Kandisha – Berbergöttin, nordmarokkanische Dämonin, Geistwesen, Nymphe bzw. Dschinnīya

Kandisha, auch Aisha Kandisha, ist eine alte Berbergöttin, die das Volk dafür rächt, dass es die alten Gottheiten vergessen und den Islam angenommen hat. Sie wird daher meist als bösartige Dämonin wahrgenommen.

Die ziegenbeinige erotisch-gefährliche Verführerin

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Kandisha, auch Aisha Kandisha, ist eine alte Berbergöttin, die das Volk dafür rächt, dass es die alten Gottheiten vergessen und den Islam angenommen hat. Sie wird daher meist als bösartige Dämonin wahrgenommen. Sie gilt als uralte Göttin oder Geistwesen und ist in ganz Marokko noch heute wohlbekannt und auch gefürchtet. Es heißt, dass sie ganz Nordafrika verflucht hat, weil die Menschen hier ihren alten Glauben verraten haben. Aus diesem Grund rächt sie sich, indem sie Männer ermordet und ganze Familien in den Wahnsinn treibt.

Ursprünlich ist Kandisha eine Figur aus der maghrebinischen Folklore. Sie gilt als Dschinnīya, in der islamischen Vorstellung ein Geistwesen, das aus „rauchlosem Feuer“ erschaffen ist. Sie soll ihre Wohnstätten in der Nähe von Wasserläufen und Feuchtgebieten haben, daher der Name Aïcha Molat el-Marja („Aïcha [die Herrin] der Sümpfe“). In manchen Volkskulten wird sie als wohlwollende Dschinn-Marabout unter dem Namen Lalla Aïcha ( arabisch : لالة عيشة ) dargestellt.

Ihre Herkunft variiert je nach Version aus der berberischen, portugiesischen oder sudanesischen Kultur. Der marokkanischen Version zufolge stammte sie aus El Jadida, einer Küstenstadt in Marokko, 96 km südwestlich von Casablanca,

Ihr Spitzname Kandisha könnte vom portugiesischen condessa („Gräfin“) (kandisha oder kadissa auf Arabisch قديسة) oder vom hebräischen qadesha (bezogen auf heilige Prostituierte) stammen. Aïcha Kandisha könnte auch kanaanäischen Ursprungs sein und wurde möglicherweise mit Astarte, der Göttin der Fruchtbarkeit, in Verbindung gebracht.

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Getränkt mit vielerlei „Säften“

Von Kandisha sagt man, sie hätte ein wunderschönes Gesicht, üppige Brüste und lange Beine.
Sie gilt als lüstern und verführt gerne jüngere Männer. An der nordmarokkanischen Küste wird immer wieder eine Geist-Frau gesehen.

Es wird gesagt, dass jeder Marokkaner (hier bewusst in männlicher Form) mindestens einmal mir ihr Kontakt gehabt hat — auf die eine oder andere Weise. Sie ist nicht wirklich eine Göttin, obwohl viele Männer von ihr berichten, dass es nichts Göttlicheres gibt als das Zusammensein mit ihr.

Gewöhnlich erscheint sie nachts, um Männer zu verführen und sie dann in Seen oder im Meer zu ertränken. Man erkennt sie an ihren Ziegenbeinen, die sie jedoch stets verhüllt und nur jenen zeigt, die nicht morden wollen. Die Ziegenbeine sind ein typisches Merkmal der Berbergöttinnen und -götter.

Ihr Name bedeutet übersetzt in etwa „die es liebt, getränkt zu werden“. Damit ist nicht nur Wasser und köstliche Säfte sondern vor allem auch männliches Ejakulat gemeint.
Ihr berauschend schönes Gesicht, ihr Körper mit üppigen Brüsten und verführerischen Hüften, ihre langen Beine (die manchmal auch als Ziegenbeine erkannt werden) raubt offenbar jedem Mann die Sinne.

Deswegen haben viele — auch wenn sie sich von ihr hingezogen fühlen, auch Angst vor ihr.
Gilt sie doch als gierige Zauberin, die von erotischen Abenteuern mit sterblichen Männern nicht genug kriegen kann.

35.000 Marokkaner als Ehemänner der Kandisha

Die Geschichten um Kandisha sind Legion, sie ist äußerst vielgestaltig. Einem Bericht zufolge sollen vor etwa 25 Jahren 35.000 Männer in Marokko mit ihr verheiratet gewesen sein. Viele Insassen der psychiatrischen Klinik Ber Rechid behaupten, dass sie Kandisha geheiratet haben.

Sie scheint viele an den Rande des Wahnsinns gebracht haben. Viele Männer wirken nach einer Zusammenkunft mit Kandisha wie gelähmt, sie behaupten, das Blut wäre ihnen zu Eis gefroren.
Allein dadurch, dass ein Mann sie erblickt — so die Legende — bedeutet, dass man mit ihr verheiratet ist. Viele Männer fangen dann an, sich sehr fremdartig und seltsam zu verhalten. Andere Männer, die von ihrem Liebeszauber gehört haben, wandern an Bächen und Flussufern entlang, in der Hoffnung, sie zu sehen oder wenigstens ihre Stimme zu hören. Die beste Chance hat man bei Sonnenauf- bzw. -untergang.

Allerdings kann das Antlitz von Kandisha mit dem Hintergrund des Meeres oder anderer Gewässer so verschwimmen, dass man sie oft nicht genau zu sehen, sondern nur eine Ahnung von ihr bekommt.

Um dem Bann der Kandisha wieder zu entkommen, sollen allein ausführliche und sehr komplizierte Trance-Zeremonien helfen. Diese Heilungs-Rituale haben sehr lange Tradition und „behandeln“ die Männern mit heißen Rhythmen, rasenden Tänzen bzw. auch mit Selbstgeißelung .

Ein wenig Kandisha in jeder Frau

Für Frauen ist die Energie von Kandisha oft gleichermaßen anziehend wie fremd bzw. befremdlich. Doch es gibt keine Frau, die nicht einen kleinen Anteil von jeder Göttin dieser Erde in sich trägt.
Gerade Frauen, die sich ihrer erotischen Anziehungskraft nicht sicher sind oder die Probleme mit ihrer Lust, ihrer „Saftigkeit“ oder mit ihrer selbstbestimmten Sexualität haben, kann Kandisha neue, unerwartete, erquickliche Lebenswelten öffnen.
Es lohnt sich, mit der Kandisha-Energie zu spielen und zu experimentieren.

auch: Aisha Kandisha, Aïcha Kandisha, Aïcha Quendicha, Aïcha Qondicha, Aïcha die Condessa, Lalla Aïcha, Aicha Al Hamdouchia, Aïcha al-Dghoughiya, Aïcha el-Soudaniyya, Aïcha l’gnaouia, Aïcha Hasnawiya, Aïcha Molat el-Marja, Harrouda, Qandisa, Qandisha

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