Astarte – Syrisch-phönikische-westsemitische Vegetations- und Sternengöttin

Astarte ist sehr vielfältig: Sie ist die Göttin der Liebe und der Fruchtbarkeit, der gesamten Vegetation, Morgen- und Abendstern. Sie ist die eine der ältesten Formen der Großen Göttin im Nahen Osten.

Allumfassende weibliche Macht

Astarte

Astarte ist sehr vielfältig: Sie ist die Göttin der Liebe und der Fruchtbarkeit, der gesamten Vegetation, Morgen- und Abendstern. Sie wird einfach auch nur als „die Üppige“ oder die „Prächtige“ bezeichnet.

Sie ist eine der ältesten Formen der Großen Göttin im Nahen Osten. Astarte ist Erdgöttin, Mondgöttin und Himmelskönigin zugleich und damit allumfassende weibliche Macht.

Sie personifiziert die lebendige, fruchtbare Erde, die produktive Kraft der Natur und damit das Urbild der Entstehung des Lebens in seinen drei Gestalten als Pflanze, Tier und Mensch. Sie ist als Fruchtbarkeits- und Erdgöttin zugleich Mondgöttin. Das sind keine voneinander unabhängigen Eigenschaften, da die Fruchtbarkeit der Felder wesentlich vom nächtlichen Tau abhängt und der Glaube verbreitet war, der Mond bestimme den Regen.

Geburt, Tod und Wiedergeburt

Sie ist eine der aufbauenden und zerstörenden Göttinnen, deren Kult den Ablauf der Jahreszeiten widerspiegelt. Sie ist die „wahre Gebieterin der Welt“, die unermüdlich erschafft und zerstört, das Alte vernichtet und das Neue hervorbringt, die Göttin von Geburt, Tod und Wiedergeburt.

Nach dem Winter oder einer Dürrezeit kehrt die Muttergottheit auf die Erde zurück und vermählt sich mit dem Himmelskönig. Alles schreitet zur Paarung, Natur und Menschheit wird sinnlich und fruchtbar und als Folge der Heiligen Hochzeit sprießt das frische Grün. Der Name Astarte wird auch mit „Schoß“ oder „Gebieterin des Schoßes“ übersetzt.

Im Alten Testament erscheint sie als Astoreth, die von König Salomon verehrt wurde und der ihr bei Jerusalem sogar ein Heiligtum errichtete (1. Könige 11, 5 und 2. Buch der Könige 23,13). Christliche Autoren, die davon ausgingen, dass jede Gottheit in der Bibel, die nicht Jaweh ist, ein Bewohner der Hölle sein muss, haben sie daher verteufelt und ihren Namen bewusst falsch übersetzt, sodass er so viel wie „schändliches Ding“ bedeutet.

Damit spiegelt sich auch die hebräisch-patriarchale Gesinnung wider, die die freizügige Sexualität als Lebensquell und überhaupt den Schoß einer Frau bzw. Göttin nicht als Lebens spendend sondern als schändlich bewertet.

Die weibliche Urkraft der Göttin war sogar so unheimlich, dass sie maskulinisiert wurde. Aus der Naturgöttin Astarte leitet sich der Dämon Astarot oder Ashtoret als Fürst der Hölle ab, wie ihn besonders christliche Dämonologen des Mittelalters mit großer Inbrunst beschrieben.

Die „Vorlage“ für Maria

Jene, die das große Mysterium der Astarte wirklich verstanden haben, erkennen allerdings in ihr den Prototyp der Jungfrau Maria. Heilige Dramen, die in Syrien und Ägypten aufgeführt wurden, feierten jeweils am 25. Dezember die Wiedergeburt des Sonnengottes durch die Himmelskönigin.

Damit ist Astarte eine der großen orientalischen Gottheiten, die vom Christentum übernommen wurden. Viele Darstellungen der Jungfrau Maria ähneln Astarte – wir kennen Maria mit einem Sternenkranz um ihren Kopf, stehend in einer Mondsichel, in blaues Gewand als Zeichen des Himmels gehüllt. Astarte wird zumeist mit Mondsichelhörnern (Kuhgehörn und Sonnenscheibe bzw. Vollmond) umringt von Sternen und oft als Mutter des „göttlichen Kindes“ mit dem Kind auf dem Arm dargestellt.

Astarte erscheint oft auch halb schwarz – halb weiß, was auf ihre Aspekte als Göttin des Himmels und der Unterwelt hinweist. Auch das Christentum kennt dieses Phänomen in Gestalt der lichten Maria und der schwarzen Madonna. Darüber hinaus sind ihre Farben rot und weiß.

Ihr zu Ehren bringt der Akazienbaum Blüten in diesen Farben hervor, weshalb sie ihn zu ihrem vegetativen Symbol ernannte.

Sterne und Lichtkörper

Astarte gebietet über die Sterne, die wiederum Einfluss auf die Geschehnisse auf der Erde haben. Sie regiert die Geister der Verstorbenen, die Lichtkörper haben und im Himmel wohnen. Von der Erde aus sind sie als Sterne sichtbar.

Sie ist die Mutter aller Seelen im Himmel, als Mondgöttin ist sie von ihren Sternenkindern umgeben, denen sie ihre astralen Körper verliehen hat. Durch ihr Symbol, den Morgenstern, ist Astarte auch eine Kriegsgöttin, die sich in Flammen gekleidet und mit Schwer und zwei Köchern voller Pfelle in den Kampf stürzt.

Als Abendstern hingegen ist sie die Göttin des Verlangens und der sinnlichen Liebe. Der Stern der Astarte wird oft innerhalb eines Kreises, der den Vollmond repräsentiert, dargestellt. Nach Astarte wurde auch ein 1908 entdeckter Asteroid des Hauptgürtels benannt. Natürlich stammen auch die Wissenschaften Astronomie und Astrologie von ihr.

Ein Zeichen der Astarte ist die Urform des Caduceus, ein Stab, an dessen Ende ein Kreis und auf diesen wieder ein oben offener Halbkreis gesetzt ist. Der Kreis stellt den Vollmond, der Halbkreis den Halbmond dar.

Oft hält sie auch in einer Hand ein Ährenbündel, als Zeichen der Fruchtbarkeit und in der anderen Hand Schlangen, die durch ihre Gabe des Häutens auf das Werden und Vergehen hinweisen.

Ihre heiligen Tiere sind auch Hengste, die sie reitet, die Löwin (sie wird auch immer wieder mit einem Löwinnen-Kopf dargestellt, um ihre tapfere und begehrliche Natur zum Ausdruck zu bringen) sowie Tauben. Diese lassen auf Astarte als Urgottheit schließen, auf ihre Funktion als „Heiliger Geist“, was sie mit der Göttin Sophia verbindet.

Sie liebt die ersten Früchte, die Erstgeborenen und unblutige Opfer.

Astarte entspricht der assyrisch-babylonischen-akkadischen Ischtar, der ugaritischen Attart, der moabitischen Ashtar(t) und dem arabischen Attar. Im Hellenismus wird sie mit Aphrodite gleichgesetzt, in der ägyptischen Mythologie erscheint sie als Hathor, in der mykenischen als Demeter, sie hat auch Wesenzüge der zypriotischen Aphrodite .

In der Bibel wird sie als Ashtoret bezeichnet. Sie wird auch mit Lilith, der ersten Frau der jüdischen Mythologie gleichgesetzt.

Die ÄgypterInnen scheinen während der 18. Dynastie durch die enge Berührung mit den palästinensischen und syrischen Städten Astarte kennen gelernt zu haben. Sie fand zunächst als Kriegsgöttin, die den König schützt, Eingang ins ägyptische Pantheon.

Sie ist die Gebieterin der Pferde und (Streit-)Wagen. Astarte wird daher oft als nackte Frau zu Pferd, gelegentlich auch auf einem Raubtier stehend, dargestellt.

auch: Astoreth, Ashtarat, Aschtoret (hebräisch), Attar (aramäisch)

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