Gunnlöd – Riesin und Göttin in der nordischen Mythologie

Gunnlöd ist in der nordischen Mythologie die Mutter der Dichtkunst und als solche Hüterin der Kessel mit dem „Skaldenmet“ (auch: Odrörir) im Inneren eines Berges.

Poetische Inspiration

Gunnlöd ist in der nordischen Mythologie die Mutter der Dichtkunst und als solche Hüterin der Kessel mit dem „Skaldenmet“ (auch: Odrörir) im Inneren eines Berges. Dies war ein Honigmet, der aus dem Blut des allwissenden Wesens Kwasir gebraut wurde.

Wer davon trinkt, wird alsbald von poetischer Inspiration erfüllt, kann gut singen und dichten und beherrscht meisterlich die Skalden- oder Sagadichtung.

Dies wollte auch der Hauptgott Odin. Um den Zaubermet zu erwerben, muss er —  weil ein so hohes Ziel männliche und weibliche Kräfte erfordert — einen alten Einweihungsweg agrarischer Göttin-Mysterien beschreiten.

Es sind Mysterien der Erde. Als Bauer erntet er, muss dabei die Korngeister töten, dringt weiter in die Erde vor, indem er ein Loch in Gunnlöds Berg bohrt, und wird durch eine magische Geist-Verwandlung selbst zum Erdgeist, verkörpert als Schlange, in deren Gestalt er durch das Loch kriecht. Im Berg schließlich weiht ihn Gunnlöd ein.

Er verbringt drei Nächte mit ihr und darf dreimal von Odrörir trinken. Mit jedem Schluck trinkt er ein Drittel des Mets. Dann verwandelt er sich in einen Adler und fliegt nach Asgard zurück. Odins Einweihung in die Dichtkunst ist nach Art der Göttin-Mysterien also eine Heilige Hochzeit —  ein Transformationsritus, der männliche und weibliche Kräfte vereint und Männer an der Heiligkeit der Großen Göttin teilhaben lässt.

auch: Gunlod, Gunnlod

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