Peitho steht für die gute, geschliffene Rede, für Überzeugungs- und Überredungskunst, auch für erotische Überredung. Sie hatte ursprünglich die Aufgabe, die Überzeugungskraft in den Worten der Liebenden zu fördern.

Die Überzeugende 

Peitho steht für Überzeugungs- und Überredungskunst,  für die gute, geschliffene Rede, auch für erotische Überredung. 

Ihr Name wird auf das griechische Substantiv „peitho“ zurückgeführt (= Überredung, Überzeugung, Zuversicht) und dem dazugehörigen Verb „peithein“ = überreden, überzeugen.

Als eine der Chariten, Personifikationen des Charmes und der Anmut ist sie natürlich dafür prädestiniert, mit ihrem Liebreiz auch verbal zu überzeugen. Laut Hesiod ist Peitho eine der 3000 Töchter der Thethys. Laut Aischylos ist Peitho allerdings eine Tochter der Aphrodite, was wohl auch dazu geführt hat, dass Aphrodite des öfteren den Beinamen Peitho bekam.

Überzeugungskraft beim Liebeswerben

Ob als Tochter oder Gefährtin der Aphrodite: Peitho hatte ursprünglich die Aufgabe, die Überzeugungskraft in den Worten der Liebenden zu fördern. Damit war sie im antiken Griechenland die Göttin der unglücklich Verliebten. Zeigte eine begehrte Person wenig Interesse, so wurde Peitho angerufen, in der Hoffnung, dass das Liebeswerben dann erhört werde. 

Peitho half den Verliebten dabei, die richtigen Worten zu finden. Liebesgeständnisse, eindeutige Offerte und Heiratsanträge sollen mit Peithos Hilfe besser gelingen.

Das diplomatische Geschick

Allerdings wandelte und verbreiterte sich nach und nach Peithos Einfluss. Sie wurde nicht mehr nur in Liebesfragen konsultiert, sondern ihre Unterstützung wurde auch im politischen Leben erbeten.
So leistet sie all jenen Beistand, die in Reden, Vorträgen und Diskussionen die nötige Überzeugungskraft brauchen, um Ziele durchsetzen zu können.
Rhetorik und die Kunst der geschickten und vor allem gewaltlosen Staatsführung wurden als Gaben der Peitho angesehen. 

Sie steht damit auch für die Kunst, eine Schlacht oder eine Auseinandersetzung statt mit Gewalt durch Worte entscheiden zu lassen. Sie ist die Schirmherrin der Diplomatie

Ihre Bedeutung für die antike Literatur war groß, da sich sowohl LiebeslyrikerInnen wie auch geschickte Staatsmänner gerne auf Peitho beriefen. 

Von Sappho, der großen Dichterin der Insel Lesbos hat sich eine „Ode an Aphrodite“ erhalten, in der sie Bezug auf Peitho nimmt:

… Du aber, Selig-Große, lächelst mit ewigem Antlitz, und du fragtest,
was ich wieder erlitten, was ich wiederum riefe
und was ich mir wünsche in meines Herzens wildem Wahnsinn:
„Sage mir, Sappho, wen soll Peitho dir in Liebe gesellen,
wer tut wieder dir Unrecht?
Wenn sie jetzt auch flieht, bald wird sie dir folgen;
Wenn sie jetzt Geschenke verschmäht, bald gibt sie;
Wenn sie jetzt nicht liebt, wird sie rasch doch lieben,
selbst wenn sie nicht will!“

Aphrodite spricht hier zu Sappho, die in lesbischer Liebe unglücklich verliebt ist und sie
zeigt deutlich über welche Macht Peitho verfügt. Denn Peithos Überredungskunst ist niemand gewachsen.

Aus Euripides „Antigone“ sind folgende Zeilen erhalten geblieben:
„Die Überzeugung = Peitho kennt kein anderes Heiligtum als das Wort, und ihr Altar ist in der Natur des Menschen.“

Überredungskunst nutzt nichts, wenn man nicht zuhört

Peitho wird auch in der Ilias von Homer erwähnt:
Am Ende des trojanischen Krieges, als Menelaos als Sieger über die Trojaner in die Stadt eindringt und seine untreue Gattin Helena ermorden will, flüchtet sich diese in das Heiligtum der Athena, den Parthenon-Tempel.
Peitho stellt sich Menelaos in den Weg und versucht ihn zur Aufgabe seiner mörderischen Absichten zu überreden. Doch hier war sie nicht erfolgreich, denn Menelaos — blind vor Wut über den Ehebruch Helenas — hört Peitho nicht an. Und da helfen auch die besten Argumente, die geschliffensten Formulierungen nichts. Das kennen wir ja alle aus unserem Alltag und auch von politischen Diskursen.
Helena wurde aber dennoch gerettet — durch die Kunst von Aphrodite. Diese stellt sich zwischen Helena und Menelaos, worauf die Liebe zu seiner Frau neu entbrennt. Er verzeiht ihr und führt sie heim.

So wird klar, dass Peitho mit Aphrodite viel zu tun hat. Die beiden Göttinnen wurden auch gemeinsam verehrt. Sie teilten sich einen gemeinsamen Festtag: die Aphrodisia, am 4. Tag des Mondmonates Hekatombaion (entspricht dem Juli/August). 

Peitho besaß allerdings auch einen eigenen kleinen Tempel in Athen, ganz in der Nähe des Aphrodite-Heiligtums am südöstlichen Hang der Akropolis. Der Legende nach wurde dieser Tempel vom mythologischen Helden Theseus gestiftet.
Die Göttin besaß aber noch andere Heiligtümer, z.B. in Sicyon an der Agora (Marktplatz).

Peitho wird oft mit erhobener, dozierender Hand dargestellt bzw. mit einem Garnknäuel, das wohl den roten Faden in guter Argumentation und in Reden darstellen soll.

auch: Suada oder auch Suadela (ihr Name als römische Göttin)

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