Wilbeth – Keltisch-alpenländische Mondmutter, Schicksalsgöttin, Göttin, die den Lebensfaden spinnt

Als eine der drei Bethen verkörpert Wilbeth das Licht und die Weisheit. Auf der „Morgenseite“ der Bethen-Dreiheit ist der Platz von Wilbeth — jener der Geburt sowie der Kraft der jungen Frau.

Weiße Kraft der Bethen

Als eine der drei Bethen verkörpert Wilbeth das Licht und die Weisheit. Auf der „Morgenseite“ der Bethen-Dreiheit ist der Platz von Wilbeth — jener der Geburt sowie der Kraft der jungen Frau.

Ihre Farbe ist daher Weiß. Sie verkörpert das Wissen, die Weisheit und das Schicksal, das sie in den Lebensfaden spinnt und daher auch voraussagen konnte. Sie ist das Licht, das die Dunkelheit und damit schwermütige Zustände vertreibt.

Sie symbolisiert die Aufbruchskraft, auch das Spontane, schnell Entschlossene. Ihre Energie ist daher hilfreich bei jedem Neuanfang. Das Symbol von Wilbeth ist das Rad, das sich im Lebensrad, im Sonnenrad, dem uralten Symbol der Sonne, im Rad der Jahreszeiten und natürlich im symbolträchtigen Spinnrad (zum Spinnen der menschlichen Schicksalsfäden) ausdrückt.

Auffallend ist die sprachliche Verwandtschaft zwischen Wilbeth und dem englischen Wort wheel — es entspricht phonetisch vollkommen dem „Wil“ im Namen der Göttin. Wheel bedeutet nicht nur Rad, es wird auch benutzt, um alles Runde zu benennen. Im Mittelhochdeutschen bedeuet „wel“ — rund.

Verwandt ist auch das niederdeutsche „waal“ für Vollmond. Vermutlich hatte das englische „wheel“ die ursprüngliche Bedeutung von „runde Mondscheibe“.

Wobei die Rad-Göttin auch Road-Göttin ist („road“ = englisch für Straße). Daraus ergibt sich auch der Lebens-Weg. Wilbeth ist daher auch die Schutzgöttin der Straßen und der Reisenden.

Wilbeth wird zum „Heiligen Madl“ Katharina

Die Menschen feierten das Fest der Göttin Wilbeth zur Zeit der Wintersonnenwende (21. Dezember) als Uul-Beth oder Jul.

Da dieses Fest zu Ehren einer alten Muttergöttin so magisch und kräftig war und aus der Tradition im Laufe des Jahresrades nicht wegzudenken war, mussten sich die Christen etwas einfallen lassen.

So verlegten sie die Geburt Jesu auf diese Zeit und nannten es Weihnachten. Nach den biblischen Quellen wurde Jesus nämlich sicher nicht im Dezember geboren. So ist das, was heute als Weihnachtsfest bekannt ist und gefeiert wird, das Julfest zu Ehren von Wilbeth, der Jul-Beth, die damit das eigentliche „Christkind“ ist.

Wie die anderen drei Bethen, so wurde auch Wilbeth von der katholischen Kirche in eine der Nothelferinnen — auch die „drei heiligen Madl’n“ genannnt — umgewandelt: In Katharina, die Helle, die Weiße, die Reine (eigentlich: Die Gereinigte, die in den Mythos Eingeweihte), wie ihr griechischer Name ins Deutsche übersetzt lautet.

Als Vorlage für die Heilige Katharina wurde natürlich nicht ihre mythologische „Schwester“ Wilbeth hergenommen, sondern eine legendäre Figur aus der antiken Metropole Alexandria in Ägypten, das bedeutendste kulturelle und wissenschaftliche Zentrum des östlichen Mittelmeers.

Diese soll bereits als junge Frau durch unglaubliche Klugheit und Redegewandtheit bestochen haben. Was natürlich an die große „Weisheit“ der Wilbeth anknüpft.

In einer öffentlichen Diskussion, zu der der Kaiser seine besten 50 Philosophen und Gelehrten aufgeboten hatte, soll Katharina so einleuchtende und gelehrte Argumente für das Christentum vorgebracht haben, dass sich alle fünfzig zum Christentum bekehrten. Weil sie nicht vermocht hatten, Katharina vom christlichen Glauben abzubringen, schickte der Kaiser sie alle auf den Scheiterhaufen. Katharina wurde jedoch vom Kaiser, der von ihrer Intelligenz und Schlagfertigkeit beeindruckt war angeboten, als „gewaltige und hochgezierte Königin“ an seiner Seite zu herrschen. Dies lehnte sie jedoch ab, worauf ihr Martyrium begann.

Aus heutiger Sicht betrachtet war diese Katharina, die im Gefolge der „Kreuzzüge“ frühestens im 13. Jahrhundert nach Europa gekommen ist, offenbar am nachhaltigsten geeignet, in den ehemals keltischen Ostalpen wirksam an die Stelle der noch weit über ein Jahrtausend nach Christus angebeteten Wilbeth zu treten und den des weißen und weisen Aspektes der „heidnischen“ Göttinnen-Dreifaltigkeit zu repräsentieren.

Katharina gilt als die katholische Schutzheilige für Weisheit und Wissenschaft, der Universitäten, der Philosophischen Fakultäten und sie ist die Nothelferin für Eloquenz.

Aus Lebensrad wird Marter-Instrument

Die „christlichen“ Ideologen des blutrünstig finsteren Mittelalter wandelten natürlich auch Wilbeths Lebens- und Spinnrad um: Unter Zuhilfenahme obligat wüster Märtyrerlegende wurde aus diesem ein — in dieser Zeit grausam „vertrautes“ – Marter-Instrument.

Die Legende der nicht historisch belegten Katharina besagt, dass sie sich gemeinsam mit ihrer Mutter weigerte, als Christin, den römischen Göttern zu opfern und dafür aufs Rad geflochten werden sollte.

Der Legende nach wurden vier „mit eisernen Sägen und spitzen Nägeln“ gesäumte Räder bereitgestellt, die sich gegeneinander drehten. Dazwischen sollt Katharina eingespannt werden. Auf ihr Gebet hin zerstörten Engel diese Räder und zwar mit so einer Wucht, dass durch das Zerbersten gleich 4000 „Heiden“ getötet wurden.
Soviel zur Milde und zur Vergebung des sogenannten „Lieben Gottes“ im christlichen Sinne. 

Wenn Wilbeth diejenige ist, die den Lebensfaden am Rad spinnt und jene Energie symbolisiert, die neue, frische Ideen in unser Leben bringt, dann kann das zerbrochene Rad der Katharina auch als unsere „zerbrochenen Lebenspläne“ gedeutet werden.

Oft bedarf es „Engeln“ bzw. guten Schicksalsfügungen (die vielfach vorerst gar nicht als so gut wahrgenommen werden), dass Räder zerbrechen, und wir damit nicht SklavInnen unserer eigene Pläne bleiben, auf das Rad unserer Ideen oder unseres Alltags geflochten bleiben. Und nachdem das Rad zerbrochen ist, das Rad auch wieder neu erfinden bzw. unseren Lebensfaden neu in die Hand nehmen und erfrischend Neues spinnen und in unser Leben bringen.

Katharina wurde schließlich enthauptet, aus ihren Wunden floss Milch statt Blut. Engel entführten ihren Leichnam zum Sinai (in einigen Versionen heißt es, dass Engel sie vor dem Märtyrertod retteten und entführten). Am Sinai gibt es heute noch ein Katharinenkloster, Aus ihren Gebeinen soll unaufhörlich ein für heilkräftig gehaltenes Öl fließen.

Katharinen-Kapellen haben sehr oft etwas mit Taufen zu tun, ist sie doch als Wilbeth die Schutzgöttin für neues Leben, so z.B. die Katharinen-Kapelle im Wiener Stephansdom. Auch Kirchen mit dem Namen „Maria Schnee“ deuten auf Katharina/ Wilbeth hin — wegen der weißen Farbe und der ihr zugeordneten Zeit von Wintersonnenwende bis Imbolc (Maria Lichtmess).

Katharina von Siena – die Ummantelte

Möglicherweise gab jedoch eine andere Katharina der Heiligen ihren Namen: Die aus dem 14. Jahrhundert stammende und historisch nachweisbare Heilige Katharina v
on Siena, die „Seherin“ (!), die von den dortigen Dominikanern „Mantellate“ (die Ummantelte) genannt wird.

Dies ist wahrscheinlich auch der Grund, warum Katharina meistens in einem (recht durchsichtigen) Mantel gezeigt wird, der Symbol für die „christlich getaufte, gereinigte“ Heilige wurde.

Diese Katharina von Siena wurde als 23. Kind eines reichen Schafscherers und Wollfärbers geboren. Sie hat ihr Grab justament in der römischen Basilika St. Maria sopra Minerva (über Minerva) erhalten. Minerva war einst ebenfalls Teil einer Trinität, der so genannten Kapitolinischen Trias mit Juno und Jupiter bzw. Venus.
Und siehe da: Minerva war die italische Göttin des Handwerks, der Künste, der Weisheit und der Medizin!

Katharina wird zu Melchior

Schließlich war sogar die Heilige Katharina und die anderen „Heiligen Madln“ der christlichen „Mutter Kirche“ zu viel der Weiblichkeit. Sie, die alte Göttin mit der Farbe Weiß wurde wundersam in den (erfundenen) Melchior, der (auch erfundenen) Heiligen Drei Könige.

Der weiße König des Lichts, brachte ausgerechnet Weihrauch mit, das nachgewiesener Weise die Gedächtnisleistung stützt und das Gehirn entspannt — Gaben, um die bereits die alte Weisheitsgöttin Wilbeth gebeten wurde.

Moderne medizinische Studien haben ergeben, dass das brennende Harz direkt auf das Gehirn wirkt. Der Rauch aktiviert Regionen, die die Emotionen beeinflussen. Er kann so Depressionen und Angst verringern — so ein Zufall, dass Wilbeth, die lichtvolle Göttin, auch schwermütige Zustände vertreiben kann.

Wilbeth-Katharina hat noch einige andere Insignien: Palme, Krone, Buch und Schwert – all diese Symbole haben viel weniger eine „christliche“ Bedeutung, sondern sind seit der Antike ausgewiesene Bethen-Symbole.

Die Palme gilt als internationales Sieges-Zeichen sowie als Sinnbild für Fruchtbarkeit und Ewiges Leben, das aus wärmeren Gefilden importiert wurde. Krone und Schwert waren seit Alters her Insignien der Macht. Und das Buch symbolisierte schließlich – insbesondere im analphabetischen Mittelalter — ganz augenfällig die Weisheit.

Entschleunigung am 25. November

In germanischen Traditionen wurde Wilbeth auch Julbeth, Uul-Beth oder einfach auch nur Jul oder Jule genannt. Sie ist damit eine Wintersonnwend-Göttin: als weiße Göttin und damit als Inbegriff des (jungen, neuen) Lichts ist dieses Fest der wieder erwachenden Sonne, des neu erstehendes Licht in der dunkelsten Jahreszeit ihr zugeordnet.

Damit heißt es auch, Wilbeth in ihrer weißen, fast engelhaften Erscheinung, sei das eigentlich „Christkind“. Als Katharinas (und damit auch Wilbeths Festtag) gilt vor allem auch der 25. November — ehemals ein für Spinnerinnen wichtiger Termin:

Das Vieh wurde von der Weide geholt und die Schafschur und damit das Spinnen der Wolle begann. Die damit verbundenen Arbeiten hatten dann Vorrang vor der Tanzerei und anderen raschen Drehbewegungen.

Das äußert sich auch in dem immer noch bekannten Spruch „Kathrein stellt den Tanz ein!“. Die Wolle sollte übrigens bis zu Beginn der Rauhnächte gesponnen sein, denn da kontrolliert dann die Percht, ob die Spulen abgewickelt und die Rocken leer gesponnen sind.

Bereits ab Ende November ging es also nicht mehr um die harte Feldarbeit und spätestens ab der Wintersonnenwende war „Entschleunigung“ angesagt. Dies sowohl aus praktischen wie auch aus „magischen“ Gründen — im keltischen Winter, in dem mythologisch auch das Licht und die Sonne die Zeit nutzen, neue Kräfte zu sammeln, sollten die Menschen mit ihren Kräften haushalten und nicht durch zuviel Arbeit auch zuviel Kalorien verbrauchen, denn die Lebensmittel mussten für den ganzen Winter reichen (daher gilt der Advent auch als Fastenzeit).

Wilbeth-Katharina achtet darauf, dass zur rechten Zeit gesponnen und zur rechten Zeit auch wieder die Arbeit niedergelegt wird. Tanzen und arbeiten — das begann wieder zu jener Jahreszeit, die der Wilbeth zugeordnet wird — mit dem ersten Erspüren des Frühlings, also mit Anfang Februar (siehe auch Brigid), die Zeit, in der auch der Fasching fällt.

auch: Vilbett, Wilbede, Filbeth, Fürpet, Julbeth, Uul-Beth, heilige Katharina 

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