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Die alte baskische pre-patriarchale Mythologie kennt eine Große Göttin, die wegen ihrer hellen Erscheinung oft als Mondgöttin beschrieben wird. Doch sie ist viel mehr als das: Mari personifiziert die Erde und gebietet über die Sonne, den Mond, die Sterne, den Regen, Wetter und Wind sowie über alle Naturwesen. Sie gilt als Muttergöttin von allem Lebendigen.

Die „weiße Dame“

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Die alte baskische pre-patriarchale Mythologie kennt eine Große Göttin, die wegen ihrer hellen Erscheinung oft als Mondgöttin beschrieben wird.
Doch sie ist viel mehr als das: Mari personifiziert die Erde und gebietet über die Sonne, den Mond, die Sterne, den Regen, Wetter und Wind sowie über alle Naturwesen. Sie gilt als Muttergöttin von allem Lebendigen.

Sie beschützt Wandersleute und Tierherden und behütet Menschen vor Diebstahl, Lüge und Respektlosigkeit.
Wie aus ihrem Namen schon zu erkennen ist, hat sie auch eine starke Verbindung zum Meer (spanisch: „mar“, französisch: „mere“,  italienisch: „mare”, gälisch: „mor“) und erscheint in ihrer Funktion als Meermutter mit einer blaue Robe und einem Perlen-Diadem.

Lebt alle sieben Jahre in einer anderen Höhle

Als Göttin des gesamten Landes wohnt Mari im Erdinnern. Vor allem werden ihr „Wohnorte” zugeschrieben, die in Höhlen von hohen Bergen liegen, darunter Amboto, Aketegi (in Aizkorri), Txindoki (in Aralar). Von dort aus steigt Mari an die Erdoberfläche und beschützt das Land.
Alle sieben Jahre soll Mari von einer Höhle zur nächsten ziehen. Dabei schwebt sie entweder eingehüllt in einen Lichtstrahl durch die Luft oder fährt in einer vierspännigen, von Pferden gezogenen Kutsche durch die Luft.
Die wohl bekannteste Höhle, in der Mari zuhause ist, ist die Grotte Massabielle in Lourdes, just jener Ort, wo der 14-jährigen Bernadette Soubirous im Jahre 1858 eine „weiße Dame” erschienen ist, die dann als Jungfrau Maria interpretiert wurde.
Es kann vermutet werden, dass diese Erscheinung auf die alte Muttergöttin Mari hinweist, die meist als elegante Dame dargestellt und beschrieben wird, deren Haupt vom Vollmond wie von einem Heiligenschein eingerahmt ist. (Bei Marienerscheinungen können wir ja immer davon ausgehen, dass diese auf die ihr zugrunde liegende viel ältere Göttin dieser Region hinweisen, siehe z.B auch Tonantzin — die  „Jungfrau von Guadalupe“)

Ihr Symbol ist auch die (mondförmige) Sichel. Ihr Haar kämmt sich Mari für gewöhnlich mit einem goldenen Kamm.

Die Höhlen als Wohnstätten von Mari verweisen vermutlich auf eine sehr alte Göttin mit paläolithischen Wurzeln.
Höhlen galten ja schon immer als „Bauch der Erdgöttin”, ihr Zugang erinnert vielfach an die Form einer Vulva. Nicht von ungefähr werden Marien-Darstellungen in einer Mandorla gezeigt, die Bilder der „Maria von Lourdes” in ihrer Grotte sprechen ja auch eine sehr eindeutige Sprache.
Mari wird auch Amari genannt, wobei „Ama” für „Mutter” steht.

Schlange und Widder

Ihr Begleittier ist eine Schlange, was auf ihre Funktion als Erdgöttin hinweist. In patriarchal gefärbten Überlagerungen der Mythen schreibt man dieser Schlange wegen ihrer phallischen Form die Rolle eines männlichen Pendant oder männlichen Begleiters, ja sogar des Ehemanns von Mari zu.
In ihrer älteren Interpretation sind Schlangen immer das Symbol für die matrilineare Nabelabstammung, was der Grund ist, warum sie im Patriarchat so dämonisiert werden.
Mari soll auch selbst die Gestalt von Tieren annehmen können, vor allem jene einer Schlange. Ihr Beiname ist dann „Die große Schlange“.
Wenn man in einer Höhle einen Stalagmiten sieht, könnte dies Mari sein, die sich in ihrer Schlangengestalt gerade ruhig verhält.
Auf Darstellungen sieht man sie auch beim Spinnen, beim Fadenabwickeln wird sie von einem Widder unterstützt, der das Fadenknäuel auf seinen Hörnern hält.

Maria oder Mari oder ein böser Geist ?

Ihr Name ist die Grundlage für viele andere Göttinnen und weiblichen mythologischen Figuren wie Marian, Mariamne, Myrrhine, Myrrha, Marratu, Maerin, Mariana and Marina und natürlich vor allem auch Maria.
Diese sollte mit einem A mehr in ihrem Namen die alte Muttergöttin des Baskenlandes verdrängen und ersetzen.
Es gab im Zuge der Christianisierung große Bemühungen, Mari zu den „bösen Geistern” zuzuordnen, das hat wahrscheinlich den Ursprung, dass Mari ja auch die Beschützerin aller Naturwesen war.
Diese Naturwesen, die ja Teil der sogenannten „heidnischen Kulte“ waren, können ja dem Christentum ja auch ganz schön „gefährlich“ werden.

Dazu kommt, dass im Laufe des zunehmend aggressiven Einfluss des patriarchalen Christentums Höhlen von der beschützenden Grotte der Muttergöttin uminterpretiert und als Wohnstätten böser Geister, Dämonen oder gefährlicher Drachen (Schlangen) dargestellt wurden.

Zu den Naturgeistern gehören auch Quellnymphen. Bernadette wurde der Überlieferung nach von der „weißen Dame” zum Trinken aufgefordet. Da in der Grotte kein Wasser zu sehen war, kratzte Bernadette etwas Erde weg, plötzlich entsprang der Stelle klares Wasser. „Maria” offenbarte ihr darauf hin die Heilkraft der Quelle.

auch: Amari

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Anmerkungen:
Viele Anregungen und interessante Details zur baskischen Mythologie und zur Göttin Mari finden sich im Buch von Kirsten Armbruster „Der Muschelweg – Auf den Spuren von Gott der MUTTER“ 

Zur Erscheinung von Lourdes und der Göttin Mari gibt es auch diesen artedea-Blog-Post

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