Nammu – Sumerisch-mesopotamisch-babylonische Urmutter

Nammu gab es bereits vor aller Schöpfung. In einem wilden Tanz hat sie zuerst An, den Himmel, dann Ki, die Erde und schließlich alle Göttinnen und Götter geboren.

Göttin des Uranfangs

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Nammu gab es bereits vor aller Schöpfung. In einem wilden Tanz hat sie zuerst An, den Himmel, dann Nammu die Erde und schließlich alle Göttinnen und Götter geboren.

Von Nammu stammen auch die einhundert Me, in sumerischer Vorstellung die göttlichen Kräfte der Weltordnung.
Ihr Name wurde in jenem Ideogramm (Zeichen der Bilderschrift) geschrieben, das auch „Meer“ bedeutet. Da alles Leben auf der Erde aus dem Meer kommt, wird mit Nammu auch das Urmeer verbunden.

Als die Welt nun von Nammu geschaffen und die Göttinnen und Götter geboren wurden, hatte jede Gottheit eine Aufgabe bei der Erhaltung des Landes. Besonders die Bewässerung war wichtig, und so wirkten einige Götter als Korbträger, andere als ihre Aufseher. Die harte Arbeit führte aber sehr bald zu Klagen. Nach sumerischen Mythos stöhnten die göttlichen Wesen ob der Last ihrer zahlreichen Aufgaben.

Wesen aus Lehm

Nammu beriet sich mit ihren Sohn, dem weisen Enki. Bis zu dieser Beratung mit seiner Mutter hatte er geschlafen und war daher nicht wirklich an den göttlichen Aufgaben aktiv beteiligt. Er inspirierte seine Mutter dazu, zur Unterstützung der Göttinnen und Göttern aus Lehm Wesen zu formen.
Diesen Lehm mischte sie aus dem Wasser des „Süßwasserozean“ Anzu (dem lebenspendenden, lebenerhaltenden Süßwasser unter der Erde) und aus dem feuchtweichen Boden Mesopotamiens. So schuf nach dem sumerischen Mythos Nammu mit Hilfe von acht Göttinnen, darunter Beletilii, Nintu, Ninmah, Dingirmah, Mami und Aruru die Menschen.

Doch damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Es gibt drei verschiedene Versionen, wie der Mythos weitergeht: Eine dieser Göttinnen – die mächtigste von ihnen – die Muttergöttin Ninmah, fühlt sich zurückgesetzt und in ihrer Ehre gekränkt. Sie will selbst ihre schöpferischen Fähigkeiten beweisen. Doch tut sie dies, blind vor Zorn, auf eine unheilvolle Weise. Sie weiß, dass die Schöpfung von Nammu zwar nicht mehr vernichten ist, wohl aber mit einem Makel versehen werden kann. Sie formte daher aus aus dem übrigen Lehm sieben Menschen, die mit körperlichen Gebrechen und Anomalien versehen waren. Diese sollten die Schönheit der Menschenwelt zerstören.

Der wahnwitzige Wettbewerb im Bierrausch

In einer anderen Version feierten die Göttinnen und Götter ein Fest, in dem sie feierten, dass sie nun hilfreiche Menschen haben. In dessen Verlauf tranken Enki und die Göttin Ninmah zu viel Bier. Sie begannen einen wahnwitzigen Wettbewerb: Abwechselnd schufen Enki und Ninmah die sonderbarsten Wesen. Die jeweils andere Gottheit musste diesen armen Kreaturen ein passendes Schicksal, eine Funktion oder eine geeignete soziale Rolle zuordnen.

Ninmah formte sechs Kreaturen, die alle körperliche Behinderungen hatten. Drei von ihnen litten an Fehlfunktionen der Genitalien. Enki bestimmte sie zu Priestern. Die anderen wurden Beamte. Eines der Wesen, die Enki geschaffen hatte, war völlig stimmlos, unfähig zu sitzen und zu laufen. Er konnte weder stehen noch essen. Ninmah wusste keine passende Aufgabe für dieses Geschöpf und verlor den Wettstreit.

Acht geheimnisvolle Pflanzen als Folgen einer Vergewaltigung

In einer weiteren Version war die Schlangengöttin Ninhursanga die Frau von Enki. Dieser schwängerte nicht nur seine Frau sondern auch seine Tochter Ninmu und Enkeltochter Ninkurra. Die Urenkelin Uttu widersetzt sich endlich – durch ihre Urgroßmutter Ninhursanga gewarnt — der „Familientradition“ eine weitere „Fruchtbarkeitsgöttin“ Enkis zu werden.

Dieser vergewaltigt darauf hin Uttu. Die wütende Ninhursanga sprach daraufhin einen geheimen Zauber, so dass aus dieser Vergewaltigung Uttu acht geheimnisvolle Pflanzen zur Welt bringt. Pflanzen, wie die die Welt noch nie gesehen hatte. Enki, neugierig auf die Früchte seiner Samen, verspeist seine Nachkommenschaft so schnell, wie sie zur Welt kamen. Ninhursanga konnte ihnen nicht einmal einen Namen geben. Zutiefst geschockt über diese Tat spricht sie über Enki einen Fluch aus Sie ließ Enki an acht Körperstellen erkranken und er wurde seiner Schöpfungskraft beraubt.

Dadurch scheint die Ordnung des Kosmos gefährdet. Ninhursanga heilte Enki darauf hin aber nicht direkt sondern erschuf acht winzige Göttinnen, die den Zustand der betroffenen Körperteile von Enki überwachen sollten und die Macht hatten, diese zu heilen, wenn sie es wollten. So entstanden Erd- und VegetationsgöttInnen, die nicht nur Enki von seinen Leiden befreiten, sondern auch das Land mit Segen und Fruchtbarkeit beschenkten.

Krankheit und Gebrechen kamen auf die Welt

Wie dem auch immer war, Enki musste dafür gerade stehen, dass es nun auch Krankheit und Gebrechen auf der Welt gab. Er fügte dies in seine Weltordnung als Vollendung vollkommenen menschlichen Lebens ein und schuf den umu’ul , den „schönen Greis“.

Nun galt es, die ungleich gewordenen Chancen des Lebens gerecht auf die Menschen zu verteilen. Dieser Aufgabe nahm sich die Göttin Nammu an. Sie wurde damit auch die Göttin über die Schicksalsbestimmung Nammu ist uralt und ewig jung.

Sie tanzt nach wie vor als Göttin des gesamten Universums ihren göttlichen Tanz. Da Nammu die Göttin des Uranfangs ist, wird sie um Unterstützung gebeten, wenn ein Anfang gut gelingen soll. Nammu findet sich auch in einer Urmutter Ägyptens und Indiens mit dem Namen Ma-Nu, diese stellt die Tiefe dar, welche vor der Schöpfung bestand.

auch: Nar-Marratu

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