Eingana ist die australische „Traumzeit-Schlange“. Als Urmutter schuf sie alle Tiere auf der Erde und im Wasser sowie die Menschen.

Die Menschen-Gebärerin

Eingana ist die australische „Traumzeit-Schlange“ — nicht zu verwechseln mit der Regenbogen-Schlange (Kunapipi bzw. Julunggul).

Als Urmutter schuf sie alle Tiere auf der Erde und im Wasser sowie die Menschen. Eingana war schwanger, mit allem Leben in jener Urzeit.

Eine interessante Version gibt es hier vom Beginn einer Schwangerschaft: Eingana verschlang alle bisher dagewesenen Wesen. In ihrem Schoß nahm sie diese mit sich in das Wasser. Als sie aus diesem wieder auftauchte, war hochschwanger mit allem Leben in ihr.
Doch Eingana hatte Schwierigkeiten, all diese Wesen zur Welt zu bringen konnte, denn sie hatte nämlich keine Körperöffnungen, die für eine Geburt geeignet gewesen waren.
Aus dem Wasser aufgetaucht, wälzte sich Eingana stöhnte auf dem Boden. Sie schrie laut vor Schmerz in ihren Wehen. Das hörte ein alter Mann, Barraiya, der lange Zeit über Land gewandert war. Barraiya schlich sich in ihre Nähe und sah, wie sich die Riesenschlange stöhnend und schreiend herumwälzte.
Barraiya legte seinen Speer in die Speerschleuder und schleuderte seinen Speer in ihren Unterleib. Darauf hin floss alles Blut aus der Speerwunde, und alle Menschen kamen nach dem Blut zum Vorschein.

Die „natürliche“ Geburtsöffnung

Bevor Barraiya seinen Speer in Eingana schleuderte, konnte kein Lebewesen auf normalem Wege geboren werden. Eingana mußte alles aus ihrem Mund speien. Auch die frühen Menschen, die Eingana in ihrem Leib mit in das Wasser nahm, mussten alles ausspeien. Kinder konnten nicht wie heute geboren werden.
Dieses Ausspeien kommt immer noch in vielen Mythen über Initiationsriten statt, siehe auch Kunapipi bzw. Julunggul.
Erst als Barraiya Eingana mit seinem Schwert ihren Leib geöffnet hatte, war eine Geburt, auf dem Weg, wie wir sie kennen, möglich.

Solange diese riesige Schlangen-Göttin noch lebt, so heißt es, wird sie unentwegt neue Wesen aus sich hervorbringen.
Niemand kann Eingana sehen. Sie hält sich nach ihrer großen Geburt immer noch in der Wassermitte auf. Dort ist ihre Höhle. In der Regenzeit, wenn das Hochwasser ansteigt, erhebt sich Eingana inmitten des Hochwassers. Von dort setzt sie immer noch alle Vögel, Schlangen, Tiere und auch alle Kinder der Menschen frei.
Bevor Menschen und Tiere von ihren Müttern geboren werden, entlässt sie Eingana aus ihrem Leib.

Sie hält zu allen Zeiten die Nabelschnüre aller Lebenwesen in Händen. Das andere Ende dieser Schnur ist an der großen Sehne über der Ferse eines jeden Lebewesens befestigt. Daher wird sie von allen Menschen Mutter genannt.
Zerschneidet sie eine Schnur, stirbt das Lebewesen. Sie waltet somit auch über Leben und Tod.
Das bedeutet aber auch, dass in dem Moment, in dem Eingana stirbt, alles Leben vergehen wird.

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