Mbaba Mwana Waresa – Fruchtbarkeits- und Regen-Göttin der Zulu

Mbaba Mwana Waresa herrscht beim Volk der Zulu über den Regen und damit ist sie eine sehr wichtige Göttin für die Landwirtschaft, das Getreide und die Ernte. Daher ist sie auch die Gebieterin über die Fruchtbarkeit.

Die Regenbringerin

mbaba_mwana_2Mbaba Mwana Waresa herrscht beim Volk der Zulu über den Regen und damit ist sie eine sehr wichtige Göttin für die Landwirtschaft, das Getreide und die Ernte. Daher ist sie auch die Gebieterin über die Fruchtbarkeit.

Ihr wird die Macht über das Element Wasser und über die Erde zu geschrieben. Sie ist eine der beliebtesten Göttinnen des südlichen Afrikas. Das kommt vielleicht auch daher, weil aus dem Getreide, das sie den Menschen schenkt, auch Bier hergestellt werden kann. Sie wird sogar als die Erfinderin des Biers verehrt.

Sie soll den Menschen die Techniken des Säens und Erntens und vor allem die Braukunst beigebracht haben.

Verehrt in jedem Schluck Bier

Vor allem ist sie als Regenbringerin die Lebensbringerin im heißen, trockenen Klima Afrikas. Sie wird in jeder Art von Wasser geehrt, in jedem Tropfen, in jeder kleiner Pfütze.

Man sagt, dass sie die Regentropfen vom Himmel herunterlockt, indem sie im Schlamm tanzt und Regenbogen über ihren Kopf und durch sie hindurch scheinen. Vor allem verehrt man sie aber in jedem Schluck Bier, ihrer speziellen Flüssigkeit, die aus so etwas Erdigem wie Getreide, so etwas Flüssiges wie Bier machen. Das schlürfende Geräusch des schäumenden, perlenden Getränks ist daher Musik in ihren Ohren.

Palast aus Regenbögen

Ihr Symbol ist der Regenbogen – der als Brücke zwischen Himmel und Erde angesehen wird – eine Verbindung zwischen den Gottheiten und den Menschen. Sie soll einst selbst in den Wolken leben – in einem runden Palast, dessen Gewölbe aus Regenbögen bestand.

Die Menschen lieben ihre Regengöttin. Wann immer sie das Geräusch ihrer „Donner-Trommel“ hören, freuen sie sich und grüßen ihrerseits die Göttin freudig mit Trommelmusik, denn sie wissen, dass sie nun wieder mit dem so wertvollen Wasser von ihrem himmlischen Heim beschenkt werden. Jenes Wasser, das die Melonen, die Kürbisse, die Beeren und alle die anderen Pflanzen wachsen und gedeihen lässt.

Die Suche nach dem richtigen Mann

Die Mythen erzählen, dass Mbaba Mwana Waresa keinen passenden Mann im Himmel finden konnte. Das machte sie sehr traurig. Daher kam sie auf die Erde, um sich hier umzuschauen. Sie verwandelte sich dazu in eine Wolke und flog über die Steppen und Ebenen, über die Hügel und Wälder, über das Grasland und über die Sümpfe.

Schließlich – nach Monaten – entdeckte sich in einem kleinen Dorf den einfachen Rinderhirten Thandiwe, der sie vor allem durch seine schöne Gesänge faszinierte. Er war gerade am Heimweg in sein Dorf und er sang frohen Herzens von der Schönheit der Felder, auf denen Blumen wie Juwelen leuchten und von den strahlenden grünen Schlangen, die sich wie wertvolle Armreifen um die Steine und Felsen winden. Dies berührte das Herz der Göttin zutiefst.

Ein Traum von der Göttin

In der darauf folgenden Nacht hatte Thandiwe einen Traum: In diesem erschien ihm eine magische Frau, ganz golden glitzern, dessen Gesicht zur Hälfte mit Blättern verdeckt war. Sie sprach zu ihm: „Du bist dazu bestimmt, Mbaba Mwana Waresa, die Regengöttin zu heiraten. Wenn du erwachst, baue ihr ein Brautgemach. Wenn du damit fertig bist, stelle dich davor hin. Egal was geschieht, warte auf sie. Dann wurde ihm von ihr eine kleine Schachtel mit bunten Perlen überreicht.

Thandiwe kannte die Bedeutung der verschiedenen Farben: Weiß sagt ihm, dass ihre Liebe wahr ist. Braun deutet auf den Reichtum der Erde, blau sagte ihm, dass sie vom endlosen Himmel zu ihm geflogen kommen wird, um ihn zu treffen.

Als er von seinem Traum erwachte, schüttelte er erstaunt seinen Kopf und glaubte nicht an das, was er geträumt hatte. Doch dann fand er in seiner Hand einen Liebesbrief in allen Farben des Regenbogens.

Also tat er so, wie ihm geheißen und baute das Brautgemach. Da er ein Sterblicher war, musste er allerdings eine Prüfung bestehen, bevor ihn Mbaba Mwana Waresa als ihren Mann akzeptierten konnte. Sie selbst maskierte sich als hässliche Hexe: Sie rasierte sich ihren Kopf, kleidete sich in Lumpen, überdeckte ihr wunderschönes Gesicht mit Asche und band sich ein zerrissenes Zebra-Fell um.

Gleichzeitig aber schmückte sie Nomalanga, eine wunderschöne junge Frau in der Tracht einer Zulu-Braut. Sie legte ihr Geschmeide aus Regenbögen um ihren schlanken Hals, färbte ihre Haut in Gold- und Kupferfarben. Nomalanga war wunderschön. Inzwischen musste sich Thandiwe den Spott seiner Freunde gefallen lassen: „Schaut euch diesen Narren an, er baut ein Brautgemach, aber es ist ihm kein Mädchen versprochen worden. Thandiwe, du bist dümmer als die Hyäne, die den Mondschein mit ihren Zähnen fangen will.“

Die Prüfung

Plötzlich tauchten schwere Gewitterwolken am Horizont auf und Blitze zerrissen den Himmel. „Der Feuervogel kommt“, schrien alle entsetzt. Denn vor dem himmlischen Feuervogel, wie die Blitze genannt werden, hatten alle Angst. Sie kannten die Gefahren dieses „Himmelsvogels“, der Hütten, ja ganze Dörfer niederbrennen konnte.

Menschen, die von ihm getroffen werden, bekamen eine spezielle Begräbniszeremonie und Tiere, die der Feuervogel getötet hat, werden nicht gegessen. Es folgte ein schwerer Regensturm. Thandiwe hatte große Angst und zitterte am ganzen Körper, doch er tat so, wie es ihm im Traum gesagt wurde – er blieb vor dem Brautgemach stehen, trotzte dem Unwetter und wartete auf seine Braut. Das war der erste Teil der Prüfung, die er bestanden hatte und das sagte der Göttin, das er stark genug war, um sie, die Regenbringerin an seiner Seite zu haben.

Als das Unwetter endete, glitt ein wunderschöner Regenbogen vom Himmel herab auf die Erde. Auf diesem stiegen zwei Frauen herab. Eine hässliche Alte und eine wunderschöne junge Braut. Die Alte sagte zu ihm: „Schau Thandiwe, hast du jemals eine schönere Frau gesehen?“ und zeigte dabei auf Nomalanga, „das ist die Braut, die dir in deinem Traum versprochen wurde.“

Thandiwe betrachtete das reich geschmückte Mädchen. Dann schaute er zur hässlichen Alten. Er ließ sich nicht täuschen. „Das ist nicht meine Braut“, sagte er. „Du magst zwar in Lumpen gehüllt sein, dein Gesicht ist voller Asche, aber das kann deine Strahlkraft nicht überdecken. In deinen Augen sehe ich die hell schimmernden Flüsse, das Glitzern der Seen und das leuchtende Meeres, ich sehe in deinen Augen die Kraft von jener, die die Erde zum Blühen bringt, die das Getreide nährt. Diese Kraft übertrifft alles, was die andere an klimpernden Schmuck und Schminke hat. Du bist meine Braut, du bist Mbaba Mwana Waresa, die Regengöttin.

Die Hochzeitsfeier

Als Mbaba Mwana Waresa das hörte, wusste sie, dass sie weise entschieden und den richtigen Mann gewählt hatte. „Lasset die Zeremonie beginnen“, rief sie fröhlich. Schon bald tanzten und feierten alle Menschen des Dorfes und freuten sich über die Hochzeit von Mbaba Mwana Waresa und Thandiwe.

Erst als die Sonne hinter den Hügeln verschwand und die funkelnden Sterne ihre silbernen Perlenschnüre über den Himmel zogen, war das große Fest zu Ende. Während alle schliefen, verließ das Brautpaar die Erde. Die beiden reisten Hand in Hand zum Regenbogen-Heim der Göttin
hoch im Himmel über Afrika. Und sie leben dort noch immer.

Durch seine Heirat mit der Regen-Göttin wurde Thandiwe unsterblich und man sagt, dass sie einander immer noch sehr lieben. Daher ist Mbaba Mwana Waresa für ihr Volk auch eine Liebesgöttin. Ihre Liebe ist so schäumend, so spritzig, so perlend wie das Bier, das sie gebracht hat – so sagt man.

Das Geschenk der Körperflüssigkeiten

Alle Flüssigkeiten kommen von ihr, sind ihr Geschenk. Auch die Körperflüssigkeiten. Auch der Regen wird als die Körperflüssigkeiten der Göttin angesehen: Sie schwitzt, spuckt, weint Tränen, pinkelt auf die Menschen – und das ist nichts, was unangenehm oder absonderlich ist, sondern ganz normal und göttlich.

Sie weiß alles über das Fließen, auch über die unaufhaltsamen Wellen der Leidenschaft und der Liebe. Sie gibt Fülle, Fröhlichkeit und Lebensfreude. Und fördert die Evolution der Menschen, die immer in einem stetigen Fluss ist.

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