Bahuchara Mata – Hinduistische Göttin der Keuschheit, Fruchtbarkeit und mitfühlenden Akzeptanz

Bahuchara Mata ist eine hinduistische Göttin, eine verehrte Form der Göttlichen Mutter, die insbesondere in Gujarat und Teilen Rajasthans für ihre schützende, reine und transformative Kraft bekannt ist. 

Die sanftmütige Transgender-Göttin

Bahuchara Mata ist eine hinduistische Göttin, eine verehrte Form der Göttlichen Mutter, die insbesondere in Gujarat und Teilen Rajasthans für ihre schützende, reine und transformative Kraft bekannt ist.
Sie gilt weithin als Hüterin der Keuschheit und moralischen Disziplin, und ihr Segen wird für Stärke, Selbstbeherrschung und Schutz vor Schaden erbeten. Sie nimmt auch eine besondere Stellung als Schutzgöttin der Transgender-Community ein und repräsentiert Akzeptanz, Identität und spirituelle Würde jenseits gesellschaftlicher Normen. 

Gläubige nähern sich ihr mit tiefem Vertrauen und beten um Schutz, Gerechtigkeit und innere Stärke. In ihrer göttlichen Gegenwart verkörpert Bahuchara Mata sowohl starken Schutz als auch mitfühlende Akzeptanz und führt die Gläubigen zu Reinheit, Mut und Selbstverwirklichung.

Sie gilt auch als Schutzgöttin der Hijra-Gemeinschaft – in Südasien eine Bezeichnung für trans- oder intergeschlechtliche Personen in Indien, Pakistan und Bangladesch.

Ihr Haupttempel befindet sich in der Stadt Becharaji im Bezirk Mehsana in Gujarat, Indien. 

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Familie und Clan

Die Geschichte erzählt, dass Bahuchara Mata im Detha-Clan, ein Clan innerhalb der Charan-Kaste im Dorf Ujala im heutigen Bezirk Jaisalmer geboren wurde. Ihre Mutter Deval wird von Detha Charanas und Sodha Rajputs als Schutzgöttin verehrt.

Ihr Vater Bapaldan Detha stammt aus Umerkot und war ein berühmter Dichter. Laut dem Gelehrten und Dichter Gadhavi Samarthdan Mahiya lebte Bahuchara tatsächlich als sterbliche Frau um 1309 n.u.Z. und war eine von acht Schwestern mit den folgenden Namen: Bahucarā, Būṭa, Balāla, Vīru, Hīru, Rāmeśvarī, Khetū, Pātū. 

Nach dem Tod seiner Frau Deval sandte Bapaldan Detha seine Diener aus, um Bahuchara, But und Balal heim zu holen. Unterwegs wurde ihre Karawane von Bapiya, einem Banditen, überfallen. 

Hätte er gewusst, dass seine Opfer der Charan-Kaste angehörten, hätte er den Hinterhalt vielleicht nicht riskiert. Die Charans waren Gelehrte, Dichter, Barden und Krieger, doch vor allem glaubte man, ihr Leben stünde unter göttlichem Schutz – wer ihnen Schaden zufügte, würde von den Gottheiten verflucht werden. Um dieses Schicksal zu vollziehen, begingen Charans, wenn sie in Gefahr waren, rituelle Selbstverstümmelung und verfluchten den Täter mit ihrem letzten Atemzug. 

Der Fluch der Schwestern

Genau das taten die drei Schwestern. Angeführt wurden sie von Bahuchara, die sich ihre Brüste abschnitt und Bapiya mit Impotenz verfluchte: Er sollte seine Männlichkeit verlieren und sieben Leben lang als Eunuch leben. Der Verfluchte fiel auf die Knie und flehte um Gnade. Bahuchara gab schließlich nach und bot ihm Erlösung an. Aus Barmherzigkeit befahl Bahuchara Mata ihm, ihr an diesem Ort einen Schrein zu errichten und sie fortan in Frauenkleidern zu verehren. Sie verkündete, dass jeder „von Natur aus entmannte Mann“, der Frauenkleidung trägt und sie verehrt, ihren Segen erlangen und nach dem Tod einen Platz in ihrem Reich finden würde. Damit wurde die Sterbliche zur Göttin, Bahuchara wurde zur Bahuchara Mata
Bapiya baute ihren Schrein unter einem Varakhada-Baum in Shankhalpur. So wurde Bahuchara Mata in der Stadt Chunwal, dem heutigen Becharaji, verehrt.

Der falsche Sohn

Die besondere Bedeutung für Transgender-Personen fusst auch auf einem episodischen Bhavai-Text „Becharaji Vesha“ aus dem 17. Jahrhundert:

Die Legende handelt von dem Solanki-König von Kalri und dem Cavada-König von Patan, die eng befreundet waren und planten, ihre zukünftigen Kinder zu verheiraten. Beide bekamen jedoch Töchter.
Die Tochter des Kalri-Königs wurde als Sohn gekleidet und auch so erzogen. Dass sie ein Mädchen war, wurde streng geheim gehalten. Als es schließlich zur Hochzeit kommen sollte, preschte sie aus Scham und Verzweiflung auf ihrer Stute davon. Sie hielt an einem Teich an, badete darin und wurde durch den Segen der Göttin Bahuchara Mata in einen Mann verwandelt. So konnte sie ihre ehelichen Pflichten erfüllen. Dies bewahrte die Solankis von Kalri auch vor der Schmach und sie wurden treue AnhängerInnen der Göttin.

Der Fruchtbarkeits-Aspekt

Obwohl Bahuchara Mata als Schutzgöttin der Transgender-Community gilt, wird sie auch von Frauen und Männern mit unerfülltem Kinderwunsch verehrt, die den Segen der Göttin suchen, um ihre Unzulänglichkeiten zu überwinden und sich fortpflanzen zu können. Sie ist die Spenderin von Virya, dem Samen des Mannes und es heißt, sie hätte vielen Impotenten Fruchtbarkeit und Manneskraft geschenkt. So ist sie auch eine Fruchtbarkeitsgöttin.

Sie wird durch selbstlose Hingabe besänftigt und steht für Gewaltlosigkeit, Sanftmut und Unschuld. Manche glühende männliche Anhänger gehen sogar so weit, sich selbst zu kastrieren und sich als Frau zu verkleiden, um ihre selbstlose Hingabe an die Göttin zu beweisen. Dies ist jedoch ein Missverständnis; sie hat ihre Anhänger nie zur Kastration aufgefordert. 

Gleichgewicht zwischen Gewalt, Schöpfungsprinzipien, Wissen und Segen

Dargestellt wird Bahuchara Mata mit vier Armen. Links unten hält sie ein Schwert, links oben einen heiligen Text, mit der rechten unteren Hand formt sie das Abhaya-Mudra. Rechts oben hält sie einen Dreizack.

Diese Ikonographie symbolisiert in Bahuchara Matas Mythologie das Gleichgewicht zwischen Gewalt (Schwert), Schöpfungsprinzipien (Dreizack), Wissen (Shri-Schrift) und Segen (Abhaya-Mudra). 

Das Schwert steht auch für ihre Selbstaufopferung, der Dreizack repräsentiert das Gleichgewicht der Schöpfungsprinzipien und symbolisiert den Willen (iccha), das Wissen/Weisheit (jnana) und die Tatkraft (kriya). Die Schrift bekräftigt auch ihre Legitimität innerhalb der Charana-Kaste. 

Das Abhaya-Mudra ist eine kraftvolle Handgeste, die für Schutz, Frieden und Furchtlosigkeit steht. Diese symbolisiert das Überwinden von Ängsten und soll den Praktizierenden geistige Sicherheit, innere Stärke und göttlichen Beistand schenken. 

Schutzgöttin des Geflügels

Meist wird Bahuchara Mata auf einem Hahn oder einem Huhn reitend dargestellt, seltener auch auf einem Pfau. Sie ist damit auch die Schutzgöttin jeglicher Art von Geflügel und zwar vor allem von jener Art von Vögeln, die nicht oder nur sehr bedingt fliegen können.

Hühner, die mythologischen Tiere der Bahuchara Mata, stehen für Sanftheit und Unschuld.
Der Hahn speziell symbolisiert Wachsamkeit, Mut und die Kontrolle über Begierden und Impulse und als Reittier der Göttin stellt er die Zähmung männlicher Macht dar.
Das Huhn als Tier der Göttin wird vor allem für seine Fähigkeit, Eier zu legen, verehrt, diese gelten als Urzelle des Lebens und sind starkes Symbol der weiblichen Schöpfungskraft.

auch: Bahucarā Mātā

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