Hina – Hawaiianisch-polynesische Göttin der Dunkelheit und des Mondes

Hina ist die Göttin der Nacht und des Todes, die Gebieterin der Unterwelt. Die Große Dame der Nacht repräsentiert im wesentlichen die weibliche Energie, die Bezeichnung von Frau „Wahine“ stammt von der Göttin für alles Weibliche.

Mutter alles Lebendigen

Hina ist die Göttin der Nacht und des Todes, die Gebieterin der Unterwelt. Die Große Dame der Nacht repräsentiert im wesentlichen die weibliche Energie, die Bezeichnung von Frau „Wahine“ stammt von der Göttin für alles Weibliche.

Hina gilt in Hawaii als Mutter alles Lebendigen. Sie war das erste weibliche Wesen auf der Erde, dessen fruchtbaren Schoß viele andere entstanden.
So erschuf sie auch den ersten Mann —  vor allem, um sich sexuell zu vergnügen. Viele ihrer Kinder trugen auch ihren Namen.

Eine von ihnen war Hina-Titama, die Göttin der Morgenröte, die von ihrem eigenen Vater verführt wurde, ohne dass diese seine Identität kannte. Wütend und beschämt rannte sie, als sie den Betrug erkannte bis in die Unterwelt. Dies war der erste Tod in der polynesichen Schöpfungsgeschichte.

Ihre Mutter Hina war über all das so entsetzt, dass sie verkündete, sie werde alle Kinder die von diesem Mann gezeugt werden, töten. Damit stellte sie sicher, dass der Tod für immer eine wirksame Kraft blieb.

Hina-kua und Hina-alo

Als Hina-kua im Osten ist sie die Göttin derer, die noch geboren werden, als Hina-alo im Westen die Göttin derer, die schon geboren sind. So umfasste sie den ganzen Himmel und die ganze Erde von Ost nach West, begleitet von einem männlichen Prinzip namens Ku.

Hina und Ku sind die beiden großen Ahnengottheiten der PolynesierInnen. Diese hohe Stellung der Mondgöttin bei den ozeanischen Völkern verwundert nicht, denn sie haben ihr Wirken deutlich vor Augen: Sie bestimmt die Gezeiten des Meeres, sie macht in diesen wasserreichen Zonen das Wetter, sie beeinflusst das Wachstum der tropischen Pflanzen, die nach dem Mondkalender gesetzt und geerntet werden und sie zeigt durch einfachen Wechsel ihrer Haut, wie der Übergang vom Leben zum Tod und vom Tod wieder zum Leben geht.

Darum war sie in allen pazifischen Kulturen (Indonesien, Melanesien, Mikronesien, Polynesien) die Göttin von Leben, Tod und Wiedergeburt. Hina hat zwei Gesichter, eines auf der Vorder- und eines auf der Hinterseite ihres Kopfes. So kann – doppelgesichtig freundlich oder dämonisch —  Leben, Jugend und Schönheit geben oder verweigern.

In vielen Geschichten wird Hina eng mit dem Mond, dem Ozean, mit Heilkünsten und mit weiblichen Aktivitäten in Verbindung gebracht. So lehrte sie den Frauen das Tapa-Schlagen bei, bei dem aus dem Bast von Papiermaulbeer- und Feigenbäumen Stoff hergestellt wird. Hina tritt in mehreren Erscheinungsformen auf, u.a. sind dies der „Elepaio“ —  eine Vogelart, als Koralle, als Bananenstrauch sowie als Behältnis, das aus Flaschenkürbis hergestellt ist.

Schwanger von einem Lendentuch

Eine der bekanntesten Mythen ranken sich jedoch um Hina und ihrem Sohn Maui: Es begab sich zu einer Zeit, als es noch keine Zeit gab, dass Hina, die Wächterin des Eingangs zur unsichtbaren Welt auf sehr ungewöhnliche Weise ihren Sohn empfangen hatte.

Hina war eines Tages am Strand entlanggegangen und hatte ein Lendentuch gefunden, das Kanaloa, der Gott des Meeres dort liegen gelassen hatte. Sie band es sich um die Hüften und legte sich nieder, um zu schlafen.

Im Traum kam Kanaloa zu ihr. Und als Hina erwachte, war sie geschwängert worden. Damals lag die oberirdische Welt in völliger Dunkelheit, denn Himmel und Erde waren miteinander verschmolzen —  sie waren eins. Es war unerträglich heiß und die Menschen, die damals nur wie Eidechsen über den Boden kriechen konnten, litten, denn sie mussten sich fortwährend bewegen, um sich nicht Bauch oder Rücken zu verbrennen.

Der zu niedrige Himmel

Auch die Pflanzen litten unter dem niedrigen Himmel, denn sie hatten nicht genug Platz zum Wachsen, da die Wolken bis auf die Erde reichten und die Schwere des Himmels sie nieder drückte. Trotzdem bemühten sich die Pflanzen höher empor zu wachsen und im Laufe vieler Äonen gelang es ihnen schließlich die Wolken etwas zu verdrängen und den Himmel mit ihren starken Stämmen gerade so weit zu heben, dass ein wenig Platz entstand.

Schließlich war der Himmel immerhin so hoch, dass es den Menschen möglich wurde, sich auf allen Vieren kriechend fortzubewegen und so von einem Ort zum anderen zu gelangen und einander zu besuchen. Aber der Göttin Hina gefiel dies nicht und sie lag ihrem Sohn Maui ständig in den Ohren, dass sie es satt habe, die Menschen immer nur kriechen zu sehen. „Es ist ihre Bestimmung, aufrecht zu gehen, aufs Meer hinaus zu fahren und zu fischen“, sagte sie mit sehnsüchtiger Stimme.

„Und wie soll das wohl funktionieren?“, fragte Maui. „Der Himmel ist doch viel zu niedrig. Menschen sind nun einmal zum Kriechen geboren, wir sollten uns damit abfinden.“ Schließlich kam ihm aber doch die Idee, den Himmel zu heben, damit die Menschen aufrecht gehen können. Maui richtete sich auf Knie und Hände auf, stemmte sich mit dem Rücken gegen den Himmel und versuchte Beine und Arme durchzudrücken, um so etwas mehr Platz zu schaffen. Aber so sehr er auch drückte und sich abmühte, so sehr er auch keuchte und die anderen GöttInnen um Beistand anflehte —  der Himmel wollte sich nicht vom Fleck rühren.

Als Maui erschöpft aufgab, sich wieder auf den Boden legte und nach Luft rang, kam eine Frau vorbeigekrochen, die eine Kalebasse mit Wasser vor sich her schob. Maui rief ihr zu: „E Wahine, gib mir aus der Kalebasse zu trinken. Mich dürstet, weil ich versuche, den Himmel zu heben.“ Nachdem er ein paar Mal getrunken hatte, geschah das Unmögliche. Mit einem lauten Knirschen bewegte sich der Himmel ein kleines Stückchen weit nach oben. Nun war Maui nicht mehr zu bremsen. Er trank noch einige Male aus der magischen Kalebasse der Frau, drückte mit den Armen gegen den Himmel und stemmte ihn mit aller Macht hoch. Mittlerweile hatten sich einige ZuschauerInnen um Maui versammelt, die noch gar nicht recht glauben konnten, dass sie nicht mehr auf allen Vieren kriechen mussten, sondern tatsächlich aufrecht auf zwei Beinen stehen und gehen konnten.

Einige hatten noch etwas Mühe mit dem Gleichgewicht, anderen wurde wegen der ungewohnten Höhe etwas schwindelig, aber die meisten waren außer sich vor Begeisterung und feuerten Maui an, weiterzumachen. Einige wenige nannte Maui einen Narren und hatten Angst, dass ihnen der Himmel nun aus großer Höhe auf den Kopf fallen und sie alle erschlagen könne. Dennoch, das Werk war nicht mehr aufzuhalten und der Himmel trennte sich für immer von der Erde. Hina, seine Mutter, die verschiedentlich auch als Ehefrau, Schwester oder Großmutter von Maui bezeichnet wird, war von nun an für die Unterwelt zuständig.

In der Unterwelt und am Mond

Das Wort „hina“ bedeutet „herunterfallen“, „grau“, und „in eine gerade Richtung blasen“. Tags über lebt sie nun in der Unterwelt, in der Nacht, wenn es dunkel ist, steigt sie als Mond am Himmel empor.

Ihr Sohn Maui rettete sie einmal vor einen Seeungeheuer, das sie als Mond bereits verschlungen hat, was auf eine Mondfinsternis schließen lässt. Eine andere Version der Geschichte erzählt, dass Hina als begeisterte Kanu-Fahrerin einmal so weit fuhr, dass sie sich am Mond wiederfand, wo es ihr besser als auf der Erde
gefiel.

Eine wiederum andere Geschichte berichtet davon, dass ihr betrunkener Bruder über den Lärm beim Tapa-Schlagen wütend war, dass er sie auf den Mond hinauf schlug.
Andererseits erzählen sich die Polynesierinnen auch, dass Hina es Leid war, dauernd hinter ihrer Familie hinterher zu räumen und einfach die Erde verließ, um sich am Mond als Tuchmacherin selbst zu verwirklichen.

auch: Hine, Sina, ‚Ina, Hine-nui-te-pō  

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