In der Mythen- und Sagenwelt vor allem der Alpenregion gibt es viele Geschichten über die Saligen Frauen bzw. Salige Fräulein. Verwandte mythologische Figuren sind aber in ganz Europa anzutreffen, wie z.B. das „wee folk“ – Feengestalten aus dem alten Irland oder die slowenischen Salzene.
Sie werden als weiße, durchscheinende Frauengestalten wahrgenommen, oft wie Elfen oder Feen, die meist sehr schön, hilfreich und heilbringend beschrieben werden. Es gibt aber Erzählungen, in denen sie unberechenbar und wild dargestellt werden.

Die hilfreichen Urfrauen

In der Mythen- und Sagenwelt vor allem der Alpenregion gibt es viele Geschichten über die Saligen Frauen bzw. Salige Fräulein. Verwandte mythologische Figuren sind aber in ganz Europa anzutreffen, wie z.B. das „wee folk“ – Feengestalten aus dem alten Irland oder die slowenischen Salzene.
Sie werden als weiße, durchscheinende Frauengestalten wahrgenommen, oft wie Elfen oder Feen, die meist sehr schön, hilfreich und heilbringend beschrieben werden. Es gibt aber Erzählungen, in denen sie unberechenbar und wild dargestellt werden.

Die Mythenwelt schwankt in ihren Erzählungen und Berichten über die Saligen zwischen menschlichen Frauen, die zurückgezogen in Gemeinschaften lebten, Urfrauen aus alten Stämmen, Feen, durchscheinenden, ätherischen Wesen oder auch Lichtgestalten, hilfreiche Bergmütter, die so etwas wie einen Göttinnen-Status haben.
Sehr eindeutig ist, dass es sich bei den Saligen um Wesen aus der „Anderswelt“ handelt. Wobei das sowohl eine Welt von nicht-menschlichen Wesen sein kann wie auch Frauen aus alten Stämmen, die sich mit nachfolgenden Menschen nicht vermischen wollten und ihre eigenen Gesetze hatten.
Meist ist von scheuen und weisen Frauen die Rede, die tief drinnen in den Wälder, hoch auf den Bergen oder verborgen in Felsen- und Gletscherhöhlen leben. Letztere werden auch als Kristallpaläste der Saligen bezeichnet.

Erste Bewohnerinnen der Alpen

Das Wort „salig“ hat seinen Wortstamm nicht – wie man vermuten könnte – von selig, sondern hat die Bedeutung von leuchtend oder auch strahlend. Denn als solche werden sie wahrgenommen, wenn sie sich zeigen.
Die Saligen Frauen sollen schon lange vor den Menschen da gewesen sein, sie sind also die ersten Bewohnerinnen der Alpen, gewissermaßen die Ureinwohnerinnen.
Daher werden sie wahrscheinlich auch Wildfrauen genannt, weil sie „wild“ sind, d.h. sie haben sich nicht zivilisieren, nicht zähmen lassen, weil sie aus der Zeit vor der Zivilisation stammen.
In vielen Geschichten über sie werden sie daher als menschenscheue Geschöpfe beschrieben, doch stehen sie Menschen immer wieder mit Rat und Tat zur Seite, besonders gerne helfen sie armen und unbeholfenen Menschen oder solchen, die in Not geraten sind.
Auch bei der landwirtschaftlichen Arbeit (z.B. beim Heumachen) unterstützen sie die Menschen. Manchmal kommen sie in der Nacht von den Bergen herunter, schneiden das Korn und backen Brot, das sie aber nicht selbst behalten sondern oft verschenken – an Menschen, die auf der Wanderschaft sind, hart arbeiten oder an Kinder. Alle, die dieses Brot in Ehren halten, bringt es Glück.
Sie schenken gern auch andere Dinge, manchmal bitten sie auch um Geschenke. Bekannt sind auch ihre „unendlichen Geschenke“, also Dinge, die nie zu Ende gehen.
Sie wollen aber keinen Dank und vor allem niemals Lohn oder Bezahlung für ihre Hilfe. Im Unterschied zu anderen mythologischen Figuren und Sagengestalten, wie Zwerge oder „Venedigermandln“ treiben sie keinen Handel und horten keine Schätze.

Leben in Frauengemeinschaften

Niemals dürfen Salige nach ihrer Herkunft gefragt werden, denn sonst verschwinden sie sofort. Sie dürfen auch nicht bei ihrem richtigen Namen genannt werden. Denn in alter Zeit war man davon überzeugt, dass man Macht über eine Person gewinnt, wenn man den richtigen Namen weiß. Und dass jemand Macht über sie hat, dulden die Saligen keinesfalls. Sie sind daher auch freie und ungebundene Frauen, bzw. weibliche Wesen, die auch mancherorts nicht nur als Feen sondern auch als Göttinnen angesehen werden.
Aus diesem Grund gehören sie auch keinem Mann an oder binden sich nicht an einen solchen. Und doch gibt es Geschichten, in denen sie sich ab und zu unter die Menschen mischen. Sie leben in Frauengemeinschaften und suchen sich manchmal einen Bauern aus, um eine Nacht in männlicher Gesellschaft zu verbringen. Das weist auf eine matriarchale Gesellschaftsordnung hin, in der Frauen Männer für kurze Zeit wählen – für ein erotisches Vergnügen oder um schwanger zu werden. Selten gibt es auch Geschichten, in denen Salige eine Beziehung zu einem Mann eingehen, ihn mitunter sogar heiraten.
Sie haben dabei aber immer ganz klare Bedingungen: Er darf sie nicht nach ihrem Namen fragen, er darf auch nicht erfahren wollen, wo sie herkommt.
Während sie schläft, darf der Mann ihr Haar nicht vom Boden aufheben. Vor allem aber darf er nie ein böses Wort zu ihr sagen, geschweige denn sie schlagen.
Die Geschichten ähneln einander sehr: Denn eine Zeit lang geht alles gut und die Beziehung zwischen der Saligen und dem Menschenmann ist glücklich.
Doch immer enden die Geschichten so, dass der Mann eine ihrer Bedingungen missachtet, sie im schlimmsten Fall schlägt. Worauf die Salige sofort auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Auch Menschenfrauen, die dies getan haben, wurden nach ihrem Verschwinden oft als „Salige“ bezeichnet, denn es kann ja nicht mir rechten Dingen zugehen, wenn sich eine „normale Frau“ das nicht gefallen lässt, von ihrem Mann misshandelt zu werden.
Wer weiß, vielleicht gab es wirklich Urfrauen, die Menschenfrauen dies vorgelebt und gezeigt haben und zu deren Stämmen und Verstecken Frauen flüchten konnten.

Retterinnen der Natur

In den Sagen nehmen die Saligen manchmal ihre Töchter mit, manchmal lassen sie diese auch zurück und besuchen sie heimlich in der Nacht.
Im großen Mythenschatz über die Saligen gibt es keine einzige Geschichte, in der eine Salige auf immer und ewig bei ihrem Mann bleibt.
Da sie – die Urfrauen – sehr viel von der Natur wissen, mit der sie im Einklang leben, kennen sie auch die Zeit für Anbau und Ernte. Sie geben den Menschen auch gerne ihr Wissen weiter – z.B. zum Gebrauch der Kräuter und deren Heilwirkung oder zur Verarbeitung von Milch zu Butter und Käse. Sie geben auch Ratschläge und sprechen Warnungen aus. Diese erscheinen manchmal seltsam, bewahren aber jene vor Schaden, die diese beherzigen.
So sagen sie in einer Geschichte einem Bauern, dass er den Roggen schneiden soll, obwohl das Korn noch ganz grün und unreif ist. Er befolgt den Rat, obwohl ihn die anderen Bauern auslachen. Aber dann kommt unverhofft Schneefall und den anderen, die ihn verspottet haben, erfriert das Korn.
Von den Saligen wird auch gesagt, dass sie das Wild beschützen, vor allem Gämsen. Und sie bestrafen Jäger, die mehr Wild schießen als unbedingt notwendig ist.
Sie werden oft auch als Retterinnen der Natur beschrieben, vermutlich weil sie mit patriarchalen landwirtschaftlichen Methoden nicht einverstanden waren und andere Methoden hatten, mit der Natur im Einklang zu leben und dennoch (oder vielleicht gerade deshalb) gut zu leben und mit den Gaben der Natur alle Bedürfnisse wie Nahrung, Kleidung etc. abdecken konnten.
Treten sie meist hilfreich, wohlwollend und gut auf, so gibt es auch Berichte von zürnenden Saligen. Denn sie waren so etwas wie die Hüterinnen und Wächterinnen der Natur. Wenn Menschen die Naturgesetze nicht achten, dann rächen sich die Saligen Frauen, z.B. indem sie Lawinen oder Muren ins Tal donnern oder Gletscherseen ausbrechen lassen.
Daher werden sie auch immer wieder sehr schaurig dargestellt, z.B. als „Nacht fahrende Geister“, deren Mythologie an Hexen oder die Percht erinnert.
In fränkischen Kapitularien ist von „dominae nocturnae“ die Rede, die nackt auf Tieren im Wind reiten. Dass sie in Gruppen auf Böcken oder Kälbern reiten, das meinte auch der adelige Tiroler Hans von Vintler Anfang des 15. Jahrhunderts, der sich mit dem Aberglauben seiner Zeit beschäftigte.
In Teilen Süddeutschlands mussten sie als Kinderschreck herhalten.
Allerdings beschreibt sie sogar ein katholischer Mönch, der franziskanische Bußprediger Berthold von Regensburg (um 1200-1272) als „felices dominae“ – wohlgestaltete Frauen mit glänzenden Gesichtern und weißen Kleidern.

Salige Frauen kommen vorwiegend in der Mythen- und Sagenwelt auf dem Gebiet des heutigen Österreichs vor. Wobei die Sagen der Ötztaler Alpen in Tirol wesentlich öfter von ihnen berichten, als der mythologische Erzählschatz der gesamten Alpen.
Aber auch im Voralpengebiet gibt es Überlieferungen und Hinweise auf die Saligen. So gilt z.B. die „Frauenhöhle“ am niederösterreichischen Ötscher als Aufenthaltsort der Wilden Frauen. Auch am Ufer der Drau sollen sie ihre Wohnstätten haben.
Auch in der Schweiz kennt man die Saligen, die vor allem oberhalb der Blümlisalp wohnen, die Berge dort heißen Wyssy Frau (weiße Frau) und Wildi Frau (wilde Frau) – was auf einen Aufenthaltsort der Saligen hinweist.
Auch in Südtiroler Überlieferungen kommen sie vor. Eine Sage aus dem Vinschgau berichtet, dass sie in einem sehr trockenen Jahr den dort noch unbekannten Buchweizen brachten.
Am Südrand der slowenischen Alpen gibt es die „Wildfrauen- Höhle“ mit den Namen „jama donja baba“. Man vermutet, dass diese eine Kulthöhle einer Muttergottheit war, in der Frauen gelebt haben, die auch den Saligen zugeordnet werden können. Dort wurde auch eine Knochenflöte gefunden, die auf ein sensationelles Alter von über 40.000 Jahren geschätzt wird. Damit wäre es das bisher älteste bekannte Musikinstrument der Menschheit.

Einen engen Bezug scheint es auch zwischen den Bethen und den Saligen zu geben. So werden in Tirol die Saligen Frauen auch Ambett, Gwerbett und Wilbet (Ambeth, Wilbeth und Borbeth ) bzw. die „heiligen drei Madln“, Katharina, Barbara und Margaretha bezeichnet.

Verhaltensregeln für den Umgang mit den Saligen

Was ist zu tun, wenn man einer Saligen begegnet? Wenn sie ein Haus besuchen, sollte man ihnen möglichst weiße Speisen und Getränke reichen, um ihren Segen zu erlangen.
Gewarnt wird davor, ihnen bei Vollmond zu begegnen. Da sie Lärm verabscheuten, wird geraten, möglichst viel Krach zu machen, um sie zu verjagen. Dieser Ratschlag richtet in den zahlreichen Geschichten allerdings nur an Männer. Es ist zu vermuten, dass dieses Gerücht von Frauen verbreitet wurde, die in den Vollmondnächten mit den Saligen auf deren geheimen Plätzen feierten und dabei nicht von ihren Männern erwischt werden wollten.

Neben den vielen Volkssagen über die Saligen Frauen, fanden sie auch in der Literatur Eingang und zwar im Erfolgsroman „Die Geierwally“ von Wilhelmine von Hillern. Sie schreibt von den Saligen Fräulein, die durch „weite und endlose Gänge von Eis hindurch“ wallen, die in einen großen Saal kommen.
„Da spielten weiße, schneeglitzernde Mädchengestalten in wallendem Nebelschleier mit einer Herde Gemsen, und es war lustig anzusehen, wie sie sich neckten mit schnellfüßigen Tieren … Das waren die Töchter Murzolls, die saligen Fräuleins des Ötztals.“

auch: Salige Fräulein, Salkweiber, Salaweiber, Salinghe, wilde oder weiße Frauen, Waldfrauen, Bergfrauen, Wildfrauen, Antrische Dirn

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