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Caissa, so heißt es, sei die Göttin des Schachspiels.
Angeblich war sie eine thrakische Dryade bzw. eine Nymphe in die sich der römische Kriegsgott Mars (in einer Variante auch der griechische Kriegsgott Ares) verliebte.

Die hohe Dame des Schachs

Caissa, so heißt es, sei die Göttin des Schachspiels.
Angeblich war sie eine thrakische Dryade bzw. eine Nymphe in die sich der römische Kriegsgott Mars (in einer Variante auch der griechische Kriegsgott Ares) verliebte. Da sie nicht das geringste Interesse an ihm hatte, bat der Kriegsgott seinen „Kollegen“ Apoll, den Gott des Sportes, der Medizin, der Künste und des Spiels um Hilfe. Diese wusste, dass Caissa die Gabe hatte, in die Zukunft zu sehen und die bekannt dafür war, gute Strategien zu entwickeln.
Daher erfand Apoll das Schachspiel, weil er meinte, sie könnte mit diesem strategischen Spiel, bei dem man immer einige Züge im voraus denken, also in die Zukunft schauen muss, Freude haben.
Mars bot daraufhin Caissa das Schachspiel als Geschenk dar. Ob er damit erfolgreich war, ist nicht bekannt.

Eine andere Variante des Mythos erzählt, das Caissa das Schachspiel höchstpersönlich erfunden hat: Als sie sich in ihren Zukunftsvisionen vorstellte, wie Kriegsheere in der Zukunft sein würden, entschied sie ein Spiel zu schaffen, wobei Intelligenz und Mut notwendig waren, um den Sieg zu erringen.
In jenem Spiel würden zwei Heere teilnehmen, ein weißes und ein schwarzes, die versuchen sollten, dem anderen eine Niederlage zuzufügen. Das war es wohl auch, warum sie für den Kriegsgott so begehrenswert erschien.

Die mächtigste Figur auf dem Schachbrett – eine Göttin

Klar ist bei all dem: Die Dame oder Königin, die mächtigste Figur auf dem Schachbrett, wurde nach dem Bild einer Göttin geschaffen. Einer Göttin, die den größten Handlungsspielraum von allen Figuren hat, die größte Reichweite und die stärkste Macht und Schlagkraft. Viel stärker als der König, der immer nur einen Schritt auf das nächste Feld machen kann.
Vielleicht auch ein Sinnbild für die wahren Machtverhältnisse in Monarchien.


Eine Erfindung der Neuzeit?

Ob es tatsächlich eine Göttin namens Caissa im Altertum, im antiken Griechenland oder Rom gab, ist allerdings ungewiss.

Der Mythos dieser Göttin ist nämlich erst seit dem 18. Jahrhundert bekannt.
Erwähnt wird sie in dem gleichnamigen Gedicht des englischen Dichters und Philologen Sir William Jones, das 1763 veröffentlicht wurde. Darin beschriebt er Caissa als eine, in die sich der Gott Mars verliebt. Als seine Liebe nicht erwidert wird, lässt er das Schachspiel erfinden, um ihr Herz zu gewinnen.
Jones wurde zu seinem Gedicht von dem erstmals 1525 gedruckten Werk Scacchia ludus des Marcus Hieronymus Vida inspiriert, in dem die Nymphe den Namen Scacchis trägt.

Die Ähnlichkeit des englischen Wortes für Schach „chess“ und Caissa bzw. Scacchis und „Schach“ ist dabei auffallend.
Herangezogen wurde für die mythologische Figur eine Dryade, also eine Baumgöttin, weil ja auch die Schachfiguren und das Schachbrett aus Holz sind und damit das Material der Göttin repräsentieren.

Dem Buch „Kampf der Schachideen” des internationalen Schachmeisters Anthony Saidy ist zu entnehmen: „Caissa, die Göttin des Schachspiels, ist nicht nur die Tochter des Mars, sondern auch der Aphrodite. […] Wenige kennen sie wirklich; manche begegnen ihr, ohne sie zu erkennen. Und doch ist es Caissa, um deren Gunst wir uns bemühen, wenn wir nach der Schachkunst streben. Sie ist es, deren symbolische Gegenwart und deren Versprechen einer Belohnung die im Kampf verstrickten Schachgiganten vorantreibt.“

Caissa ist im Namen zahlreicher Schachvereine enthalten. Auch in der Schachliteratur kommt der Begriff häufiger als Metapher vor, zum Beispiel in Wendungen wie „Er war ein Liebling Caissas“ (ein starker Spieler) oder „Caissa hat ihn mit Blindheit geschlagen“ (er hat einen groben Fehler begangen).
Sie wird oft als Inspirations- oder Glücksquelle herangezogen z. B. in der Anrufung „Caissa sei in diesem Spiel bei mir.“

Das sowjetische Schachprogramm, das 1974 die erste Computerschachweltmeisterschaft gewann, hieß Kaissa.
Im übertragenen Sinn ist Caïssa ist eine Beraterin, um Entscheidungen zu treffen, eine zuverlässige Ressource für strategische Handlungen.

Die katholische Schachheilige

Übrigens gibt es auch eine christliche Heilige des Schachspiels: Die Heilige Theresa von Avila (1515 – 1582). Sie trat mit 20 Jahren, in ein Karmelitinnenkloster in Avila ein. Schon vor ihrem Eintritt ins Kloster war sie eine begeisterte Schachspielerin. Einige Jahre später wurde sie schwer krank, war über drei Jahre fast gelähmt und vertiefte in dieser Zeit sowohl ihr Interesse an spirituellen Übungen wie auch ihr Schachspiel.
In eine Reihe ihrer Schriften erwähnte sie das Schachspiel mehrfach und nutzte es symbolisch bei der Erörterung von von sittlichen und religiösen Fragen. 
Sie wurde im Jahre 1944 durch die spanische Kirchenbehörde zur Schutzheiligen der Schachspieler deklariert.

auch: Caïssa

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