Die Göttin Sankranti ist vor allem durch ihr großes Fest – Makara Sankranti – bekannt, das mit verschiedenen Namen in den vielen Gegenden des indischen Subkontinentes auf unterschiedliche Weise Mitte Januar gefeiert wird.

Die erwachende Erdgöttin

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Die Göttin Sankranti ist vor allem durch ihr großes Fest – Makara Sankranti – bekannt, das mit verschiedenen Namen in den vielen Gegenden des indischen Subkontinentes auf unterschiedliche Weise Mitte Januar gefeiert wird.

Besonders in tamilischen Regionen wird das Fest mit großer Pracht gefeiert, es heißt dort „Pongal“. Es wird hier dabei freudig die Sonnenwende zelebriert, die nach alter Hindu-Tradition einen Segen bringenden Zeitabschnitt kennzeichnet. Der Tag des Festes, der 14. Januar mag für ein Fest zur Sonnenwende seltsam erscheinen, aber hinduistischen Feste werden seit Jahrhunderten am gleichen Datum gefeiert und haben daher die Zeitumstellung auf den Gregorianischen Kalender nicht mitgemacht. Makara Sankranti ist einer der seltenen indischen Feiertage, die immer auf den gleichen Tag fallen, da es ein Sonnenfest ist und alle anderen Feste sich nach den Mondzyklen reichten und daher bewegliche Daten haben. Sankranti wird dabei als Göttin der Sonnenwende gefeiert.

Als Erdgöttin erwacht sie nach Monaten, in denen sie tief und fest geschlafen hat, endlich wieder und streckt sich der Sonne entgegen, die von nun an jeden Tag früher aufgeht und Licht und Wärme bringt.

Der überkochende Reis

An diesem Tag erinnern sich die Menschen daran, dass die Göttin, die auch als Himmels- und Sonnengöttin angesehen wird, einst vom Himmel als eine Kugel herabgekommen ist und einen Dämonen namens Sankarasur getötet haben soll. Vermutlich ist dieser „Dämon“ der Winter und die Kälte.

Mit ihrem Erwachen bringt sie die Fülle, die Liebe, die Lebenslust wieder. Dementsprechend freudig wird das Fest ihr zu Ehren gefeiert. Die Häuser werden vom Winter gereinigt und festlich geschmückt, alle kleiden sich in neue Gewänder. Die Frauen zeichnen kunstvolle und komplizierte Symbole aus farbigem Reis und Mehl (Kilars oder Kolam) auf den Boden vor ihren Haustüren. In den Höfen der Häuser wird in einem Topf süßer Reis gekocht. Dieser muss unbedingt zum Überkochen gebracht werden, denn das soll Nahrung und Überfluss für das ganze kommende Jahr garantieren.

Süße Friedensgeschenke

Zu diesem Zeitpunkt im Jahr ist in vielen Gebieten Indiens die Ernte von Zuckerrohr im Gange. Daher wird von den Frauen  jedem Haus die Til-gud vorbereitet – Süßigkeiten aus dem Zucker des frischen Zuckerrohres, vermischt mit Sesamkörnern. Dies wird an NachbarInnen und FreundInnen verschenkt. Dazu wird folgender Spruch gesagt: „Til-gud ghya, god god bola“„Nimm dieses süße Til und sprich süße Worte“.

Wichtig ist es, allen im Umkreis davon zu geben und alle etwaigen Feindschaften damit zu beenden. Dieser Versöhnungsaspekt unterstreicht die Bedeutsamkeit von Festen nicht nur für die Markierung des zyklischen Wandels in der Natur, sondern auch für die spirituelle Entwicklung von Mensch und Gesellschaft. Damit ist Sankranti auch eine Friedensgöttin. Für viele Hindus steht die Göttin Sankranti und ihr Fest für einen Neubeginn.

Um die warme Jahreszeit zu begrüßen werden Papierdrachen in den Himmel geschickt, um damit die Sonne begrüßen. Damit sollen auch die Probleme und alles, was das Leben schwer macht, so leicht  wie der Wind werden. Im Bundesstaat Westbengalen tauchen zigtausende Gläubige zu einer astrologisch genau bestimmten Minute betend in ein heiliges Wasser ein. Der mythologische Hintergrund ist die Geschichte des Bhagiratha, der einst die Göttin Ganga, wie Hindus den Fluss Ganges nennen, vom Himalaya auf die Erde gebracht haben soll, damit die ausgetrocknete Erde wieder fruchtbar und ertragreich werde.

Und so versprechen sich viele von dieser heiligen Handlung Fruchtbarkeit und Fülle. In der Region Punjab ist im Januar die kälteste Zeit des Jahres und unter fröhlichem Singen versammeln sich Familien und Freunde um ein Freudenfeuer, werfen Reis und Süßigkeiten in die Flammen. Gleichzeitig mit Sankranti wird vielenorts auch die Göttin der Weisheit Sarasvati geehrt.

Viele dieser Bräuche lassen sich auch auf unsere Feste – vielleicht zur Wintersonnenwende – übertragen. Es muss nicht unbedingt ein Papierflieger sein, ein Stücken Papier mit allem Schweren und Sorgenvollen in den Wind geworfen, ein wohltuendendes rituelles Bad für Fruchtbarkeit und Fülle, ein überraschendes süßes Geschenk, um einen ersten Schritt zu einem versöhnlichen, friedlichen Miteinander zu machen – das sind Möglichkeiten, um die Göttin Sankranti zu feiern und sich darüber zu erfreuen, dass die alte Erde sich bereit macht wieder zu erwachen und den Frühling zu bringen.

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