Oshun – Yoruba-Göttin Schönheit, des Reichtums und des Glücks

Oshun steht in der der afro-brasilianischen Religion des Volkes der Yoruba, im Candomblé für Schönheit, Reichtum und Glück.

 Die sinnliche Genießende 

Oshun steht in der der afro-brasilianischen Religion des Volkes der Yoruba, im Candomblé  für  Schönheit, Reichtum und Glück. Sie ist die Orisha (so werden die Gottheiten in dieser Religion genannt) der Liebe, des Süßwassers, der Flüsse und Quellen.

Schönste und Verführerischste von allen

Oshun verkörpert die Liebe in allen ihren Ausprägungen: Reif und frisch, real und verträumt, verspielt und ernsthaft, rein, wahr, sensibel und solide. Sie ist die Schönste und Verführerischste von allen.

Sie ist damit auch die Göttin der Sinnlichkeit, der Erotik und Sexualität – von der Verführung bis zur Empfängnis. Sie beschützt auch Prostituierte. Oshun steht für Schönheit und Genuss. Man erkennt sie an ihrem klingenden Lachen. Sie ist symbolisiert durch Süßwasser, also durch Flüsse, Quellen, Binnenseen, Wasserfälle usw. Sie schützt aber auch alles Fließende in uns — das Blut und alle Körperflüssigkeiten. Auch Fische und Vögel (ganz besonders Hähne, Pfaue und Enten) stehen unter ihrem Schutz.

Ursprünglich stammt Oshun aus Nigeria, genauer gesagt aus der Stadt Oshogbo im Bundesstaat Osun. Ihr Fluss ist der Niger, der auch nach ihr Osun benannt ist. Wie alle Orisha der Yoruba-Religion wanderte sie mit den aus Afrika verschleppten Menschen in die Sklaverei nach Süd- und Nordamerika mit. Heute wird sie vor allem in Brasilien, Haiti, Kuba und Puerto Rico verehrt.

Mutter jeglicher Zivilisation

Oshun, die Flussgöttin, gilt auch die Mutter jeglicher Zivilisation, da nahezu alle großen Städte an Flüssen entstanden sind. Damit war der Handel auf dem Wasserweg sowie die Fruchtbarkeit der Anbaugebiete gesichert. Das ist eine wichtige Voraussetzung, dass die Stadt und das Umland wachsen und sich die Zivilisation entwickeln kann. In ihrem mütterlichen Aspekt ist Oshun die Göttin der Reproduktion, der Weiterentwicklung, der Neuentstehung. Damit ist sie (wie auch jede der anderen Yoruba-Yagbá = weibliche Göttinnen im Candomblé), zuständig für die Fruchtbarkeit, sodass sie den Frauen von der Befruchtung durch die gesamte Schwangerschaft und Geburt bis zum ersten Wort des Kindes beisteht.

Da heute Katholizismus und Candomblé in der Volksfrömmigkeit unauflöslich vermischt sind, wird Oshun vielfach als Maria der unbefleckten Empfängnis verehrt.

Ihr gehört das Gold der Welt

Oshun besticht durch starken Willen, liebt Luxus und Reichtum. Ihr gehört alles Gold der Welt und auch das Messing — und daher ist sie überall dort zu finden, wo mit Gold gearbeitet wird. Damit ist sie auch für Geldangelegenheiten und Künste und Kunsthandwerk zuständig. Sie ist bekannt für ihre Großzügigkeit, sie verleiht Fülle und Freude.

Sie liebt es, sich zu schmücken, ganz besonders in ihren heiligen Farben Gold und Gelb. Oshun ist sich ihrer Ausstrahlung durch und durch bewusst. Sie badet förmlich in Schönheit, Erfolg und Anerkennung. Für sie ist das alles selbstverständlich. Arbeit ist ihr fremd, alles kommt ihr zugeflogen, wird ihr geschenkt.

Aber genauso verströmt und verschenkt sie sich ständig selbst. Alles ist bei ihr im Fluss und das lehrt sie auch jene, die sie verehren. Sie lässt jede Frau, die sich auf sie einlässt, an ihrem Glanz teilhaben.

Schüttelt alles aus dem Handgelenk

Sie schüttelt alles aus dem Ärmel — Erfolg, Anerkennung, Schönheit, Anziehungskraft —  macht es mit links, mühelos. Man erkennt sie daher auch an ihrer kreisenden Handbewegungen. Aus einem lockeren Gelenk fängt sie die Menschen ein und verteilt gleichzeitig ihre Geschenke. Sie hat eine süße lockende Stimme und ist Meisterin des Gesangs. Sie ist immer von schönen Dingen umgeben. Sie ist die Göttin der Künste, des perfekten Designs, des stimmigen Stylings, des Geschmacks und der vollendeten Form.

Alles wirkt bei ihr spielerisch und charmant. Sie flirtet immer und verzaubert alle. All das lässt sie aber mitunter auch eitel und eifersüchtig, kapriziös und launenhaft, listig und skrupellos erscheinen. Oshun ist damit aber eine gute Lehrmeisterin vor allem für Frauen, die sich ihrer selbst unsicher sind, die ihr Licht unter den Scheffel stellen, die sich zu wenig schön, attraktiv, interessant fühlen.

Sie verleiht Glamour – und eine gute Portion der oben genannten oft so negativ besetzten Eigenschaften kann dabei nicht schaden. Der Gang, der Tanz und jede Bewegung von Frauen mit Oshun-Qualität wirkt auf andere unwiderstehlich verlockend und herausfordernd. Wenn sie sich bewegen, wenn sie einfach nur gehen, ist das wie das Fließen eines Stroms.

Oshun-Orakel am Wasser

Darüber hinaus hat Oshun einen Heilungs- und einen magischen Aspekt. Beides hängt mit Wasser — Oshuns Element — zusammen. Es reinigt, heilt und transformiert. Oshun hat die Macht, mit kühlem Wasser zu heilen, Krankheiten weg zu schwemmen, die Körperflüssigkeiten wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Ihre Orakel werden oft am Wasser befragt.

Sie taucht dabei in ein tiefes Bewusstsein, ihre Enthüllungen kommen oft im Traum und beruhen auf ihrer sinnlich orientierten Wahrnehmung. Oshun, so sagt man, gibt Menschen das spirituelle Auge. Wer Oshun um etwas bittet oder sie um Rat fragt, sollte daher ganz besonders aus die Körperwahrnehmungen und auf Gefühle, die tief aus dem Inneren kommen achten.

Oshun ist eine der drei Frauen des Donnergottes Xango (neben Oya und Oba). Angeblich war sie seine Lieblingsfrau, nicht aber — wie man vermuten könnte – wegen ihrer Schönheit oder ihrer sinnlichen Ausstrahlung sondern wegen ihrer ausgezeichneten Kochkunst (auch ein Ausdruck der Sinnlichkeit). Oba soll deswegen sehr eifersüchtig auf sie sein.

Am Punkt, an der Fluss Obá mit dem Fluss Osun zusammenfließt, bilden die beiden Flüsse gefährliche Stromschnellen. Damit ist angeblich die Rivalität der beiden Göttinnen symbolisiert. Möglicherweise gefällt den beiden Göttinnen aber auch das wilde Zusammenspiel, die Demonstration der weiblichen Göttinnen-Kraft.

Ohne weibliches Element — kein Erfolg und kein Leben

In der Kosmologie der Yoruba ist Oshun von außerordentlicher Bedeutung. Sie ist nämlich die einzige weibliche Gottheit, die zusammen mit den ersten 16 (männlichen)
Irunmole von Olódùmarè (= oberste Schöpfungskraft und Inbegriff der universelle Lebensenergie) auf die Erde geschickt wurden, um diese bewohnbar zu machen. Sie steht für die Erkenntnis, dass ohne das weibliche Element kein Vorhaben von Erfolg sein wird, und dass kreative Prozesse ohne ihre Energie zum Scheitern und Erliegen kommen.

In den Yoruba-Mythen wird nämlich erzählt, dass ihre männlichen „Kollegen“ gemeint haben, dass sie Oshun für die Erschaffung der Erde nicht brauchen, sie wären die guten Handwerker und könnten alles alleine machen. Wozu bräuchten sie bei einer so wichtigen Aufgabe, wie der Erschaffung der Erde denn schon eine Frau? Oshun zog sich daher auf den Mond zurück, widmete sich ihrer Schönheit und ließ den Dingen ihren Lauf. Unterdessen vertrocknete alles Süßwasser auf Erden, weil dieses ja die Gabe und das Geschenk von Oshun ist.
Was war die Konsequenz? Die „Herren der Schöpfung“ konnten rein gar nicht mehr machen — keine Häuser bauen, keine Werkzeuge herstellen, keine Pflanzen als Nahrungsmittel wachsen lassen u.s.f.
Aber nicht nur wegen des fehlenden Wassers war Leben auf der Erde nicht möglich. Mit Oshun hat auch die Liebe die Erde verlassen.

Als die 15 Irunmole erkannten, dass ohne Oshun rein gar nichts funktioniert, liefen sie ganz schnell zu Olódùmarè, um sich zu beschweren. Er schaute sie an und sagte: „Ich vermisse wen von der Truppe, die ich zur Erde sandte. Wo ist Oshun?“
Die oberste Schöpfungskraft bat also Oshun, von ihrem Platz am Mond wieder auf die Erde herabzukommen. Alle anderen müssten sich aber bei ihr entschuldigen, dass sie sie so gering geschätzt haben. Oshun akzeptierte die Entschuldigung, aber nur unter der Bedingung, dass dies nie wieder geschehen dürfte.
Es gibt allerdings nicht nur im Yoruba-Glauben die Vermutung, dass der jetzige Zustand unserer Erde mit Klimakatastrophen, Erderwärmung, Bienensterben (Bienen sind die heiligen Tiere der Oshun), hartherziger Politik, Pornographie statt Liebe ein Zeichen dafür ist, dass Oshun abermals verbannt wurde oder zumindest ihre Kraft und ihre Energie nicht hinreichend geehrt und gewürdigt wird.
Erst wenn die Kraft der Weiblichkeit, der Göttin wieder erkannt wird, kann sich das Leben auf Erden zu einem besseren ändern.

Ohne Oshun gibt es daher auch keine gute Candomblé-Zeremonie. 

Spiegel, Kamm und Schmuck

Oshuns Symbole sind der Spiegel, in dem sie ihre Schönheit mit Wohlgefallen betrachten, ein Federfächer, ein Kamm und Schmuck in jeder Form. Meist trägt sie eine Halskette aus Kaurimuscheln, die einerseits Fruchtbarkeit andererseits auch ihr Wissen und ihre große Kraft als Göttin der Weissagung symbolisiert.

Mit Oshun in Kontakt zu treten ist auf mehrfache Weise möglich. Im Candomblé gibt es ihr zu Ehren aufwändige Zeremonien. Bei Oshun-Ritualen an Flüssen oder Bächen können kleine geschmückte Schiffchen mit Bitten oder Botschaften an die Göttin ins Wasser gesetzt werden. Eine Schale Wasser z.B. mit Blütenblätter kann gut für Orakel verwendet werden.

Die Altäre zu ihren Ehren sind immer prächtig und symbolisieren Fülle und Schönheit. Honig (das flüssige Gold) darf auf keinen Fall auf ihrem Altar fehlen. Darüber hinaus liebt Oshun Fächer aus Pfauenfedern, Bernstein, Eier, Orangen, Kürbis, Gold, gelbe Rosen, Sonnenblumen, Anissamen und Anispflanzen, Zimt, gelbe Kerzen und Tücher, goldglänzende Münzen, Schmuck in jeder Form.

Frauen treten mit Oshun am besten in Kontakt, indem sie sich selbst Gutes tun, sich schmücken, salben und pflegen, schmackhafte Speisen zubereiten, Räume sinnlich und stilvoll schmücken, schöne Dinge und liebevolle Aufmerksamkeiten verschenken, sich in gelbe und goldene Kleider hüllen, erotisch tanzen, singen und lachen, einem interessanten Menschen einen Augenblick länger als notwendig und etwas bedeutungsvoller als sonst in die Augen schauen, lächeln.

Dann bringt Oshun die Magie ins Leben — und das ist deutlich spürbar!

auch: Oshún, Oschun, Ochun, Ochún, Oxum, Oxúm, Oxún, Ôxún, Oxú, Oxun, Osun, Òsun, Erzulie

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