Frigg – Nordisch-germanische Göttin der Fruchtbarkeit, der Ehe und des heimischen Herdes

Frigg ist die Große Mutter vom Geschlecht der Asen. Sie steht für die solide Liebe in der Ehe, für das häusliche Glück, für den heimischen Herd, für Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft.

 Gebieterin der Heiligen Ordnung

Frigg ist die Große Mutter vom Geschlecht der Asen. Sie wird sehr oft mit Freya in Verbindung gebracht. Wird Freya von den Vanen als deren Große Mutter verehrt, so gilt Frigg als die Muttergöttin der Asen — zwei göttliche Geschlechter, deren Völker einander lang und grimmig bekämpften. Nachdem es endlich zu einem Frieden kommt, verschmelzen diese beiden Göttinnen auch mehr und mehr.

Sie haben beide den selben Mann — Odin, der im Fall von Freya Odr heißt, es scheint sich dabei aber um ein und dieselbe Göttergestalt zu handeln.

Solide eheliche Liebe und häusliches Glück

Dennoch sind die beiden Göttinnen in einigen wesentlichen Grundzügen nicht wesensgleich. Beide sind Fruchtbarkeitsgöttinnen. Während Freya aber für die lustvolle, freie und erotische Liebe ohne Wenn und Aber steht, geht es bei Frigg schon viel geregelter zu.

Sie steht für die solide Liebe in der Ehe, für das häusliche Glück, für den heimischen Herd, für Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft. Sie verhilft auch zu ehelichen Kindersegen.

Sie selbst ist die Mutter von Balder, Hödur, Thor, Braga, Hermor, Tyr, der Frühlingsgöttin Ostara und den Walküren. Fast könnte man annehmen, Freya sei die junge unbeschwerte Tochter oder das jüngere Selbst der besonnenen Muttergöttin Frigg.

In manchen Auslegungen bilden Frigg und Freya tatsächlich von Freya der jungen, Frigg der reifen und von Hel der weisen alten Göttin. Frigg und Freya sind beide Sonnen- und Lichtgöttinnen, wobei für Frigg die Sonne eher eine Ordnungsmacht darstellt, die Tag und Jahr klar und deutlich einteilt, während für Freya eher die wärmende, glänzende und sinnliche Kraft der Sonne von Interesse ist.

Mit der Sonne, aber auch mit dem Mond und damit mit beiden Gestirnen, an denen wir die zyklische Ordnung der Zeit sehen, ist Frigg auch im zweiten Merseburger Zauberspruch verbunden.

Die heiligen Ordnungen im Kosmos

Überhaupt ist Frigg die Göttin der Struktur, der Regeln und Gesetze. Als solche herrscht sie über die heiligen Ordnungen im Kosmos und in den sippenübergreifenden Zusammenschlüssen der Menschen. Sie schützt die Eide, durch die sich Fremde einander verpflichten und die Ehe, durch die nicht nur einzelne Frauen und Männer, sondern auch ihre Sippen verbunden werden.

Daher ist sie die Göttin der verheirateten Frauen, die nach germanischer Tradition richtige Herrscherinnen von Haus und Hof sind. Als diese spinnen, wirken und weben sie nicht nur Stoffe sondern auch die Geschicke aller Bewohnerinnen, über die sie die Oberaufsicht haben. Auf ihnen ruht auch die Behaglichkeit, das Glück des Hauses und der häusliche Friede.

Frigg ist die Schutzgöttin all dieser Aufgaben und Interessen. Als Leiterin und Verwalterin ihres eigenen Hausstandes und als Zeichen ihrer Schlüsselgewalt, der sich auch ihr Göttergatte unterzuordnen hat, trägt Frigg am Gürtel die Schlüssel, die auch zu ihren Symbolen geworden sind.

Schöpferin des Schicksals

Immerhin besitzen sowohl Frigg wie auch Freya einen Mantel aus Falkenfedern, mit dessen Hilfe sie fliegen können. Damit kann Frigg genauso wie Freya ihre Gestalt wandeln und ist des Zaubers und der Magie mächtig. Sie kennt die Zukunft, verrät aber niemandem, was sie bringt. Diese Haltung liegt im Wesen Friggs, denn als Gebieterin der Heiligen Ordnung ist sie letztlich die Schöpferin des Schicksals oder jedenfalls der Grundlagen, aus denen es gewoben ist.

Friggs magisches Attribut ist daher die Spindel: Die Fäden des Schicksals, die die Nornen weben, werden von Frigg gesponnen. Frigg besitzt ihr Wissen um das Schicksal seit jeher, muss es sich nicht erst erwerben wie Odin und ist ihm darin überlegen. Sie ist eine gute Beraterin ihres Göttergatten, man sagt, sie besänftigt ihn, wenn er wütende, unüberlegte Entscheidungen treffen will und sie setzt ihren Willen durch, wenn sie unterschiedlicher Meinung sind.

Die magische Spindel

Verehrt wird Frigg vor allem auch als Himmelskönigin. Sie fertigt mit ihrer magischen Spindel nicht nur prächtige Leinengewänder aus feinstem Garn an, sie webt auch die Wolken am Himmel. Sie schöpft eigentlich die Natur aus einer nährenden Wolke, der strahlenden Sonne und der Frucht tragenden Erde.

Als himmlische Spinnerin lebt Frigg bis heute im Glauben des Volkes fort: die drei Sterne, welche den Gürtel des Sternbildes Orion bilden, heißen in Schweden „Friggs Spinnrocken“. Aber Frigg hat nicht nur eine ordnende, strukturierte sondern auch eine wilde Seite: Als Göttin der sturmgejagten Wolke erscheint sie als wilde Jägerin, die zur Zeit der Wintersonnenwende nachts durch die Luft tobt. Später im Frühling hält sie dann einen segnenden Umzug durchs Land.

Damit ist auch leicht eine Verwandtschaft mit den alpenländischen Göttinnen Percht und Holla zu erkennen. Frauen treten mit Frigg in Verbindung, wenn sie Ordnung ins Chaos bekommen wollen, wenn sie die Oberhoheit in ihrem Haushalt (zurück) erlangen wollen, wenn sie sich eine dominante Ausstrahlung wünschen, bei der es keine Widerrede gibt.
Frigg dient auch mit Klarheit, wenn es um Vereinbarungen und Verträge geht.

auch: Frigga, Frija, Fricka, Frikke

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