Erce, die Erdmutter ist nicht nur im angelsächsischen, sondern auch im slawischen Raum bekannt.
Sie ist eine dreifache Göttin – jung im Frühling, eine werdende Mutter im Sommer und eine Alte, wenn der Winter kommt.

Die wilde, ungezähmte Erdkraft

Erce, die Erdmutter ist nicht nur im angelsächsischen, sondern auch im slawischen Raum bekannt.
Sie ist eine dreifache Göttin – jung im Frühling, eine werdende Mutter im Sommer und eine Alte, wenn der Winter kommt.
Jedes Frühjahr ehrt man sie im slawischen Raum damit, indem man Milch, Mehl und Wasser in die Furchen des frisch umgepflügten Bodens gießt, damit soll sie milde gestimmt und besänftigt werden.
Haben die Menschen ihr Wohlwollen erlangt, so kommt sie im Herbst als Erntegöttin mit ihrem übervollen Füllhorn wieder, mit dem sie ihren Segen über der Menschheit verteilt. Dieses Füllhorn steht auch als Symbol für die Gebärmutter der Erdgöttin.

Erce in dieser Schreibweise ist nur durch eine einzige Quelle belegt, dem Æcerbot, einem angelsächsischen Zauber aus dem 11. Jahrhundert, der als „Feldzauber“ bekannt ist.
Ihr Name „Erce, Erce, Erce eorþan modor“ (Erdmutter) wird dreimal bei einem Ritual gesungen, das einen ganzen Tag dauert.
Bei diesem Ritual werden vier Erdsoden vom Feld genommen und ein Bündel auf die Wurzelmatten aufgetragen. Sie werden dann zurückgegeben und die magischen Gesänge werden fortgesetzt, während das Feld gepflügt wird.
Es gibt einige christianisierte Elemente des Rituals (z. B. die Verwendung von Weihrauch im Bündel und das Hinzufügen kleiner Kreuze auf jeder der Grasnarben). Die Hauptelemente des Rituals scheinen jedoch Teil einer älteren authentischen Tradition zu sein.
Das Wort Erce stammt von „eorcnan“, was „wahr, echt oder heilig“ bedeutet, oder von einem früheren Göttinnennamen, der höchstwahrscheinlich „Eorce“ war, was „Mutter der Erde“ bedeutet.

Erce taucht mit unterschiedliche Namen auf, wie z.B. Frau Herke oder Frau Harke. Als diese wird sie als eine wilde Vegetationsgöttin wahrgenommen, die jeden Naturfrevel rächt, wenn sie gerufen wird.
Sie ist also eher nicht eine dieser mütterlich-sanften, sich verschenkenden Erdgöttinnen, sondern symbolisiert eher die wilde, ungezähmte Erdkraft. Als solche kann sie grausam, ja tödlich sein, Nahrung verweigern, Naturkatastrophen schicken. Deswegen wird sie auch so innig in den Feldzaubern beschworen – mit Zaubergesängen und rituellen Taten, um die Erde zu heilen, während der Pflug mit Öl, Paste, Weihrauch, Salz und Fenchel gesalbt wird, damit ihn die Erdkruste ihn gnädig aufnehmen möge.
Es heißt, sie schütze auch alle Frauen, die sich mit der Natur im außen verbünden und ihre wilde Natur im innen anerkennen und leben.

Erce wird oft auch mit den Göttinnen Holla bzw. Percht in ein Naheverhältnis gebracht, dies sind eventuell regionale Ausprägungen ein und derselben Göttin.


auch: Erke, Frau Herke, Frau Harke

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