In den slawischen Ländern gilt die Erde als heilig und sie wird in der Göttin Mati als Erdmutter verehrt. Ein besonderer Stichtag ist der 25. März.

Die lebensspendene große Kraft

mati5In den slawischen Ländern gilt die Erde als heilig und sie wird in der Göttin Mati als Erdmutter verehrt.
Ein besonderer Stichtag ist der 25. März. Bis dahin gilt die Erdmutter als schwanger und braucht Ruhe.
Als schwere Sünde galt, vor dem 25. März die Erde durch Pflügen zu „malträtierten“.

Der 25. (manchenorts auch der 26.) März wurde früher als besonderer Tag zelebriert. Ein Brauch, der sich in vielen slawischen Traditionen bis heute gehalten hat.
Bäuerinnen und Bauern gehen wieder aufs Feld, um ihre Arbeit aufzunehmen, zu pflügen und zu säen. Erst jetzt ist die Erde bereit, wieder die Saat aufzunehmen.
Dabei gibt es allerlei Orakelbräuche: So grub man ein Loch in die Erde und hielt das Ohr daran. Auf diese Weise soll man den Prophezeiungen von Mati, der Erdmutter für die kommende Ernte lauschen können. Hört man in dem Loch einen vollen Schlitten, dann bedeutet das eine gute Ernte. Das Geräusch eines leeren, klappernden Schlitten bedeutete hingegen Hunger, Not und Tod.

Die Verkündigung

Die katholische Kirche versuchte diesen Tag – wie auch viele andere – für sich zu besetzen und damit die Ehrung der alten Erdmutter zu verdrängen. Um eine alte Muttergöttin zu ersetzen eignet sich eine jüngere weibliche Figur, die an deren Stelle tritt.
In den meisten Fällen ist das Maria. Der 25. März liegt exakt neun Monate vor dem 25. Dezember und damit war es klar, was hier gefeiert werden kann. Da die Zeugung von Marias Sohn Jesus ja ein Mysterium ist, wird im katholischen Kontext das Fest „Mariä Verkündigung“ gefeiert.
Mariä Verkündigung nennt man jene Begebenheit in der Bibel, als Maria die Geburt ihres Sohnes Jesus Christus durch den Engel Gabriel verkündigt wurde und sie ihr Einverständnis gab.
Der Urgrund der beiden Feste ist an sich der gleiche – die fruchtbare göttliche Mutter (Mati sowie Maria) nimmt Samen bzw. die Saat in sich auf und damit geht das Leben weiter.

Erde in sich aufnehmen

Gebete und Anrufungen, die an Mati gerichtet sind, werden oft in der Weise durchgeführt, dass man eine kleine Grube in die Erde gräbt und in diese hineinspricht. So wird direkt Kontakt mit der Erdmutter aufgenommen.
Die Göttin Mati gilt als große Quelle von Macht und Stärke für ihr Volk. Sie ist immer fruchtbar, die lebensspendene große Kraft.

Ihr zu Ehren essen die Menschen nicht nur die Früchte der Erde, sondern auch wirklich einen Bissen Erde um die Kraft der Erdgöttin ganz in sich aufzunehmen.
Bei Hochzeit ist es üblich, dass das Brautpaar jeweils einen Löffel voll Erde verschluckt. Dies um den Segen der großen Göttin zu bekommen und damit die Beziehung fruchtbar wie die Erde werden möge, erdig und bodenständig.
Auch bei Eiden war das Zutun der Erdgöttin wichtig. Als Zeichen eines Schwurs legte man sich einen Tonklumpen auf den Kopf.

Von Mati wird gesagt, dass sie, wenn sie darum gebeten wird, Streitigkeiten beilegt. Außerdem wird sie als Schutz gegen Krankheiten, speziell auch bei Epidemien angerufen. Auch bei Geburten soll sie den Frauen beistehen.

Sie wird an wichtigen Stationen des bäuerlichen Jahrs angerufen und um ihr Wohlwollen und ihren Schutz gebeten. So ist es Erntezeit in einigen Gegenden Brauch, bei Tagesanbruch die Erde mit Hanföl zu begießen und sich dann in alle Himmelsrichtungen zu verneigen und den Namen der Göttin zu rufen.

Abgebildet in der „Urmutter von Dolni Vestonice“?

Mati ist möglicherweise eine der ältesten Göttinnen der Geschichte. Ihre Wurzeln gehen in Zeiten lange vor unserer Geschichtsschreibung zurück. Ihr Ursprung soll vor 30.000 Jahren in der Landschaft rund um den Fluss Don liegen, der 1870 km langer Zufluss des Asowschen Meeres im Südwesten des europäischen Teils von Russland.
Von dort breitete sich Mati als Erdmutter-Göttin im gesamten slawischen Raum in unterschiedlichen Ausprägungen aus.
Über Mati ist nicht viel aufgeschrieben worden, aber möglicherweise bekam sie vor 26 000 Jahren einen künstlerischen Ausdruck:
Es gibt Vermutungen, dass die bekannte Statuette der Urmutter von Dolni Vestonice, die in Mähren gefunden wurde, die alte Erdgöttin darstellt.
Die Statuette aus dem Jungpaläolithikum zeigt eine „feuchte Mutter Erde“, so wird Mati auch genannt: Mati Syra Zemla.
Es gibt sehr viele ähnliche Statuetten aus dieser Zeit, wie z.B. auch die Willendorferin.

Augen als Quelle des lebenserhaltenden Wassers

Auffallend an dieser mährischen Figur sind jedoch die Flüsse, die sich aus ihren Augen ergießen und die wie eine göttliche Quelle über ihren Körper fließt. Auch andere Funde zeigen, dass die Vorstellung der göttlichen Augenflüssigkeit bis ins Neolithikum ungebrochen fortbestand.
Die Augen der Göttin sind die Quelle des lebenserhaltenden Wassers, sie nährt damit den Boden, aus dem alles wachst.
Diese besonderen Augen sind es, die die „Urmutter von Dolni Vestonice“ mit der Göttin Mati Syra Zemla in Verbindung bringen. Mati soll Hellsichtigkeit verleihen, die Symbolik der Augen weist jedenfalls auf übernatürlichem Scharfblick hin. Sie wird auch „die Allsehende“ genannt.
Denn sie ist die Personifikation der alten Erde, die alles weiß und alle Weisheit aller Zeiten in sich trägt. Zeichen, die von der Erde kommen, werden daher gerne als Orakel gedeutet.

Die Mythologie der Mati vermischt sich vielfach mit jener der Göttin Mokosch, die auch „feuchte Mutter Erde“ bezeichnet wird und der baltischen Erdgöttin Zemyna.

auch: Mati Syra Zemla, Mat Zemlya, Matka, aka Mati-Syra-Zemlja, aka Mat‘ Syra Zemlya, aka Mat‘ Syra Zemlia, aka Mati Srra Zenlja, aka Mati, aka Matka, aka Matka Syra Ziemia, aka Matka Ziemia, aka Matka Syra Zjemlja, aka Matushka Zemlia, aka Mati Zemlya 

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