Harpyien – Dämonische Sturmgöttinnen der griechischen Mythologie

Nach Hesiod sind die Harpyien die „schöngelockten“ Töchter der Elektra und des Thaumas. Deren Zahl schwankt je nach Überlieferung zwischen zwei und fünf. Sie werden als Mischwesen aus Mädchen- und Vogelleibern beschrieben.

Schneller als der Wind

Nach Hesiod sind die Harpyien die „schöngelockten“ Töchter der Elektra und des Thaumas. Deren Zahl schwankt je nach Überlieferung zwischen zwei und fünf. Namentlich sind folgende Harpyien in der Aeneis erwähnt: Aello (Windbö, Sturm), Okypetes bzw. Ocypetes (die Flugschnelle, die Schnellfüßige), Podarge (die Schnellfliegende, leichte Flügel), Kelaino bzw. Celaeno (die Dunkle). Ihre Schwester ist Iris.

Mischwesen aus Mädchen- und Vogelleibern

Sie werden als Mischwesen aus Mädchen- und Vogelleibern beschrieben, als riesige Fabelwesen mit Frauengesichtern, einem Raubvogel-Körper und kräftigen Adlerkrallen. Sie sollen Menschen rauben und Nahrung besudeln und personifizieren den alles wegraffenden Hunger.

Die Harpyien sollen vom Berg Diete auf Kreta stammen und wohnten dort in einer Höhle In den früheren Erzählungen der griechischen Mythologie werden sie als schöne Frauen mit langem, schwarzem Haar und Vogelflügeln beschrieben.

Das Furcht erregende Bild der Harpyien dürfte sich aus älterem Vorbild hin zu den reißenden Ungeheuern der Argonautensage entwickelt haben. So gab es auf Kreta Begräbnispriesterinnen, die Vogelkostüme trugen, bei Leichenfeiern die Leier spielten und auch sonst den Harpyien ähnelten. Diese mussten auf Geheiß des Zeus Seelen von Toten in den Tartarus tragen oder Leute töten, die seinen Zorn erregten.

Hier gibt es möglicherweise eine Verwandtschaft zu den Walküren, die in der nordischen Mythologie die Gefallenen vom Schlachtfeld nach Walhalla holten. Die Harpyie Podarge ist die Mutter der schnellen Pferde des Achilleus, Xanthos und Balios, sowie des Hengstes Cyllarus, der Kastor und Polydeikes geschenkt wurde. Der Vater dieser Pferde ist der Westwind Zephyros.

Harpyien raubten Phineus die Speisen aus dem Mund

Bekannt sind die Harpyien vor allem aus der Argonautensage: Seine zweite Gemahlin, Idaia verleitete den blinden Seher Phineus, den Sohn des phönizischen Königs Agenor dazu, seine Söhne aus seiner ersten Ehe zu blenden. Von Zeus gesendet, raubten sie als Strafe Phineus die Speisen aus dem Mund und den Rest besudelten, so dass er von stetem Hunger gequält wurde. Sie ließen ihm allerdings immer gerade genug, um zu überleben.

Die Argonauten kamen mit den beiden Söhnen des Nordwindes Boreas Kalais und Zetes zur Verteidigung des Phineus und vertrieben darauf die Harpyien. Nachdem Iris eingeschritten war, die Argonauten besänftigt hat und ihre Schwestern, die Harpyien auf die Wasser der Styx geschworen hatten, Phineus fortan in Ruhe zu lassen, ließen Verfolger und Verfolgte über den Strophaden („Inseln der Wende“) voneinander ab.

Die Harpyien werden als schneller als der Wind und als unverwundbar beschrieben. Trotzdem wird erzählt, dass die Harpyie Podarge beim Kampf gegen die Argonauten von einem Pfeil getroffen und von Herakles getötet wurde.

Vor ständigem Hunger bleiche Gesichter

Die Harpyien finden sich auch in der Aeneis des römischen Dichters Vergil im 3. Buch auf den Strophaden, einer Inselgruppe im Westen der Peloponnes. Sie haben dort vor ständigem Hunger bleiche Gesichter und beschmutzen die Opfermahlzeiten des Aeneas und seiner Mannschaft mit ihren Ausscheidungen.

Eine Harpyie ist in der Lage Wirbelstürme und Orkane über dem Meer zu entfachen.

Aeneas begegnet Harpyien auch in den Vorhallen der Unterwelt im 6. Buch, wo sie neben Gorgonen und Kentauren hausen.

auch: Harpyia

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