielle Universum“ bzw. Schöpferin des Universums und als Göttin der Illusion, die dieses Universum gemäß dem Hinduismus darstellt. Maya wird auch in Nepal, Tibet und im Himalaya verehrt.

Sie wird oft als der jungfräuliche Aspekt einer dreifachen Göttin dargestellt — Durga ist in dieser Trinität die Mutter und Kali die Alte. In ihrer Gesamtheit wird diese dreifaltige Göttin auch Kalitar genannt.

Die greifbare Realität allen Lebens

Maya wird oft nicht als Göttin, sondern als Prinzip dargestellt. Ein Prinzip, das für die greifbare Realität allen Lebens steht, für all das, was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen können.

Sie ist Sinnbild für alle manifestierten Formen und all dem, was sie uns schenken, aber auch für den „Wahn“, der von ihnen ausgeht. Maya birgt das größte Rätsel in sich — jenes, das aus dem „Nichts“ etwas entstehen lassen kann, wie es letztlich jedes weibliche Wesen tut, das ein Kind zur Welt bringt.

Dieses Prinzip hat daher eine durch und durch weibliche Ausprägung, daher wird Maya auch als Göttin aufgefasst. Ursprünglich hieß Maya eigentlich „das Wunderbild“. Das wurde im Patriarchat immer mehr mit „Trugbild“ übersetzt, denn eine weibliche Kraft, die „Wunder“ wirkt, ist suspekt. Dass etwas auf Grund dieser Kraft von einem Gedanken in Materie umgesetzt wird, dem darf man keinen Glauben schenken, also schrieb man Maya oft zu, dass sie etwas zaubert, dass man sehen kann, dass aber nicht real ist.

Im Hinduismus gilt Maya daher auch als Versucherin und Verblenderin, die den Geist der Menschen mit ihren Illusionen verlockt, betört und bezaubert.

Die Weberin des Lebensnetzes

Maya schafft nicht nur alle Materie, als „Weberin des Lebensnetzes“ bzw. als „Weltenweberin“, erschafft sie sich auch ständig selbst.

Die Attribute von Maya sind daher das Spinnennetz bzw. der Schleier. Dieser steht für das Geheimnis, das Rätsel, für jene Dinge, die der Mensch nicht sehen darf, er verhüllt die Realität. Der Schleier der Maya bedeutet daher auch Illusion und Zauberei. Diesem Schleier der Maya wird aber auch eine wichtige Funktion zugeschrieben, denn er soll die eigentliche Natur aller Dinge bedecken, damit wir Menschen nicht zu leicht die verborgenen Gesetze der Schöpfung entdecken können.

Maya selbst bleibt oft unsichtbar. Sie gilt oft einfach nur als Ausprägung der weiblichen Urkraft Shakti, die in unterschiedlichen Gestalten erscheint. Maya ist überall, denn allein die Tatsache des „Seins“ erfordert ihre Anwesenheit.

Wenn Maya die Schleier hebt …

Auf Darstellungen sieht man Maya auch immer wieder die Schleier der irdischen Formen heben, so dass die wahre Natur des Universums zum Vorschein kommt. Die eigentliche Kunst ist es nämlich, hinter dieses Trug- bzw. Wunderbild zu blicken. Wem das gelingt, der kann Maya an ihrem Webstuhl sitzen sehen und erkennt das Wunderbare und Zauberhafte dieser Welt.

Es heißt, wenn Maya tanzt, dann verändern sich Dinge — zunächst auf der feinstofflichen Ebene. Dies ist die Voraussetzung, dass sie dann in unserer Welt real und greifbar werden können.

Maya werden auch die sieben Farben des Regenbogens zugeschrieben, die ja auch feinstofflich, sichtbar aber nicht greifbar sind.

Es gibt nichts, was nicht Maya ist

Im Hinduismus gibt es verschiedene Mythen um das Entstehen der Maya. So soll sie einer Version nach dem Gott Vishnu entsprungen sein, als dieser gerade auf der Weltenschlange ruhte.

Eine andere Geschichte erzählt, dass das Glühen der Gesichter der beiden Götter Shiva und Vishnu einen solchen Glanz hervorgebracht hat, dass davon die Welt erfüllt war und daraus sei Maya entstanden.

Es heißt, die Manifestationskraft von Maya war allen Gottheiten und Gestirnen so wichtig, dass sie alle zu ihrem Entstehen und ihrer prächtigen Erscheinung beigetragen haben sollen. Sie ist von ihnen mit Schmuck und Waffen ausgestattet worden und hat einen Löwen als Reittier erhalten. Damit hat sie den Stierdämon Mahisha, der die Herrschaft an sich reißen wollte, besiegt.

Einer Geschichte nach besingt der Gott Brahma die Unfassbarkeit Mayas, sie erscheint hier als Göttin des Absoluten und der Ewigkeit, da es nichts gibt, was nicht Maya ist.

Die seltsamen Geburtsmythen von Göttern

Maya gilt als die jungfräuliche Mutter des erleuchteten Buddha, was logisch ist, denn wenn sie alleine alle Materie geschaffen hat, dann gehört auch Buddha dazu. Nach einer Überlieferung soll die historische Königin Mayadevi einen Sohn Namens Buddha Sakyamuni geboren haben.

Sie wird dabei oft in schmerzfrei gebärender, stehender Form abgebildet, den Ast eines Baumes mit ihrer rechten Hand haltend. Recht offensichtlich ist hier die Verwandtschaft von Maya mit der griechisch-römischen Maia, die mit Hermes auch einen Gott geboren hat und in weiterer Fortsetzung mit ihrer christlichen Umwandlung der „Jungfrau“ Maria, die ja auch einem jungen Gott das Leben schenkte.

Sowohl Buddhisten wie auch Christen (hier bewusst in männlicher Form geschrieben) werden durch den Vorgang der Empfängnis und Geburt leicht in Verlegenheit gebracht. Wie es im Christentum die Meinung gibt, der Same Gottes sei Maria vom Heiligen Geist durch das Ohr appliziert worden und Jesus sei nicht durch den normalen Geburtskanal zur Welt gekommen sondern vor Maria einfach erschienen, so wird auch im Buddhismus eine krause Geschichte erzählt:

Damit Buddha nicht mit den „Schamteilen“ einer Frau in Berührung kommen musste, selbst wenn es die seiner Mutter bei der Geburt sind, soll er Maya aus einer Öffnung aus deren Seite entschlüpft sein. Dass bei der Geburt von Buddha überhaupt eine Frau beteiligt war, wurde später dann auch aus manchen Schriften überhaupt gestrichen, bzw. ließ man Maya einige Tage nach Buddhas Geburt „vor Freude“ sterben. Sie soll danach in einem Himmel wiedergeboren worden sein.

Selbst dem griechischen Gott Hermes, von dessen Geburt nichts bekannt ist, gesteht man in seinem Mythos zu, dass er sich bereits am ersten Lebenstag aus dem Einflussbereich seiner Mutter Maia entzogen hat. Dies alles veranschaulicht sehr deutlich, wie gefürchtet diese mütterlich-matriarchale Macht für die patriarchalen Götter war.

Der Geist, der in allen Frauen lebt

Ungeachtet der Schriften und Mythen, die sie am liebsten ausradieren wollten, blieb Maya als wichtigste Instanz der Schöpfungskraft bestehen. Sie gilt als der Geist, de
r in allen Frauen lebt und zwar gleichermaßen in ihren drei Formen der Schöpferin, Bewahrerin und Zerstörerin.

In einem Mahayana-Text steht geschrieben:„Die Frau ist von allen Formen Mayas die wichtigste.“ Als Partner von Maya wird immer wieder Agni, der Feuergott erwähnt. Diesen soll sie ihn regelmäßigen Abständen verschluckt und ausgelöscht haben. Hier soll offenbar das weibliche Element des Wassers dem männlichen Element des Feuers gegenüber gestellt werden.

Nach tantrischem Glauben löscht Maya, die Göttin in ihrer Yoni den flammenden Lingam von Agni, dem Gott.

Das Netz der Maya umspannt die Welt

Die universelle Schöpfungskraft mit dem Namen Maya scheint recht erdumspannend zu sein. Deutliche Züge der indischen Maya finden sich in der griechischen und römischen Maia wieder, die als Frühlingsgöttin kraftvoll Neues schafft.

Aus diesen Göttinnen entwickelten sich weiter nördlich die Jungfrau Maj oder Mai und in Skandinavien die Maijungfrau Maga. Auch die westliche Hemisphäre scheint von der Maya-Kraft erreicht worden zu sein.

Nicht nur, dass das Yukatan-Volk im präkolumbischen Mittelamerika, den Namen Maya trug. Auch die Rituale des Maya-Volkes glichen jenen in Nordindien, wo die Göttin Maya verehrt wurde — man brachte in derselben Weise Opfer dar, feierte zur gleichen Jahreszeit bestimmt von derselben Sternenkonstellation.

Im prekolumbianischen Mittelamerika wurde eine Fruchtbarkeitsgöttin mit dem Namen Mayahuel verehrt. Diese wurde die „Frau mit den vierhundert Brüsten“ genannt und galt damit (ähnlich wie Artemis) als Mutter und damit Schöpferin und Ernährerin aller Geschöpfe der Welt.

Zieh einen zauberhaften Faden aus ihrem Schleier …

Immer wenn Zauber und Wunder geschehen, wenn Ideen in die Tat umgesetzt werden, dann hat Maya ihre Finger im Spiel. Daher ist es gut, sich ihres Wohlwollens zu versichern. Sie hilft auch den Menschen dabei, die Schleier der Unwissenheit und der Illusionen zu lüften und der Wahrheit ins Gesicht zu sehen.

Um es nochmals klar zu stellen: Maya ist nicht die Produzentin von Illusion und Trugbildern, diese erschaffen sich die Menschen oft durch falsche Erwartungen, irregeleiteter Wahrnehmung, subjektive Interpretationen der Realität selbst.

Mit Hilfe von Maya können diese Täuschungen aufgehoben und entfernt werden. Was dann folgt ist die Ent-Täuschung (oder auch das „Ende der Täuschung“). Das mag manchmal vielleicht ein unangenehmer, sogar schmerzlicher Prozess sein.

Dennoch: Je genauer man hinter die Schleier der Maya sieht, umso besser. Wie erleichternd ist es letztendlich oft, wenn die Wahrheit ans Tageslicht kommt. Denn Maya hält hinter ihrem Schleier auch alle Wunder der Schöpfungskraft verborgen.

Als weiter in unhaltbare Illusionen verstrickt zu sein, ist es besser, sich einen zauberhaften Faden der aus ihrem Schleier zu ziehen, ihn mit aller Tatkraft weiter zu weben und sich selbst etwas Wunderbares ins Leben zu materialisieren.

auch: Mahamaya (große Maya), Mayadevi

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