Ninhursanga – Muttergöttin und eine der sieben großen Gottheiten im sumerisch-assyrisch-babylonisch-mesopotanischen Raum

Ninhursanga trägt die Beinamen „Mutter aller Gottheiten“, „Mutter aller Kinder“ sowie „Gebieterin des Gebirges“. Sie schuf aus Lehm und ihrem „Blut des Lebens“ die ersten menschlichen Wesen.

Die Menschenschöpferin

Ninhursanga trägt die Beinamen „Mutter aller Gottheiten“,  „Mutter aller Kinder“ sowie „Gebieterin des Gebirges“. Sie schuf aus Lehm und ihrem „Blut des Lebens“ die ersten menschlichen Wesen.

Diesen besonderen Zauber der Menschenschaffung aus Lehm hat ihr später der biblische Gott nachgemacht, ihm fehlte dazu allerdings das Menstruationsblut. Daher ist anzunehmen, dass bei der biblischen Schöpfungsgeschichte, die über die Schaffung der Menschen berichtet, eine Göttin im Spiel war (siehe auch Adamu).

Manchmal erscheint Ninhursanga als heilige Kuh. Mit ihrer heiligen Milch wurden viele mesopotanische Könige genährt. Ihre Qualifikation für den Thron schlossen sie aus der Tatsache, dass sie mit der „heiligen Milch von Ninhursanga“ genährt wurden. Zahlreiche altmesopotamische Herrscher – wie Hammurabi und Nebukadnezar gaben Ninhursanga daher als ihre Mutter an.

Häutungen, Übergänge, Wiedergeburt

Als Schlangengöttin steht Ninhursanga für Häutungen, Übergänge von einer Lebensphase in eine andere, Geburt und Wiedergeburt. Darüber hinaus ist sie die Göttin der wilden Tiere, Pflanzen und der Fruchtbarkeit.

Eingedenk ihrer eigenen Schöpfungskraft soll dem Mythos nach Ninhursanga Frauen angewiesen haben, aus Lehm kleine Puppen zu formen und sie mit ihrem Menstruationsblut zu bestreichen — und dies als Mittel für den Empfängniszauber zu verwenden.

Die Geschichten erzählen von Ninhursanga folgendes: Die Schlangengöttin Ninhursanga lebte zusammen mit dem Weisheitsgott Enki in Dilmun, einer schönen, freundlichen Stadt, in der es kein Alter, keinen Tod und keine Krankheiten gab. Enki war ein Schwerenöter, wie er im Buche steht. Um die Gunst von Ninhursanga zu erreichen, lässt er aus einem bitteren Brunnen Süßwasser fließen, und wird somit zum Lebensspender.

Enki schwängert Ninhursanga, die nach neuntägiger Schwangerschaft, die Göttin Pflanzengöttin Ninmu gebiert. Von Ninmus Schönheit fasziniert schwängert Enki auch seine Tochter, so dass sie, nach erneut neuntägiger Schwangerschaft, seine Enkelin Ninkurra zur Welt bringt. Auch diese wird von Enki geschwängert und bringt nach abermals neuntägiger Schwangerschaft, seine Urenkelin Uttu zur Welt.

Ninmu und Ninkurra werden Fruchtbarkeitsgöttinnen. Uttu widersetzt sich endlich — durch ihre Urgroßmutter Ninhursanga gewarnt — der „Familientradition“ und zieht es vor, nicht eine weitere „Fruchtbarkeitsgöttin“ Enkis zu werden, sondern beschließt, die Göttin der Wäscherei und Weberei zu werden.

Das kann Enki allerdings nicht hinnehmen und er verschafft sich als Gärtner verkleidet und mit köstlichen Früchten bewaffnet, Zutritt zu Uttus Gemach und „nimmt“ sie sich gewaltsam zur Geliebten.

Der geheime Zauber der wütenden Göttin

Die wütende Ninhursanga sprach daraufhin einen geheimen Zauber, so dass aus dieser Vergewaltigung Uttu acht geheimnisvolle Pflanzen zur Welt bringt. Pflanzen, wie die die Welt noch nie gesehen hatte. Enki, neugierig auf die Früchte seiner Samen, verspeist seine Nachkommenschaft so schnell, wie sie zur Welt kamen.

Ninhursanga konnte ihnen nicht einmal einen Namen geben. Zutiefst geschockt über diese Tat spricht sie über Enki einen Fluch aus und verschwindet darauf hin. Besorgt über das Fehlen der obersten Muttergöttin, beauftragen die Gottheiten einen Fuchs Ninhursanga zu besänftigen und zum Zurückkehren zu bewegen. Als Ninhursanga zurückkehrt, findet sie Enki schwer vergiftet von den Pflanzen vor.

Er hat acht schwere Leiden und ist seiner Schöpferkraft beraubt. Dadurch scheint die Ordnung des Kosmos gefährdet. Sie ist die einzige, die ihn heilen kann, weigert sich aber, da sie befürchtet, dass er sein skandalöses Treiben von Neuem beginnen würde. Sie ging aber einen Kompromiss ein: Sie heilte ihn nicht direkt, sondern erschuf acht winzige Göttinnen (unter ihnen Ninti und Ninkasi), die den Zustand der betroffenen Körperteile von Enki überwachen sollten und die Macht hatten, diese zu heilen, wenn sie es wollten.

So entstanden Erd- und VegetationsgöttInnen, die nicht nur Enki von seinen Leiden befreiten, sondern auch das Land mit Segen und Fruchtbarkeit beschenkten. Nach einer anderen Version dieses Mythos heilte Ninhursanga Enki schließlich selbst, indem sie ihn in ihre Vagina aufnahm aus der er gesund und geläutert wiedergeboren wurde.

Die Göttin Ninhursanga hat für Frauen viel Verständnis, die mit ihren Männern ähnliches erleben. Sie schenkt ihnen den Mut und die Entschlusskraft, die Konsequenzen zu ziehen, diese Männer zu bestrafen, anzuzeigen, zu verlassen, ihr Treiben zu unterbinden sowie die listenreiches Handeln, um sich und ihre Kinder zu schützen.

auch: Nin-Hur-Sanga, Ninchursag, Nin-Hursag, Nin-gur-sag, Nintur, Ninmakh, Nirsikil, Nintu und Damgalnunna

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