Nirriti – Göttin der Zerstörung und des Leids sowie Todesgöttin in der indisch-hinduistisch-vedischen Mythologie

Nirriti ist nicht nur der Name einer Göttin, sondern im Vedischen generell der Begriff für Zerstörung, Übel und Auflösung. Sie ist die Personifikation für Vernichtung und Verderben.

Wurzel allen Übels

Nirriti ist nicht nur der Name einer Göttin, sondern im Vedischen generell der Begriff für Zerstörung, Übel und Auflösung. Sie ist die Personifikation für Vernichtung und Verderben.

Ihr Name setzt sich zusammen aus „nir“ für Wurzel und „ri“ für auflösen, zersetzen. Wenn man so will, wird sie als die Wurzel allen Übels angesehen. Von ihr soll alles Unglück ausgehen. Sie bedroht damit Lebende und Tote und ist an trostlosen Plätzen anzutreffen, wo sie nach Menschen Ausschau hält, die hungrig oder traurig sind oder denen es auf eine andere Weise sehr schlecht geht.

Ihr Wohnort soll in einem heiligen Feigenbaum sein. Sie trägt dunkle Kleidung und wirre Haare. Sie ist alt, ausgemergelt, aussätzig und hält ihre Hand immer nach Almosen ausgestreckt.

Erduldet alles Leid der Welt

Nirriti bringt aber nicht nur das Verderben, sie ist auch eine Göttin, die alles Leid der Welt erduldet. Damit wenden sich Menschen an sie, denen es ähnlich geht und die dies gerne verändern möchten. Sie nimmt, wenn sie diesen Armseligen gewogen ist, auch deren Leid auf sich. Ihr Lebensraum ist der Süden, der im Hinduismus als das Gebiet des Todes angesehen wird.

Im späten Hinduismus wird sie zu den Ashta-Dikpala (acht HimmelsrichtungshüterInnen) gezählt und verkörpert dort den Südwesten. Ihr sind auch Opferrituale gewidmet, in denen ihr die schwarze Farbe zugeordnet ist.

Einerseits versucht man zwar eher, sie von Ritualen fernzuhalten und weniger, sie dazu einzuladen. Quasi um sie abzulenken, werden ihr schwarze Körner oder Steine geopfert oder kranke und missgebildete Tiere.

Andererseits wird ihr geopfert, damit sie noch mehr Krankheit, Unglück und Elend auf ihre ohnehin schon schwer beladenen Schulter nimmt. Dazu werden schwarze Steine, in denen man sein ganzes Leid hineinlegt in Schalen oder kleinen Booten ins Wasser gesetzt und gegen Südwesten gestoßen.

Wenn diese tatsächlich bei ihr ankommen und sie sie annimmt – so der Glaube – ist der opfernde Mensch von seinem Leid erlöst. Ihre Boten sind Eule und Taube, letztere weist sie als eine jener Muttergöttinnen aus, die in Begleitung einer Taube geschildert werden (vgl. z.B. Aphrodite, Astarte oder Sophia).

Glück und Leid – wie Mutter und Tochter

Nirriti ist die Tochter der Glück bringenden Göttin Surabhi, ihre Schwester ist Lakshmi, die für Glückseligkeit, Reichtum und Überfluss steht. Mit diesen Verwandtschaftsverhältnissen wird offenbar veranschaulicht, wie nahe Glück und Leid zusammenliegen.

Allerdings hat sie auch einen Sohn namens Baya, der der Gott bzw. die Personifikation der Furcht und des Schreckens ist. Manchmal wird sie auch als die Frau von Adharma erwähnt. Dieser ist ein Teil von Dharma und zwar jener der Ungerechtigkeit oder des Unrecht, also jenes Handeln, das nicht mit dem Dharma übereinstimmt. Nirriti wird auch als ein Aspekt der Kali angesehen.

Im Laufe der Zeit wurden Nirriti neben ihren weiblichen auch immer mehr männliche Attribute gegen. Damit wird sie auch mit dem „dritten Geschlecht“ bzw. Transgender-Menschen in Verbindung gebracht.

auch: Nirrti

Kommentar verfassen