Atargatis – Syrische Ursprungs-, Vegetations- und Fruchtbarkeitsgöttin

Dem Mythos nach kam Atargatis vom Himmel in Gestalt eines Eies, das im Fluss Euphrat landete. Als sie die Schalen des Eies aufbrach und heraus stieg, war sie so schön, dass die Menschen vor Entzücken auf die Erde fielen.

Das Ur-Ei

Dem Mythos nach kam Atargatis vom Himmel in Gestalt eines Eies, das im Fluss Euphrat landete. Als sie die Schalen des Eies aufbrach und heraus stieg, war sie so schön, dass die Menschen vor Entzücken auf die Erde fielen.

Die „Göttliche Ata“ verkörpert den befruchtenden Geist des Wassers, der Leben hervorbringt und erhält. Das Ei steht für die Vollkommenheit der universellen Schöpfung, für den Ursprung des Lebens und für Lebensenergie.

Atargatis verkörpert verschiedene Aspekte: Sie ist Vegetations- und Fruchtbarkeitsgöttin gleichermaßen für Erde und Wasser. Sie versorgt die Menschen mit Getreide und Früchten, mit Fischen und Meeresfrüchten.

Als Himmels– bzw. Mondgöttin wird sie mit Astrologie, Weissagung und Schicksal in Verbindung gebracht. Sie erscheint in einem wolkengleichen Schleier gehüllt, das Haupt umgeben von Adlern. Als Göttin des Meeres wird sie in Gestalt eines gekrönten Delfins bzw. als Frau mit einem Fischschwanz (also als Nixe) dargestellt und verehrt. Damit ist sie die Urmutter aller Meerjungfrauen und Wassergöttinnen.

Besonders in Askalon wurde Atargatis unter dem Namen Derketo in halber Fischgestalt verehrt. Eigentlich ist sie mehr als eine Meeresgöttin, sie ist der Inbegriff der fruchtbringenden und lebensspendenden Feuchtigkeit, der Ursumpf sozusagen, aus dem alles Leben wächst. Atargatis beschützt die Mysterien des Lebens.
Sie steht daher auch für den Drang der Menschen nach mystischer Erfahrung, für ihre Sehnsucht nach Unergründlichem und Unermesslichem. Sie kennt alle Geheimnisse sowohl außerhalb menschlicher Sphären, als auch tief im Inneren.

Dea Syria – die syrische Muttergöttin

Atargatis gilt als die syrische Muttergöttin (Dea Syria), die in hellenistisch-römischer Zeit auch in Kleinasien, im Gebiet des heutigen Israels, der Türkei, Libanon, Ägypten, Rom und Griechenland verehrt wurde. Hauptkultort war Bambyke (Hierapolis) in Syrien. In Rom wurde eine Atargatis-Statue gefunden, die von einer Schlange umwunden ist, in deren sieben Windungen sieben Eier verborgen sind.

Ihre Verehrungsorte sind Haine an Flüssen. Möglicherweise ist der Name Atargatis eine Zusammenziehung von Astarte und Anath, deren Funktionen, vor allem als Fruchtbarkeitsgöttinnen sie an sich gezogen hat.

Ihr Thronsitz war von Löwen flankiert; Ähre und Mauerkrone waren ihre Attribute. Sie ist eine der unabhängigen jungfräulichen Göttinnen. Jungfräulich bedeutet bei weiblichen Gottheiten selten eine „Jungfräulichkeit“ im sexuellen Sinne sondern beschreibt viel mehr weibliche archetypische Figuren, die keinem Mann bzw. Gott angehören und ein freies, selbstständiges Leben führen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass ihr als jungfräuliche Göttin der Vegetationsgott Ichthys als Sohn und Liebhaber zugeschrieben wird.

Die legendäre Königin Semiramis, die Gründerin der Stadt Babylon, soll  die Tochter der Göttin Atargatis gewesen sein. Diese ließ sie der Legende nach von Tauben aufziehen, während sie sich in die göttliche Fischmutter verwandelte und von da an im Wasser lebt.

Als Ehrerbietung gegenüber Atargatis und Semiramis weigerten sich die SyrerInnen Fische und Tauben zu essen. Heil und ganz zu werden, in das Leben eingebunden zu sein, ganz selbstverständlich zu sein, dies ist das Anliegen, mit dem Frauen zu Atargatis kommen.

Mit ihrer Energie können Frauen jederzeit das Ur-Ei und dessen Geborgenheit spüren. Mit ihrer Hilfe schlüpfen Frauen aber auch aus ihrer Ei-Haut und werden zu strahlend schönen, tatkräftigen Frauen.
Sie verhilft zu guter Erdung und verkörpert gleichzeitig das Gefühl, sich „wie ein Fisch im Wasser“ zu fühlen.

auch: Derceto, Decketo,  Derketo, Atar-ata, Dea Syria (römisch), Tarkhu (hethitisch), Tirgata (syrisch)

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