Cerridwen – Keltische Göttin der Erde, der Ernte, des Getreides, der Fruchtbarkeit

Cerridwen ist die große keltisch-walisische Muttergöttin, Mondgöttin und Schützerin der Regeneration, der Inspiration, der Magie und Astrologie, der Kräuter, Wissenschaft, Poesie, der Zaubersprüche und Weisheit, Göttin des Todes und der Wiedergeburt.

Magische Kesselkraft

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Cerridwen ist die große keltisch-walisische Muttergöttin, Mondgöttin und Schützerin der Regeneration, der Inspiration, der Magie und Astrologie, der Kräuter, Wissenschaft, Poesie, der Zaubersprüche und Weisheit, Göttin des Todes und der Wiedergeburt.

Cerridwen wird hauptsächlich in Wales und Cornwall verehrt, dies auch als dreifache Göttin, wobei man sie am ehesten in der Gestalt der Alten findet. Die beiden anderen Aspekte könnten Brigid und Morrigan sein.

Ursuppe aller Transformation und Inspiration

In der walisischen Mythologie besitzt die Göttin Cerridwen einen großen Kessel. In diesem rührt sie die Ursuppe, aus der Leben, Tod und Wiedergeburt, Transformation und Inspiration hervorgeht. Dieser Kessel bringt aber auch auf magische Weise Essen, bzw. Nahrung für Körper, Geist und Seele hervor — wenn man den nur der Göttin bekannten Zauberspruch aufsagt.

Dieses ständige Aus-sich-Hervorbringen weist Cerridwen eindeutig auch als Erdgöttin aus. Wie die Erde selbst schafft Cerridwen ständig das neu, was gerade in sie zurückgekehrt ist.

Verschiedene Überlieferungen sprechen vom mächtigen Zaubertrank „Greal“ (Gral?), den sie in ihrem Kessel aus 7 magischen Kräutern rührt. Dieser Trank bringt Fülle und Wohlstand, Gestaltwandlungen, Wissen, Inspiration und schöpferische Kraft.
Unter dem besonderen Schutz von Cerridwen stehen daher Wandlungsabsichten, Regeneration, Magie, Inspiration, schöpferische Arbeit, der Tod und natürlich die Wiedergeburt.

Ihre Zauberkräfte und Weissagungen sind sehr mächtig. Ihr Elixier galt als die kraftvollste Magie. Es gibt keine Fähigkeit, die nicht in ihrem Kessel gefunden wird.

Kreuz und Gral

Spätestens seit dem Roman „Sakrileg“ von Dan Brown wird der Heilige Gral als der weibliche Mutterschoß und die weibliche Gebärfähigkeit im Allgemeinen interpretiert.

Die Wurzeln, auf die sich Brown stützt, sind natürlich viel älter: Das Wort „GRAL“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet: Kessel, Kelch, Schale, Becher, Topf – also ein Behältnis, in das etwas hinein gegeben werden kann – um es aufzubewahren, zu wandeln, in einem Kochprozess zu transformieren u.v.m. Ein Gefäß bildet eine Urform, mit der wir es ständig zu tun haben: bei häuslichen, beruflichen oder sakralen Gegenständen, in einem Blütenkelch, in einer Bodensenke, in der Form unserer beiden Hände, mit denen wir Wasser schöpfen, bei der Gebärmutter usw.

Der Kessel ist das Gegenteil zum Todessymbol Kreuz und symbolisiert auch den Mutterleib, in dem alles Leben entsteht und aus dem in einem großen schöpferischen Akt die Transformation zum Menschsein vollzogen wird. Und die Gralslegende war der letzte Versuch des Abendlandes, die ursprüngliche Tradition der Kosmischen Mutter (Gral) im Glauben zu verankern und um die Naturgesetze zu ehren, die den ständigen Zyklus des „Sterbens und aufs Neue geboren werden“ so deutlich veranschaulichen.

Durchgesetzt hat sich allerdings der einmalige Tod (am Kreuz) und die einmalige Wiederauferstehung. Allerdings ist auch bei christlich-rituellen Handlungen der Kelch nicht wegzudenken. In der Legende heißt es, dass der Heilige Gral jenes Gefäß war, mit dem Josef von Arimathäa das Blut Jesu aufgefangen haben soll. Doch in manchen Überlieferungen steht der Gral allegorisch für etwas sehr viel bedeutenderes – als Frau (Maria Magdalena ?), die die Urkraft darstellt, in die alles hineinfallen kann, die alles aufnimmt, wandelt, die alles aus sich herausbringt.

Für das archaische Kelch- bzw. Gral-Symbol für die Frau oder Mutter wird als stilisiertes Zeichen auch ein weites „Vau“ verwendet. Dieses nach oben offene Zeichen ist Symbol für Kelch oder Gefäß, aber auch für die empfängliche Kraft und andeutungsweise für den weiblichen Schoß. Auch die Interpretationen des Werkes „Das Abendmahl“ von Leonardo da Vinci nimmt darauf Bezug – in dem zwischen Jesus und der links von ihm sitzenden Person, in der Maria Magdalena vermutet wird, ein mit der Spitze nach unten zeigendes Dreieck, ein „V“ zu sehen ist.

Wie dem auch immer sei. Schon lange vor der Grals-Legende kochte die alte Muttergöttin Cerridwen im Kessel das geheimnisvolle Gebräu, das Heilung auf allen Ebenen, körperlich, geistig und seelisch, bringt. Kessel und Topf sind Symbole für das, was Frauen tun, nämlich gebären, nähren, wachsen lassen, bewahren und heilen.

Die Kinder der Cerridwen

Cerridwen ist die Mutter von drei Kindern: des wunderschönsten Mädchens der Welt „Greirwy“, des hässlichsten Knabens „Afangdu“ und von „Gwyon Bach“, später Taliesin genannt (auch bekannt als Merlin). Die walisischen Barden nennen sich Cerddorion (Söhne der Cerridwen).

Eine der bekanntesten Geschichten um Cerridwen ist die, welche im Ergebnis zur Geburt Taliesins führte. Cerridwen, die mit Afangdu einen furchtbar hässlichen Sohn hatte, braute unter immensem Aufwand einen Trank, welcher ihm alle Weisheit und Schönheit schenken sollte. Mit großem Wissen leerte sie alle Zutaten, die Hellsichtigkeit und Inspiration bringen in ihren Kessel. Dies unter sorgfältiger Beobachtung des Mondes, der Sonne und jeden einzelnen Sterns. Zur rechten Zeit fügte sie alle Kräuter, Wurzeln und sogar den Schaum der Meereswellen hinzu. Neun Druidinnen sollen dabei die Patinnen gewesen sein.

Nachdem das Brauen ein Jahr und einen Tag dauerte und der Zaubertrank ständig gerührt werden musste, bat sie ihren Gehilfen Gwion, diese Aufgabe zu übernehmen, während sie auf der Suche nach weiteren Kräutern war. Sie verbat ihm aber ausdrücklich davon zu trinken. Der an sich treue Knabe verbrannte sich allerdings die Finger durch ein paar Spritzer aus dem Kessel und leckte diese erschrocken instinktiv ab. Somit übertrug sich alle Kraft auf ihn und der Trank war ohne Macht für Cerridwens Söhnchen. Gwion war jetzt auf wundersame Weise fähig, alles auf der Welt zu hören und sämtliche Geheimnisse der Vergangenheit und der Zukunft zu verstehen.

Daher wusste er auch, wie erzürnt die Göttin sein wird. Um von ihr nicht erkannt zu werden, verwandelte er sich, denn er hat mit den paar Tropfen Zaubertrank auch die Kunst des Gestaltwandelns erworben. Doch das konnte die Göttin natürlich auch. Er w
urde zum Hasen, sie setzte ihn als Windhund nach. Darauf hin verwandelte er sich zum Fisch, sie sich zum Otter. Er wurde zum Vogel, sie zum Falken. Nach Gwions Verwandlung in ein Korn wurde die Göttin zum Huhn, verspeiste das Korn, ging schwanger und gebar den Knaben Taliesin. Eigentlich wollte sie diesen töten doch seine Schönheit ließ sie Mitleid haben. Sie setzte ihn aus und die Geschichte des bekanntesten Barden des keltischen Mythos nahm ihren Anfang. Auf diese Weise wird die Vorstellung ausgedrückt, dass Tod und Wiedergeburt notwendig sind, um wahre Inspiration in die Welt zu bringen.

Die Muttersau als heiliges Tier

Cerridwen gehört zu jenen Göttinnen, deren mythisches Tier ein Schwein, eigentlich die Muttersau ist. Das Schwein symbolisiert Fruchtbarkeit, Mütterlichkeit und Weiblichkeit. Die Muttersau nährt und behütet. Galt es früher als Zeichen der Fruchtbarkeit, so ist das Schwein nach wie vor ein Glücksbringer. Cerridwen wird allerdings auch oft als weiße Sau dargestellt, die die toten Körper der Menschen frisst. Durch dieses symbolische Auffressen können sich die Toten verwandeln und wiedergeboren werden bzw. durch die Muttergöttin, die sie sich in Form eines Schweines einverleibt hat, hinüber in die Anderswelt gelangen. Denn geben und nehmen, Leben und Tod vereinen sich in dieser Göttin.

Das altirische und walisische Wort „cerdd“ bedeutet „weiß“, daher wird Cerridwen auch oft als bleiche oder weißhaarige Göttin bzw. als weißes Schwein oder Mond dargestellt. Cerdo ist das spanische Wort für Schwein. Die Erntetänze der PyrenäenbewohnerInnen heißen „cerdaña“ – Schweinetänze. Sie werden zu Ehren der Großen Göttin aufgeführt, die als „Quelle des Lebens“ und als „Gefäß des Todes“ das Leben gibt und wieder nimmt. Andere Bedeutungen zur Abstammung ihres Namens sind „caer“, was mit Festung übersetzt werden kann und „cerru“ – der Kessel.

Der Bauchkessel als Urkraft des Werdens, Bewahrens und Vergehens

Besonders Frauen, die an Schwellen oder Übergängen ihres Lebens angelangt sind bzw. die bestimmte Lebensumstände wandeln wollen, die neue Inspiration brauchen, verbinden sich mit der Kraft von Cerridwen.
Diese ermutigt Frauen, in die Tiefe ihres Bauchkessels hinein zu spüren und damit Zugang zu den Urkräften des Ozeans und der Erde, den Kräften des Werdens, Bewahrens und Vergehens zu bekommen.

Cerridwen behauptet allerdings nicht, dass diese Prozesse einfach sind. Wenn Frauen Cerridwen rufen und um Unterstützung bitten, kann es leicht sein, dass die Göttin mit folgendem Hinweis antwortet:

„Du kommst zu mir nach Hause und ich heiße dich willkommen. Ich nehme dich auf meinen Schoß, dem großen Kessel der Verwandlung. Hier wirst du durchgesiebt und durchgerührt, vermischt und gar gekocht, aufgelöst und zerstampft, neu zusammengesetzt und dann in den Kreislauf zurückgesandt.“

Oft müssen Frauen, die ihrem Bauch-Gefühl trauen, daher auch in ihrem „Kessel“, in ihrem Leben alles zerkleinern, zerhacken, zerkochen, in andere Aggregatzustände bringen, bittere Zutaten beifügen, vieles verdampfen lassen, es den Zutaten ermöglichen, neue Bindungen einzugehen, ein bisschen was anbrennen lassen und alles kräftig verrühren, damit sich der erhoffte Erfolg einstellt.

Insofern kann Cerridwens Kessel auch mit dem schamanischen Erleben verglichen werden, bei dem die alte Identität auseinander genommen und neu zusammen gesetzt wird. Cerridwen hilft Frauen auch bei jeder Art von Gestaltwandlung — gerade noch Business-Frau, schon fürsorgliche Mutter, gerade noch völlig aufgelöst in Haushaltsdingen, schon Femme fatale, gerade noch hilfsbereite Nachbarin, schon zänkische Alte, gerade noch zärtliche Liebhaberin – schon wildes unkontrollierbares Weib …

Drei Mal in den Zauberkessel spucken — und alles wird möglich!
Cerridwen unterstützt Frauen auch dabei, ihre Sinne zu schärfen. Ihr mythologisches Tier, das Schwein, in das sie sich manchmal auch selbst verwandelt, verfügt über ein gutes Gehör und einen vorzüglichen Geruchssinn. Cerridwen-Frauen, hören damit Zwischentöne, können viele Dinge praktisch schon im Vorfeld riechen, schnüffeln herum und finden die verborgensten „Trüffeln“ und andere Kostbarkeiten, die irgendwo vergraben sind.

Und sie wälzen sich wie die große Muttersau im Schlamm, lassen sich gemütlich trocken, reiben dann die getrocknete Matschkruste ab, entfernen damit Parasiten und anderes Ungeziefer und sind rundum gereinigt.

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