Leshachikha ist eine slawische Waldgöttin (Wald heißt in slawischen Sprachen „les“).Sie ist die Mutter von vielen Leshonki. Denn jeder Wald hat seine eigene Leshonka.

Die Waldmutter und ihre Kinder

Leshachikha ist eine slawische Waldgöttin (Wald heißt in slawischen Sprachen „les“).
Sie ist die Mutter von vielen Leshonki. Denn jeder Wald hat seine eigene Leshonka. Diese sind so etwas wie Faune oder Waldfeen. Sie beschützen ihr Land – alle Pflanzen, Tiere, Vögel, die in diesem Wald leben. Ihre ganz besonderen Tiere sind die Bären und die grauen Wölfe.
Vergleichbar sind die Leshonki z.B. mit den französischen Dames Vertes, die vor allem in den Wäldern des Jura leben.

Beschützend und gefährlich

Leshachikha und ihre Kinder werden sehr böse, wenn ihr Land und der Wald ausgebeutet oder ihm Schaden zufügt wird. Dazu können sie auch einen Zauber über ihren Wald werfen, der für Menschen auch nicht immer angenehm ist.
Das sind noch vergleichsweise harmlosere Dinge – wie das Irreführen von Menschen im Wald, die sich dann verlaufen oder das Verstecken von den Äxten der Waldarbeiter.
Leshachikha kann aber auch durchaus die rasenden Naturgewalten zum Ausdruck bringen, wie Stürme oder einen Erdrutsch.
Daher werden die Kinder der Leshachikha auch als Walddämonen beschrieben.

Ihr männlicher Gefährte heißt Leshy – vergleichbar mit dem altgriechischen Satyr. Er soll grüne Augen, wirres grünes Haar und einen langen grünen Bart haben und es lieben, arglose Wandersleute vor allem nachts durch unheimliche Geräusche wie Lachen, Wiehern, Stöhnen, Heulen und Winseln vom Weg abzubringen.

Um sich persönlich vor dem Zauber von Leshachikha, Leshy oder den Leshonki zu schützen, wird empfohlen, sich unter einen Baum am Waldesrand zu setzen, alle Kleider auszuziehen und wieder verkehrt anzuziehen.
Das ist ein „Wendezauber“, der auch in anderen Zusammenhängen bekannt ist (z.B. bei Faschingsbräuchen oder in den Rauhnächten). Damit soll man die Leshonki verwirren, denn dann wissen sie nicht mehr, in welche Richtung man geht.
Vielleicht wirkt dieser „Zauber“ ja auch deshalb, weil man sich für diese Handlung einen Augenblick Zeit nehmen muss und nicht sofort und unbedacht in den Wald hineingeht.
Wenn man sich im Wald verlaufen hat, dann soll man die Schuhe tauschen und auf dem jeweils anderen Fuß anziehen.
Die Waldgöttin soll dann helfen und die Verlaufenen auf den richtigen Pfad zurückführen. Dies scheint auch sinnvoll, weil man mit vertauschten Schuhen langsamer und vosichtiger gehen muss und auch auf andere Dinge achtet.

Kräfte der Erneuerung

Für alle, die besonnen ihr Reich betreten hält Leshachikha auch bereitwillig ihre Schätze bereit – wie Pilze und Beeren.
Sie beschützt aber auch all jene, denen außerhalb des Waldes Gefahr droht und den Schutz in den Tiefen ihres Reichs suchen.
BäuerInnen und SchäferInnen verbinden sich gerne auf magische Weise mit dieser Göttin, mit der Bitte um Schutz für die Felder und die Tiere.

Als Waldgöttin ist sie natürlich auch eine Erdgöttin. Das bedeutet, dass der Wald selbst als weibliche Gottheit, als mütterliche Gestalt wahrgenommen und geachtet wird. Sie ist der duftende Waldboden, das Moos, jedes Blatt, jeder Samen.
Man sagt, dass sie im Oktober stirbt und im Frühjahr neu geboren wird.
Sie lehrt die Menschen ihre Kraft der stetigen Erneuerung, der sich im Zyklus von Sterben und Werden ausdrückt. Abgestorbenes Holz ist Nährboden für eine Vielzahl von Pflanzen, das Laub vom Vorjahr wird zum Humus für Kommendes.

Wesen ohne Schatten

In osteuropäischen Wäldern erscheint Leshachikha meist als Tier oder einfach auch als Blatt. Manchmal kann man sie ganz flüchtig im Wald als hässliche alte Frau mit großen Brüsten wahrnehmen, manchmal als nacktes Mädchen oder als weiße Frau – so groß wie ein Baum. Das besondere daran ist, dass diese Gestalten keinen Schatten haben und daher nicht mit menschlichen Wesen verwechselt werden können.

Der 26. März ist traditionell der Tag, an dem in vielen slawischen Regionen mit dem Pflügen begonnen werden kann. Davor – so heißt es – ist die Erdgöttin schwanger. Und es ist ein großes Verbrechen, die Erde vor diesem Datum mit Eisenwerkzeugen zu bearbeiten, denn Leshachikha ist gerade dabei, ihr Kind – den Frühling – zur Welt zu bringen. Erst wenn dieser geboren ist, können die Felder den neuen Samen aufnehmen.

Sie ist auch allen wohlgesonnen, die im Einklang mit der Natur leben.
Das bedeutet auch, dass Menschen sich bewusst sein sollten, dass sie „Kinder des Waldes“ bei sich daheim haben. Alles, was auch Holz gefertigt ist, sind ja Kinder der Waldgöttin.
So kann man Leshachikha z.B. an der hölzernen Türschwelle um ihren ganz besonderen Schutz für das eigene Heim bitten – ganz so wie sie es mit ihren Wäldern macht.
Um ihre Energie bei sich zu haben (z.B. für ein besonderes Vorhaben an diesem Tag), kann man ein Blatt vom Boden aufheben und in der Jackentasche mit sich tragen.
Wann immer die Finger es berühren, erinnert uns das daran, dass wir im großen Zyklus der Erdmutter und Waldgöttin eingebunden sind.

auch: Leshacikha

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