Vanth ist die etruskische Göttin des Todes und der Unterwelt. Sie soll dann erschienen sein, wenn bei einem Menschen der Tod naht, und sie führt auch die frisch Verstorbenen in die Unterwelt. Sie ist damit so etwas wie ein Psychopompos, dieses altgriechische Wort bedeutet wörtlich übersetzt „Seelengeleiter“: Die Göttin geleitet also die Seelen der Verstorbenen ins Jenseits.

Die die Tür hält

Vanth ist die etruskische Göttin des Todes und der Unterwelt. Sie soll dann erschienen sein, wenn bei einem Menschen der Tod naht, und sie führt auch die frisch Verstorbenen in die Unterwelt.
Sie ist damit so etwas wie ein Psychopompos, dieses altgriechische Wort bedeutet wörtlich übersetzt „Seelengeleiter“: Die Göttin geleitet also die Seelen der Verstorbenen ins Jenseits.
Während sie bei Sterbenden anwesend ist, nimmt Sie normalerweise keine aktive Rolle ein. Sie scheint hauptsächlich eine Beobachterin oder Zeugin der Geschehnisse rund um den Tod zu sein. Obwohl sie eine Vorbotin des Todes ist, scheint sie diesen nicht zu verursachen.
Die Bedeutung Vanths könnte in einer Erleichterung (Versüßung) des Übergangs vom Leben zum Tod gelegen haben.

Daher wird sie sowohl als so etwas wie ein „Engel“, aber auch als „Dämonin“ angesehen. Dies sind aber Zuschreibungen aus der Gegenwart, weil über den Kult und die spirituelle Ausrichtung der EtruskerInnen wenig bekannt ist und wir daher auch nicht wissen, ob diese in den Dimensionen „Engel“ oder „DämonInnen“ gedacht haben.

Geflügelte Göttin im Jagd-Outfit

Vanth wird fast immer in Szenen mit einem Unterwelt- oder Todesthema dargestellt. Sie wird als geflügelte Frau dargestellt mit großen, geschwungenen Flügeln, die sich hinter ihr ausbreiten und die wahrscheinlich zur Bezeichnung „Engel“ beigetragen haben. Manchmal sind Augen auf ihren Flügeln, symbolisch für die Allgegenwart des Todes.
Ihre Bekleidung ist die einer Jägerin, meist trägt sie einen kurzen gerafften oder plissierten Rock, der doppelt gegürtet ist (einmal unter und dann wieder über dem heruntergeklappten Teil). Über dem Rock sieht man meist nur gekreuzte Lederriemen über ihrer nackten Brust, die einen Köcher halten. Oft trägt sie auch kurze Jagdstiefel. Dieses „Outfit“ verleiht Vanth ein unverwechselbar aktives Aussehen.
Die Gegenstände, die Vanth bei sich trägt, sind auch repräsentativ für ihre Rolle als Psychopompos bzw. Eskorte der Toten – sie trägt eine Fackel, um den Weg zu erhellen, und einen Schlüssel, um die Tore zur Unterwelt zu öffnen. Andere Gegenstände, mit denen sie manchmal gezeigt wird, sind ein Schwert, eine Schriftrolle, auf der die Taten der Verstorbenen verzeichnet sind und Schlangen – alles Symbole des Schicksals.

Bewacht die Grabtüre

Vanths Name wird als „eine, die die Tür hält“, interpretiert.
Viele der geflügelten „Todesengel“ auf Grabdenkmäler sind vermutlich Darstellungen dieser Göttin.
Vanth wird häufig als Partnerin als jugendliche Begleiterin des Totengottes Charun dargestellt, der etruskischen Version des griechischen Charon, des Wächters der Unterwelt, dessen Aufgabe es war, Seelen über den Fluss Styx zu befördern. Sie wurde auch als die „Dienerin“ von Charon bezeichnet. Allerdings gibt es von Vanth innerhalb aller etruskischen Todes- oder Unterweltgottheiten (einschließlich Charun) die meisten Darstellungen in der etruskischen Kunst, was eher zu dem Schluss führt, dass sie zumindest gleichwertig waren, bzw. dass Vanth in ihrer Macht und Bedeutung über Charun stand.
Oft sieht man das Paar Vanth-Charun jeweils auf einer Seite der Tür eines Grabes, so als würden sie von beiden Seiten den Eingang bewachen.


Vanth ist seit dem 4. Jahrhundert v.u.Z. in etruskischen Gebieten belegt, da ihre frühesten Darstellungen nur so weit zurückreichen.
In der etruskischen Mythologie gibt es viele Überschneidungen zu den römischen und griechischen Gottheiten. Vanth bietet hier eine Ausnahme, da es für sie keine Entsprechung in anderen Mythologien gibt.
Als eigenständige etruskische Göttin war sie offenbar sehr beliebt. Ihre Wirkungskreis erstreckte sich bis nach Kampanien, wo eine Bronzestatuette von ihr aus den Jahren 425 – 400 v.u.Z. nicht weit vom Vesuv entfernt gefunden wurde. 
Die Erinnerung an Vanth könnte sogar bis in die Römerzeit Bestand haben: In der Villa der Mysterien in Pompeji befindet sich ein berühmtes Fresko aus dem 1. Jahrhundert n.u.Z., das eine Art dionysisches Initiationsritual darstellt. Eine der Teilnehmerinnen ist eine geflügelte Frau mit Gerte, sie trägt Stiefel und einen kurzen Rock und wurde als Vanth identifiziert.
Eine Ausprägung von Vanth ist möglicherweise die Göttin Vatica, die beschützende Todes- und Unterweltsgöttin der großen Begräbnisstätte am Hang des Hügels, des Gebietes, auf dem sich heute der Vatikan befindet.

Der Mond des transneptunischen Asteroiden (90482) Orcus erhielt im April 2010 den Namen Vanth nach der etruskischen Göttin.

auch: Van

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