Usiququmadevu – Göttin der Zerstörung und Initiation in der Mythologie der Zulu

Eine bärtige und bucklige Göttin soll in der Tradition der afrikanischen Zulu vor allem Kindern Angst machen, weil sie diese angeblich fressen soll, diese Figur wird Usiququmadevu genannt.

Die Wandlungsgöttin 

Eine bärtige und bucklige Göttin soll in der Tradition der afrikanischen Zulu vor allem Kindern Angst machen, weil sie diese angeblich fressen soll, diese Figur wird Usiququmadevu genannt.

Es gibt eine Geschichte, dass eines Tages die Kinder unbeaufsichtigt waren, was Usiququmadevu bemerkte und diese ganz schnell verschlang. Der Clanchef fand die dämonische Göttin, stach ihr in ihrem Buckel, worauf die Kinder unversehrt aus ihrem Mund sprangen.

All dies lässt auf eine alte Erdgöttin schließen, die über Leben, Tod und Wiedergeburt entscheidet. Wie so oft sind mit den „Kindern“ der Kinder-verschlingenden Göttinnen die Menschen, also die Kinder von Mutter Erde gemeint. Sie werden von ihr geboren und kehren nach deren Tod wieder in ihren Leib zurück, um dort verwandelt und wiedergeboren zu werden.

Die Initiation der Häuptlingstochter

Usiququmadevu lebt im Fluss Ilulange. Das erste Opfer dieser Göttin soll Untombinde, die Tochter des Stammesführers gewesen sein. Sie und ihre Freundinnen nahmen ein Bad im Fluss Ilulange, dies obwohl sie gewarnt wurden, dass nichts mehr aus diesem Fluss zurückkommt.

Während die Mädchen im Fluss schwammen, versteckte die Göttin all deren Kleider. Wieder am Ufer angelangt, verlangten die Mädchen von der Göttin ihre Kleider zurück. Alle – außer Untombinde – bekamen ihr Gewand auch wieder zurück.

Die Häuptlingstochter aber soll von der Göttin in die Fluten gezogen und verschlungen worden sein. Dies erinnert an viele Märchen, in denen ein Mädchen auszieht, um zur „Großen Mutter“, zur Großmutter, zur weisen Alten zu gelangen und von dieser in das Frausein initiiert wird.

Bei vielen Initiationsriten werden den Kindern auf der Schwelle zum Erwachsenwerden symbolisch die Kinderkleider weggenommen. Das Bad im Fluss ist eine schöne Metapher für die Gefühle, das Tiefgründige, die Reinigung, die das Mädchen im Laufe seiner Initiation durchläuft. Ihre Begleiterinnen, denen von der Göttin die Kleider wieder zurückgegeben wurden, waren vermutlich schon initiiert oder noch nicht bereit dafür. Die Warnung, dass nichts mehr aus dem Fluss der Usiququmadevu zurückkehrt, stimmt insofern, als dass Untombinde nicht mehr als das Kind, das es einmal war, wieder auftaucht.

Besonders Eltern sind ja oft sehr erstaunt darüber, dass ihre „süßen Kleinen“ plötzlich ganz anders sind. In der Pubertät ziehen sich die jungen Menschen oft zurück, sie werden fremd, unerreichbar. Dem Vater von Untombinde ging es da nicht anders. Er suchte verzweifelt nach seiner Tochter, dem kleinen Mädchen, das er (in der heranwachsenden jungen Frau) nicht mehr findet.

Pubertät als Wandlungsprozess für die ganze Familie

Er schickt alle seine Krieger aus, die sofort von Usiququmadevu gefressen werden, bevor sie die Göttin attackieren konnten. Dann zog die Göttin in das Dorf, fraß dort alle Menschen, die Hunde und die Rinder. Einzig der Stammesführer konnte fliehen und er begegnete auf seiner Suche vielen Tieren, von denen jedes ihn ermutigte, weiter zu gehen. Usiququmadevu hat sich in eines der Tiere verwandelt, die ihm auch sagte, dass er weitersuchen sollte. Doch er erkannte sie, stach ihr in den Buckel, worauf alle unversehrt aus ihrem Mund sprangen, zuletzt seine Tochter.

Dies alles zeigt sehr anschaulich, was in einem Dorf, einem Clan, einer Familie vorgehen kann, wenn darin ein pubertierendes Kind lebt. Die Pubertät und die damit einhergehenden Phänomene können alle sozusagen verschlingen. Alle Familienmitglieder machen mit dem jungen Menschen gemeinsam eine Wandlung durch. Das ist eine unglaublich kostbare Zeit, die natürlich anstrengend ist und von vielen missverstanden wird. Vieles ist rätselhaft.

Erst als der Vater die Initiationsgöttin erkennt (und damit ihre große Kraft anerkennt), kann er alle befreien. Usiququmadevu soll auch einen Ehemann haben, der den selben Namen trägt wie sie, vermutlich ist dieser für die Inititation junger Männer zuständig.

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