Die Schwestern gelten als mächtige Schöpferinnen aus der Urzeit. Von den Wawalag-Schwestern heißt es auch, dass sie das Land, also den gesamten australischen Kontinent kultivierten. Sie zogen durch die verschiedenen Landstriche, veredelten die Pflanzen zu Lebensmitteln und gaben ihnen die Namen. Durch sie entstanden auch Tiere und Menschen auf der Erde.

Die beiden Gestalterinnen

Dem Mythos nach hatte das australische Urgeschöpf die große Regenbogen-Schlange (deren Namen  entweder Kunapipi oder Djanngawul ist) zwei aseitätische Töchter. Das heißt, dass sie diese ganz aus sich (ohne männliches Zutun) hervorbrachte. Die Schwestern gelten als mächtige Schöpferinnen aus der Urzeit. Nachdem ihre Mutter alles, was es auf der Erde gibt, erschaffen hat, sollen ihre Töchter den gesamten Kosmos geboren haben.

Von den Wawalag-Schwestern heißt es auch, dass sie das Land, also den gesamten australischen Kontinent kultivierten. Sie zogen durch die verschiedenen Landstriche, veredelten die Pflanzen zu Lebensmitteln und gaben ihnen die Namen. Durch sie entstanden auch Tiere und Menschen auf der Erde.
Sie sind immer noch für die Fruchtbarkeit des Landes zuständig.

Auf Baumrinden- und Höhlenmalereien sind diese drei Frauengestalten immer wieder zu erkennen, wobei es meist eindeutig eine große Gestalt als Muttergöttin gibt und zwei kleinere, die sich aber voneinander auch durch ihre Größe unterscheiden. Sie werden entweder als Zwillinge oder als ältere und jüngere Schwester — Waimariwi, die Ältere und Boaliri, die Jüngere gedeutet.

Von Riesenschlange verschlungen

Eine der vielen Geschichten erzählt, dass die ältere Schwester ein Kind bekommen hat. Der Blutfluss während der Geburt (möglicherweise auch das Menstruationsblut) erweckte die Aufmerksamkeit der Riesenphyton, die in einem Wasserloch lebte.
Sie versuchten, den Geruch von Blut durch Waschen des Neugeborenen loszuwerden, aber es war zu spät, es war Nacht und die Schlange zeigte großes Interesse. Die beiden Schwestern fürchteten sich sehr und kauerten sich in einem Unterstand zusammen, während ein großes Unwetter niederging, das von der gefährlichen Schlange hervorgerufen wurde. In einer anderen Version der Geschichte waren die beiden Schwestern nicht alleine sondern mit ihnen waren schon viele Kinder und auch Hunde.
Um die Gefahr von Sturm und Schlange zu bannen, versuchten die Schwestern, abwechselnd zu tanzen und rituell zu rufen. Erst als sie die alten Gesänge für ihre Mutter Kunapipi anstimmten, legte sich der Sturm.


Dann waren sie müde und schliefen ein. Sie haben gedacht, die Schlange sei mit dem Sturm verschwunden, aber sie war da und wartete.
Sie steckte ihren Kopf in die Hütte, schluckte die Schwestern, ihre Kinder und ihre Hunde, und diese schliefen dann in ihren Magen.
Doch dann wurde die Schlange von einer Ameise gebissen und die Schlange spie sie alle wieder aus.

Neue Menschen nach der großen Flut

In den Mythen ist immer wieder von einer Riesenphyton die Rede oder von der Regenbogenschlange. Einmal heißt sie Julunggul, ein anderes Mal ist sie Kunapipi.
In den Versionen des Mythos, in den von Julunggul die Rede ist, wird dieser oft auch als männliche Gestalt dargestellt. Er war darüber verärgert, dass die Schwestern sein Wasserloch mit ihrem Menstruationsblut „verunreinigten“. Und schickte daher nicht nur Sturm sondern auch eine große Flut, die alles hinwegschwemmte. Das ist eines der zahlreichen „Sintflut-Mythen“, die es auf der Erde gibt.
Durch das Verschlingen, Verdauen und Ausspeien wurden die ersten BewohnerInnen der neuen Welt erschaffen und mit ihnen eine neue (eventuell patriarchale) Weltordnung.

In den weiblich erzählten Mythen müssen die Schwestern mit ihren Kindern — die ersten Menschen des australischen Kontinents — erst durch den Körper der göttlichen Mutterschlange gehen, von ihr verdaut werden, um dann im Leben bestehen zu können.

Das lässt auch auf Initiationsriten schließen, die im Zusammenhang mit der Regenbogenschlange Kunapipi bzw. Julunggul bekannt sind. Besonders in der Pubertät werden vor allem Knaben von der alten Göttin rituell gefressen, verdaut und wieder (als erwachsene Männer) ausgespiehen.

auch: Djanggawul-Schwestern, Wagilag, Wauwalak, Wagalik, Wawalik

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