Fama – Römische Göttin des Gerüchts

Fama steht als Göttin auch für den guten bzw. schlechten Ruf, den Klatsches und den Ruhm. Sie ist eine Tochter von Tellus Mater bzw. als Pheme der Gaia.

 Sieht und hört alles

Fama steht als Göttin auch für den guten bzw. schlechten Ruf, den Klatsches und den Ruhm. Sie ist eine Tochter von Tellus Mater bzw. als Pheme der Gaia.

Angeblich gibt es im Weltall einen Ort, von dem man alles sehen und hören kann. Dort wohnt die Göttin Fama. Ihr Haus soll tausend Eingänge und Fenster haben, es ist ganz aus klingendem Erz gebaut, so dass der Schall in allen Ecken und Enden unaufhörlich wispert und vom ein- und austretendem leichtfertigen Volk weitergetragen wird.

Hier wohnen auch Credulitas — die Leichtgläubigkeit, Error —  der unbesonnene Irrtum, Laetitia — die grundlose Freude, Timor — der aufgescheuchte Schrecken sowie der Aufruhr und „das Geflüster zweifelhaften Ursprungs“.

Kein Unterschied zwischen Wahrheit und Verleumdung

Die Göttin selbst sieht, was im Himmel, im Meer und auf der Erde vorgeht, sie durchspäht die ganze Welt. Tagsüber ist ihr Platz auf Türmen und Dächern, wo sie das Gerede der Menschen aufschnappt und in Windeseile weiterträgt. Sie soll niemals schlafen, sondern des Nachts durch die ganze Welt ziehen. 

Was sie verbreitet, ist ihr gleich, sie unterscheidet nicht zwischen dem Verbreiten von Wahrheit und Verleumdung

In der bildenden Kunst wird sie mit Federkleid und mit Flügeln dargestellt, die für die rasche Verbreitung der Gerüchte sorgen, sowie mit einer Posaune, mit der sie Wahres und Falsches „ausposaunt“. Ihre Flügel sind schwarz, wenn sie etwas Falsches und weiß, wenn sie etwas Wahres in die Welt hinaus trägt.

Tausende Ohren, Zungen und Augen

Wahrscheinlich hat Fama aber sowohl bei den RömerInnen als auch bei den GriechInnen gar keinen religiösen Ursprung, sondern war als allegorisch-symbolische Gestalt eine Erfindung der Dichtkunst.

So hatte sie Vergil als das schnellste aller Übel bezeichnet, sie habe tausende Ohren, Zungen und Augen, schläft nie ganz, sondern hat immer ein Auge und ein Ohr offen, um nichts zu verpassen. Schon sechs Jahrhunderte zuvor hatte sein Kollege Hesiod sie als Pheme beschrieben.
Auch von Ovid wurde sie als Botin von Wahrheit und Lüge zugleich beschrieben, die nicht unterscheidbar sind. Aber da nun in der Dichtung schon von ihr erzählt wurde, quasi als „Fama“ fabuliert, lohnt es sich, sich diese Göttin ein wenig näher anzuschauen. Gerade, wenn sie wirklich ein Produkt der Dichtkunst ist, ist dies ein Beweis dafür, dass alles, was erzählt wird, auch tatsächlich in der Welt ist.

Ihr Credo lautet: Alles, was beschrieben werden kann, kann auch verwirklicht werden.

Beweis, dass Gesprochenes wahr werden kann

Daher ist die Energie und Kraft dieser Göttin überall dort, wo man von Ideen erzählt, Wünsche ausspricht, Geschichten und Märchen erzählt.

Sie ist der Beweis dafür, dass Gesprochenes wahr werden kann. Erzählend wird ihre Kraft gerühmt und ihre Magie beschworen.

Sie ist damit gerade für Frauen eine interessante Göttin. Da sie alles — auch Zwischentöne — hört, viel von Erzähltem aufschnappt und sich ihren eigenen „Reim“ daraus macht und die Kommunikation (geringschätzig als Klatsch und Tratsch bezeichnet), aufrecht erhält, hilft sie dabei, Neues zu erfinden und Phantasiertes zu erschaffen.

Das ist Magie! Erzählend wirkt sie die Welt neu durch die Erzählerin.

auch: Pheme (griechisch)

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