Kurukulla – Buddhistisch-tibetische Göttin der Kraft, der Weisheit, der Nicht-Dualität sowie der Magie und Zauberei

Kurukulla ist ein weiblicher, friedvoller bis halb-zornvoller Yidam des tibetischen Buddhismus (Yidam bedeutet Meditationsgottheit). Sie ist die weibliche Verkörperung erleuchteter Weisheit.

Harscher Tonfall

Kurukulla ist ein weiblicher, friedvoller bis halb-zornvoller Yidam des tibetischen Buddhismus (Yidam bedeutet Meditationsgottheit). Sie ist die weibliche Verkörperung erleuchteter Weisheit.

Dargestellt wird sie zumeist als eine energisch tanzende Göttin mit rotem Körper, die mit einer Krone (oft aus Totenschädeln), Knochen und Juwelen geschmückt ist. Sie hat ein Weisheitsauge auf der Stirn, flammenartig hochstehende Haare und oft schaut sie recht grimmig drein.

In der Mitte ihrer Krone befindet sich manchmal auch eine Schriftrolle.
Zwei ihrer vier Arme halten einen aus Utpala-Blumen gemachten Pfeil und Bogen, die anderen beiden halten eine Fangschlinge aus Blüten und einen Haken und manchmal auch eine Gebetskette (Mala).

Sie trägt einen Lendenschurz aus Tigerfell, umgeben ist sie von Feuer, das Weisheit symbolisiert. Ihre rote Hautfarbe weist sie einerseits als Gebieterin der roten (magnetisierend-kontrollierenden) Aktivität aus. Andererseits bedeutet das kräftige Rot auch die Fähigkeit zur Liebe — sexuell wie spirituell.

Göttin des harschen Tons

Ihr Name bedeutet übersetzt: „diejenige, die die Ursache für Wissen darstellt“. Mit Kuru ist aber auch „harscher Ton“ und mit Kulla ist „Familie“gemeint. Kuru-Kulla bedeutet daher also auch „aus der Familie des harschen Tons“. Die Bedeutung von „harschem Ton“ bezieht sich offenbar darauf, dass sie nicht diplomatisch-schmeichelnd auftritt, sondern unverblümt sagt, was Sache ist  und das in allen Lebenslagen und unabhängig davon, wer ihr Gegenüber ist. Man sagt von Kurukulla, dass sie die Meisterin der „nicht-dualen Lüsternheit“ ist.

Ihre Lust kommt also ganz ursprünglich aus ihr heraus und ist nicht abhängig von anderen. Sie bezieht sich daher in ihrer ganzen Ausdrucksweise auf ihre innersten Gefühle, die sie in die Welt trägt.

Daher bedeutet ihr harscher Tonfall auch nicht Mangel an Wertschätzung, sie lehnt vielmehr jegliche anbiedernde Kommunikation als duale Ungehörigkeit und Falschheit ab. Man kann also im Umgang mit ihr vollkommen sicher sein, dass sie immer ehrlich ist, obgleich das natürlich ungefiltert und schonungslos rüberkommt. Harsch ist ihr Ton lediglich in den Ohren jener, die ob ihrer eigenen Existenz schüchtern, unsicher und ängstlich sind.

Liebe und Leidenschaft als Mittel zu Erleuchtung

Kurukulla tanzt im Dakinitanz und zertritt dabei den Asura Rahu (Der, der die Sonne verschlingt).

Nach der vedischen Astrologie ist Rahu der Kopf eines Schlangendämons und wird in diesem Zusammenhang als Symbol für Ignoranz verstanden. Ihr rechtes Bein ist im Tanz nach oben gezogen. Gelegentlich wird Kurukulla auch mit acht Armen gezeigt. Auf Mandalas sieht man sie häufig auch als friedvolle Erscheinung, umgeben von acht weiblichen und vier zornvollen Gottheiten. Kurukulla setzt Liebe und Leidenschaft als Mittel zu Erleuchtung ein und repräsentiert daher auch die Liebesmacht der Göttin Tara.

Sie wird mitunter auch mit der Roten Tara gleichgesetzt, obwohl sie sich in einigen Merkmalen doch sehr von ihr unterscheidet.

Kurukulla wird auch als die tibetische Form der Kali angesehen, die Tod in Leben, Wut in Glückseligkeit transformieren kann. Mythen sprechen für die Fähigkeit Kurukullas, alle Wesen verzaubern zu können, auf magische Art widerspenstige Gegner zu befrieden und sie auf ihre Seite — jener der Ehrlichkeit und inneren Wahrheit – zu ziehen. Dies — und nicht irgendein Hokuspokus — scheint auch der ursprüngliche Kern ihres Zaubers zu sein.

Dieser Frieden schaffende Aspekt der Kurukulla macht sie auch zur Göttin der Liebe.

Der Zauber der nicht-dualistischen Lust

Volkstümlich heißt es daher auch, sie unterstütze unglücklich Verliebte. Genauer betrachtet bezieht sich aber ihre Aktivität auf die Umwandlung zwanghaften Verlangens. Sie transformiert dualistisches Begehren, also das Verlangen, das auf jemanden anderen gerichtet ist, in nicht-dualistische Lust, in die Freude über die eigene Sinnlichkeit und Lebensenergie.

Wenn diese Umwandlung gelingt, wenn Menschen sich in dieser nicht-dualen Freude entspannen können, dann werden sie für andere natürlich besonders anziehend. Das ist allerdings keinesfalls ein Trick, das würde sich Kurukulla mit ihrem harschen ehrlichen Ton aufs Strengste verbieten. Das ist eine grundsätzliche Lebenseinstellung ohne Hintergedanken.

Energie und Kraft durch Kurukulla-Mediation

Da sie eine buddhistische Yidam, also eine Meditationsgottheit ist, steht Kurukulla im Zentrum von auf sie gerichteten Meditationen. Die kontemplative Konzentration auf diese Göttin soll Energie und Kraft steigern. Für Kurukulla-Mediationen sind im Buddhismus keine besonderen Einweihungen notwendig.

Der Wunsch nach Frieden mit realen Menschen oder Lebenssituationen, die Sehnsucht nach einer Ausrichtung auf das eigenste Innere, nach Nicht-Dualität und Wahrheit reichen, um mit ihr und ihrer Energie in Schwingung zu kommen.

In der tibetisch-buddhistischen Tradition ist sie vor allem deshalb so beliebt, weil sie wie ein Magnet Umstände anzieht, die Weisheit, Glück, ausgezeichnete Gesundheit, Reichtum und langes Leben vermehren.

auch: Kuru-Kulla, Kurukulli, ku ru ku le, Uddiyana Kurukulla, Rigdjema, rig byed ma, Ri Jèdma

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