Mawu – Afrikanische Erd-, Vegetations- und Mondgöttin

Die Schöpfungsgöttin der Dahomey oder Fon in Nordwestafrika gilt gleichzeitig als Erd-, Vegetations- und Mondgöttin. Mawu erschuf nicht nur die Erde, sondern auch alles Leben.

Die Erde Umarmende

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Die Schöpfungsgöttin der Dahomey oder Fon in Nordwestafrika gilt gleichzeitig als Erd-, Vegetations- und Mondgöttin. Mawu erschuf nicht nur die Erde, sondern auch alles Leben.

Die Geschichte von Mawu erzählt, dass sie vor der Zeit als es weder Sonne oder Mond, Luft oder Wasser, Tag und Nacht noch Menschen, Pflanzen oder Tiere gab, in tiefem Schlaf durch die Leere trieb. Sie träumte von den Dingen, die einmal sein würden. Die Zeit beginnt als Mawu den Traum zu Ende träumt und erwacht.

Nach einer anderen Version der Schöpfungsgeschichte war sie die Tochter der Urmutter Nana Buruku. Wie dem auch immer sei, Mawu begann mit ihrem Schöpfungsakt, indem sie die Leere nahm und zwischen ihren Handflächen zu einer Schlange rollte, welche durch ihren Atem Farbe und Leben erhielt.

So wird die Leere zur Regenbogenschlange Aida-Wedo,  die Mawu half, die Welt zu erschaffen. Sie erschufen zuerst unbewegtes Meer und flaches Land in die Stille der Welt. Dann zogen sie gemeinsam über die Welt, Mawu erschuf Berge, gefüllt mit Gold und Edelsteinen, die Regenbogenschlange sorgte für Gräben, in denen Flüsse und Bäche entstehen konnten.

Nachdem Mawu vor Freude zu viele Wälder und Tiere erschaffen hat, drohte das Land im Meer zu versinken, sodass sie die Schlange bittet, das Land hoch zu halten. Auf ihre Bitte hin windet sich die Regenbogenschlange dreitausendmal spiralförmig um die Erde, die sie bis zum heutigen Tage auf diese Weise hält. Die Spiralen umkreisen die Erde und bewegen die Planeten und Sterne über den Nachthimmel.

Aida-Wedo kann man heute noch wahrnehmen. Man sieht sie immer dann, wenn die Sonne durch den Regen schimmert und eine ihrer Spiralen als Regenbogen aufleuchtet. Bewegt sich die Schlange, erschüttert ein Beben die Erde und sollte sie jemals ihre Spiralen wieder lösen würde die Welt auseinanderfallen.

Umarmt die Erde

Nach der Schöpfung zog sich Mawu in ihr Heim im Himmel zurück und umarmt seither schützend die Erde und die Menschen.

Von dort regelt sie als Mondgöttin den Ablauf der Gezeiten, die Länge von Tag und Nacht und alle weiteren zyklischen Kräfte. Sie schickt den Menschen die Träume und inspiriert sie damit. Immer, wenn wir mit einem Traum aufwachen, der uns einen Hinweis, neue Anregungen, kreative Ideen gibt oder uns bei der Lösung von Problemen weiterhilft, hat Mawu uns geküsst.

Ursprünglichen sprach man von Mawu als Mawu Lissa. Die Göttin trägt einen Stab mit einer Mondsichel und einer Sonne. In ihr sind alle Polaritäten vereint —  Tag und Nacht, Wärme und kühlender Schatten, Leben und Tod.

Mit den christlichen Missionaren und ihrer Vorstellung vom männlichen Gott wurde Mawu von Lissa getrennt. Sie ist weiblich, er ist männlich und wird abwechseln als ihr Sohn, ihr Zwillingsbruder bzw. Liebhaber dargestellt.

Man erzählt sich, dass die Dinge auf der Erde nicht zur vollkommenen Zufriedenheit von Mawu liefen. Die Menschen begannen überheblich zu werden und immer mehr ihre natürlichen Gesetze, also jene einer Muttergöttin zu missachten. Sie nahm das allerdings nicht persönlich (wie wir es vom zürnenden, strafenden und rächenden jüdisch-christlichen Gott kennen). Ihre Sorge gilt ihren Kindern, den Menschen, denen die Missachtung der Naturgesetze selbst sehr schaden würde.

Wo Lissa bestraft, vergibt Mawu

Um weiterhin alles unter ihrer Beobachtung und Schutz halten zu können, schickte die Göttin ihren Partner Lissa aus. Dieser sollte zum einen sicherstellen, dass sich die ErdenbewohnerInnen an ihre Vorschriften halten und zum anderen —  wenn er schon einmal da ist —  den Menschen auch nützliche Fertigkeiten beibringen.

Wenn Mawu einmal auf der Erde nach dem Rechten schauen will —  weil sie Lissa freigeben oder seine Beobachtungen überprüfen will —  dann verschwindet sie einfach von ihrem Platz am Himmel. Das ist bei jedem Neumond der Fall.

Aber: Mondgöttinnen sind unberechenbar —  ab und zu macht sie eine Ausnahme und tut dies auch bei Vollmond. Dann sprechen die Menschen von einer Mondfinsternis. Lissa aber, der mit seinem Sonnenlicht im Auftrag von Mawu die Erde beobachtete, bekam aber den Ruf als strenger, fordernder Gott weg, der auch mit der, in Afrika unbarmherzig strahlenden, Sonne gleichgesetzt wurde.

Von Mawu hingegen heißt es, sie wäre der begütigend wirkende Mond. Sie steht für die Kühle der Nacht, die auch ein Ausdruck von Weisheit ist. Dies alles drückt sich auch im Sprichwort „Wo Lissa bestraft, vergibt Mawu“ aus.

Menschen schätzen ihre sanfte, vergebende und verständnisvolle Energie. Dumm gelaufen für Lissa, wie für alle Väter, die im Auftrag der Mütter die Strengen spielen müssen. Zum Glück werden aber Kinder auch erwachsen und man kann ihnen Verantwortung übertragen. Dazu gibt es eine weitere Geschichte:

Die sieben Zwillingspaare

Immer, wenn es eine Sonnenfinsternis gibt, so glaubt man, machen Mawu und Lissa Liebe. Aus diesen Begegnungen sollen auch sieben Zwillingspaare entstanden sein. Diese wurden eines Tages von ihren Eltern damit beauftragt, ihre Verantwortung für die Welt zu übernehmen.

Dem erstgeborenen Zwillingspaar übergaben sie die Kontrolle über die Welt und sie durften dafür alles vom Himmel mitnehmen, was sie dafür brauchten.

Das zweite Zwillingspaar blieb im Himmel und herrscht über Blitz und Donner.

Das dritte Zwillingspaar bekam die Macht über das Eisen, sodass Werkzeuge hergestellt werden konnten, um die Erde zu bearbeiten (dieses Zwillingspaar war sich uneins über die Verwendung von Eisen und so entstehen daraus auch Waffen).

Das vierte Zwillingspaar bestimmt über das Wasser und die Fische.

Das fünfte Zwillingspaar beschützt die JägerInnen und ist für die Luft und die Vögel zuständig.

Auch das sechste Zwillingspaar beschützt die JägerInnen und ist für alle anderen Tiere zuständig.

Das siebte Zwillingspaar ist schließlich für alle Pflanzen und im speziellen für die Bäume auf der Erde zuständig.

auch: Maou

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