Im alten Griechenland und später dann in Rom verehrte man die „Sorge“ als allegorische Göttin.

Die sorgende Fürsorgliche

Im alten Griechenland und später dann in Rom verehrte man die „Sorge“ als allegorische Göttin. Aus dem 2. Jahrhundert wird uns (wohl aus einer griechischen Quelle gespeist) von dem Bibliothekar und Autor einer lateinischen Fabelsammlung, Hyginius Mythographus folgende Fabel über den menschlichen Schöpfungsmythos erzählt:

Einst saß die Göttin Cura an den Ufern eines Stromes, dem Spiele seiner Wellen zuschauend. Gedankenverloren nahm sie ein Stück des tonhaltiges Erdreichs am Flussufer in ihre Hände und begann es zu formen. Es entstand in ihren Finger eine Gestalt.
Das bemerkte der Gott Jupiter. Cura bat ihn, dem geformten Stück Lehm Geist einzugeben und Jupiter erfüllt diesen Wunsch.
Daraufhin wollte Cura ihrer tönernen Form einen Namen geben. Das allerdings wurde ihr von Jupiter verboten, denn er selbst wollte das geformten Stück Lehm benennen.
Da nun die beiden in Streit gerieten, erhob sich Tellus, die große Erdgöttin und forderte, dass es ihr allein zustünde, der Lehmfigur einen Namen zu geben, da es ja ein Stück von ihr selber war, das Cura geformt und Jupiter mit Geist versehen habe.
Die drei Streitenden nahmen sich den Gott Saturn zum Richter. Er ist der Sohn der Erdgöttin Tellus und des Jupiters, der nicht nur seinen eigenen Vater kastriert und überwältigt hatte, um zu großer Macht zu kommen, sondern auch alle seine anderen Söhne bis auf den einen, Jupiter, aufgefressen haben soll, um auch an der Macht zu bleiben.
Saturn erteilte folgende, anscheinend gerechte Entscheidung: „Du Jupiter, weil du ihm Geist verliehen hast, wirst bei seinem Tod den Geist dieses tönernen Wesens empfangen, du Tellus, weil du ihm den Körper gabst, wirst mit seinem Tod den Stoff wieder erhalten. Weil aber Cura dieses Wesen gebildet hat, so soll sie, die Sorge, ihr Geschöpf, solange es lebe, besitzen.
Und da der Streit ja um den Namen dieses neuen Geschöpfes ging, bestimmte Saturn auch diesen: Es sei fortan „homo“ zu heißen, da es aus „humus“, also Erde, gemacht worden ist.



Mensch aus Lehm geformt

So entstand der Mensch in diesem alten Mythos.
Er reiht sich in ein Vielzahl von Schöpfungsmythen, in denen der Mensch aus Lehm geformt wurde.
Dass das Körperliche, als das Grundmaterial und die Form von zwei weiblichen Göttinnen kommt, ist klar: Frauen geben Leben, formen und gebären Körper. Dass ihm der Geist allerdings von einem männlichen Gott eingehaucht wurde, entspricht dem bereits patriarchalem Weltbild des antiken Griechenland und Römischen Reichs. In älteren Schöpfungsmythen aus matriarchalen Zeiten formten Göttinnen die Menschen noch in ihrer Gesamtheit – Körper und Geist.

Dieser neugeschaffener „homo“, der Mensch ist also diesem Mythos nach während seines gesamten „irdischen“ Lebens das „Eigentum der Sorge“.

Was ist Sorge?

Dieses Wort „Sorge“, dessen allegorische Göttin Cura ist, hat mehrere Bedeutungen. Das Spektrum reicht dabei von innerlichem Besorgt- oder Beängstigt-Sein bis zur tätigen Sorge für oder um etwas.
Da gibt es die Sorge – im Sinn von Kummer, Problemen, quälenden Gedanken; bedrückenden Gefühlen oder Not. Eine mehr oder weniger konkrete, mitunter länger anhaltende Befürchtung oder seelische Bedrückung, die Unruhe oder Angst hervorruft.
Diese kennen wir vor allem in unserer eigenen Gefühlswelt als zutiefst unbehagliches Gefühl, das uns selbst betrifft.

Da gibt es aber auch die „Sorge um“ – und diese machen wir uns um andere, um meist nahestehenden oder anvertrauten Menschen – z.B. um die Zukunft unserer Kinder. Wir sorgen uns auch um etwas, das tatsächliche oder auch nur vermutete kommende Ereignisse oder eine drohende Gefahr betrifft, die Sorge um das sich verändernde Klima, um eine drohende Kriegsgefahr oder um die schlechte Auftragslage der Firma, in der ich arbeite.

Doch es gibt auch die „Sorge für“ bzw. die „Fürsorge“. Dabei wird die „Sorge um“ zur tätigen Sorge für oder um etwas. Wir legen dabei unser Augenmerk auf die „Versorgung“ z.B. mit Essen, mit Kleidung, mit medizinischer Hilfe – meist für andere, aber natürlich geht es auch um eine gute Sorge für sich selbst im Sinne von einer guten und gesunden Lebensweise.

Damit verwandelt sich die negative Bedeutung von Sorge in eine zutiefst positive: Das geschieht immer dann, wenn wir „für etwas Sorge tragen“ oder „Vorsorge treffen“, die „Obsorge“ übernehmen bzw. etwas oder jemanden gut „versorgen“.

Das lateinische Wort „cura“ bedeutet sowohl „Sorge“ wie auch „Aufsicht“ und „Pflege“.
Wir finden es in den Worten wie Kurator, Kuratel, Kuratorium oder auch im englischen „care“, das mit Obhut, Schutz, Fürsorge, Betreuung, Körperpflege, Kinderpflege, Aufsicht, Leitung übersetzt werden kann.

Dieses ganze Bedeutungsspektrum deckt die Göttin Cura ab. Wenn wir nicht alle die „Kinder der Göttin Cura“ wären, die uns durch unser ganzes Leben begleitet, dann würde uns auch der stärkste menschliche Grundzug fehlen: Das sich um etwas sorgen, Sorge tragen und fürsorglich sein.

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