Juno – Sabinisch-etruskische Muttergöttin, Große Göttin des römischen Pantheons

Juno geht auf die sabinisch-etruskische Muttergöttin Uni zurück, deren Name wiederum verwandt ist mit „Yoni“ und „Uni-versum“. Sie ist die Allmächtige, die Allmutter, die Mutter allen Lebens.

Die umfassende Frauen-Göttin 

 Juno geht auf die sabinisch-etruskische Muttergöttin Uni zurück, deren Name wiederum verwandt ist mit „Yoni“ und „Uni-versum“. Sie ist die Allmächtige, die Allmutter, die Mutter allen Lebens.

Vermutlich geht der Kult um Juno auf die phönizische Göttin Astarte zurück, ist um ca. 500 v.u.Z. in die Mythologie der EtruskerInnen aufgenommen worden und bekam dort den Namen Uni. Aus der etruskischen Uni wurde dann die römische Juno. Später wurde sie mit vielen Attributen der griechischen Göttin Hera für den römischen Pantheon adaptiert.

Von einer Blume schwanger

Junos eigenständige Mythologie ging weitestgehend verloren, bis auf die Geschichte, dass sie geschwängert von einer Blume den Gott Mars zur Welt brachte. Eine andere Version dieses Mythos erzählt, dass sie mit ihrer „heiligen Lilie“ den Gott Mars empfing. Diese Geschichte wurde von Hera nie erzählt.

Die dreilappige Lilie —  das universelle Yoni-Zeichen —  gilt daher als Symbol der parthenogenetischen Kraft und wurde für die christliche Jungfrau Maria übernommen. Auch diese soll den „Göttlichen Samen“ durch eine Lilie gefiltert empfangen und darauf hin ihren Sohn Jesus geboren haben.

Die ältesten Heiligtümer der Göttin Juno sind eine Höhle am Palatin (Lupercal), in der Romulus und Remus von einer Wölfin gesäugt worden sein sollen, und ein Hain an der Nordspitze des Esquilin, der von den Frauen der Stadt vor Entbindungen aufgesucht wurde. Beide Orte sind Hinweise auf einen sehr alten Kult, der lange vor dem Römischen Reich bestand hatte.

Als römische Göttin ist sie die Gattin und Schwester des Gottes Jupiter, der vermännlichten Form der Göttin Iuventas, mit der sie oft gleich gesetzt wird, bzw. als deren Mutter sie gilt. Erschien sie doch anfangs noch nicht als Gemahlin des Jupiters, sondern als Verkörperung der jugendlichen Lebenskraft (altlateinisch heißt ihr Name übersetzt auch die Junge, die Vitale).

Der nach ihr benannte Monat Juni ist auch der vitalste, kraftvollste Monat des ganzen Jahres. Juno zeigt sich hier von ihrer eindeutigsten Seite – sie ist nicht mehr das frühlingshafte Mädchen sondern die junge, starke, erwachte Frau, die ihr ganzes fruchtbares Sommerleben noch vor sich hat.
Als Eltern der Juno gelten die Göttin Ops und Saturn.

Göttin der weiblichen Lebensphasen

Juno gilt als Inbegriff der Weiblichkeit und ist daher vor allem die Beschützerin der Frauen vom ersten bis zum letzten Atemzug. Als diese wird sie unter mehreren Namen verehrt.

Da Juno für alle weiblichen Lebensumstände zuständig war, bestimmte sie auch die Fortpflanzung und die verschiedenen Lebensphasen der Frauen:
Als Juno Pronuba ist sie die Schutzgöttin über alle partnerschaftliche Verbindungen und die Stifterin guter Ehen, als Juno Populonia wacht sie über die Empfängnis, als Juno Ossipago stärkt sie die Knochen der Föten, als Juno Sospita kontrolliert sie die Geburtswehen und als Juno Lucina unterstützt sie die Frauen bei der Geburt und bringt die Kinder an das Licht der Welt.

Zu ihr beteten die Römerinnen schon seit der Frühzeit und bis in die Spätantike bei Entbindungen. Sie entspricht damit auch der altmediterranen, kretischen Geburtsgöttin Eileithyia.

Uralte Frauenrechtlerin

Juno gilt auch als Göttin der (vor allem matrilinearen) Erbschaften, sie sorgt für die Rechte der Frauen und schenkt ihnen Wohlstand und als Juno Moneta auch Geld in barer Münze.

Einer ihrer Tempel diente als Schutzort für Frauen, die von ihren Männern misshandelt wurden. Das heilige Tier der Juno ist der Pfau, die vielen Augen auf seinen Federn sind Symbol für die vielen geöffneten Augen der Göttin mit denen sie über die Frauen wacht.

Juno begleitet jede Frau durchs Leben und jede römische Frau verkörperte einen Teil des Wesens dieser Göttin, trug ihre eigene Juno (eine Leben spendende Macht, die sie führt und beschützt) in sich, wie jeder Mann einen Genius in sich trug.

Im patriarchalen Sprachgebrauch ging das Wort Juno verloren, Genius hingegen nicht. Dadurch wurden die Frauen ihrer Seele beraubt, was womöglich erklärt, warum mittelalterliche Kirchenkonzile Frauen mitunter als seelenlos ansahen.
Als Juno Martialis ist sie Kriegsgöttin, Mutter des Mars und repräsentiert vor allem den Kampfgeist einer Mutter, die ihr Kind verteidigt, was nach römischen Vorstellungen der Ausdruck von Tapferkeit schlechthin war.

Glück, Geld und Warnungen

Zusammen mit Iuventas (später zu Jupiter vermännlicht) und Minerva bildete sie die kapitolinische Trias, die im ältesten römischen Staatsheiligtum auf dem Kapitol verehrt wurde. Sie wurde daher lange Zeit als eine der vorherrschenden römischen Gottheiten anerkannt. In dieser Funktion ist sie Juno Regina, die besondere Ratgeberin und Beschützerin des römischen Staates.

Als Juno Fortuna ist sie die heilige Glückschenkerin und als Juno Moneta die heilige Beraterin und Mahnerin und zuständig für Erinnerungen. Als diese warnte sie ihr Volk vor drohender Gefahr und Frauen vor nicht lukrativen Ehen.

In einem Tempel der Juno Moneta wurden geweihte Amulette hergestellt. Dieser Tempel gilt als Vorläufer unserer heutigen Münzprägeanstalten, daher wurde der Beiname der Göttin auf die „Münze“ übertragen. Juno erscheint noch in einer anderen Göttinnen-Triade – gemeinsam mit Ceres, der Mutter Erde und Proserpina, der Gebieterin über die Unterwelt wird sie als Himmelskönigin verehrt.

Die Göttin der 13 Mondmonate

Juno wird auch mit dem Kalender in Verbindung gebracht. Sie steht für die ursprünglichen 13 Mondmonate, was auch d
en Menstruationszyklen der Frauen entspricht. Diese wurden im Zuge kalendarischen Reformen in die 12 Sonnenmonate umgewandelt.

Als Weide- und Vegetationsgöttin Juno Caprotina beschützte sie das Kleinvieh und die Nutzbäume und damit gehörte sie ganz alltäglich zum ländlichen Kult. In ihrer Verantwortung für die Haus- und Nutztiere verantwortlich unterscheidet sie sich auch zu ihrer „griechischen Verwandten“ Hera, die für wilde Tiere zuständig ist. Vor allem Ziegen stehen unter dem besonderen Schutz der Juno.

Auf manchen Darstellungen trägt sie auch ein Ziegenfell über dem Kopf. Die Hörner der Ziege machen aus Juno eine gehörnte Göttin. Bei den Bäumen werden durch ihre Energie die Blüten zu Früchten (was oft in ihrem Monat, dem Juni geschieht). Das bedeutet Nahrung, nun hatte die (Hungers-)Not des Winters endlich ein Ende. Unter den Pflanzen ist ihr speziell der Feigenbaum zugeordnet. Bei Zeremonien wird der Juno Capritona Feigenmilch dargeboten, was als Symbol der Fruchtbarkeit (besonders jener der Vegetation) gilt.

Die zwei Gesichter der Juno

Juno gilt auch als die Göttin der Eingänge, Durchgänge, Türen, Pforten. Als Personifikation der Pforte hat Juno zwei Gesichter und zwei Blickrichtungen: nach draußen auf die Geburt hin und nach innen auf den Tod.

Damit ist sie auch die Göttin der Sommersonnenwende, die ja in ihren Monat, den Juni fällt. An diesem Wendepunkt im Jahr schaut sie zurück auf all das, was gesät wurde und geblüht hat und nach vor auf das, was zur Reife gelangt und damit schließlich auch wieder sterben muss. Als Göttin der Durchgänge steht sie auch für die Himmelspforte, das „Gate of Heaven“, im englischen Sprachraum auch die Bezeichnung für die Tür zum Tabernakel in christlichen Kirchen.

Dieses ist allerdings aus ihrer alten Bezeichnung Uni (oder Yoni) abgeleitet, der himmlischen Pforte jeder Frau, die Leben schenkt (was wiederum von den christlichen Kirchen eher verschwiegen wird). Anfang Januar wurden in Rom daher zu Ehren der Juno Feierlichkeiten abgehalten, da wurde sie Antevorta bzw. Postvorta genannt, die Göttin, die nach vorn blickt und zurück, denn der Januar war die „Pforte“ des Jahres, der Übergang vom Tod des Gottes Aion zu seiner Wiedergeburt durch die Mutter der Zeit.

Als die römische Religion mehr und mehr patriarchale Züge annahm, wurde aus Juno, der Torwächterin, ein androgynes Janua-Janus und später dann der maskuline doppelgesichtige Gott Janus, dem alle Pforten geweiht waren. Der gesamte Februar galt als heiliger Monat der Göttin Juno, die in ihrer Ausprägung der Juno Februata lustvoll gefeiert wurde – und zwar mit den Lupercalia – dem „Fest der Wölfin“.

Speziell Frauen haben – der Überlieferung nach – die Wiederkehr des Lebens nach dem langen Winter ausgiebig gefeiert und dabei soll auch das eine oder andere erotische Spiel ausprobiert worden sein. In dieser Ausprägung ist Juno daher die Schutzgöttin und Gebieterin der glühenden erotischen Liebe (mehr dazu bei Februata).

Frauenpower und Lebenskraft

Am 1. März feierten die Frauen im antiken Rom ihr zu Ehren ein Familienfest, die Matronalia, bei dem die Mutterschaft (mater = Mutter) und Frauen im Allgemeinen geehrt wurde. Mit dem Monat März begann das neue Jahr. Was auch logisch erscheint, denn jetzt beginnt die Natur zu erwachen. Und da Juno u.a. eine Geburtsgöttin ist, feierte man ihr die (Wieder-)Geburt allen Lebens. 
Frauen  mussten an diesem Festtag ihr Haar lösen (was sonst dem römischen Anstand widersprach, denn Frauen trugen ihr Haar gebunden oder aufgesteckt). Sie sollten auch nichts Geknotetes tragen, um zu symbolisieren, dass nichts die Geburt des neuen Jahres be­hindern wird. Bei den Matronalia beteten die Ehemänner für die Gesundheit ihrer Frauen. Die Freude über den beginnenden Frühling äußerte sich in großen Feiern, bei denen Geschenke zwischen FreundInnen und Familienmitgliedern ausgetauscht wurden. Die Frauen bekamen auh Geschenke von ihren Männern und Töchtern. Dies war ein Tag der Festessen, der Spielerei und Musik, es wurde auf den Straßen getanzt.  Die Bediensteten bekamen an diesem Tag frei, da die Frau des Hauses in stellvertretend für die Göttin auch die „Mutter“ für alle bei ihr im Haus lebenden Menschen fungierte. Männer mussten für das Essen sorgen.
Bei den Matronalia am 1. März wurde im römischen Vesta-Tempel auch das Feuer frisch entfacht – als Symbol dafür, dass nun die feurige Sonnenkraft auch schon so stark ist, dass die Natur ihren Zyklus auf’s Neue beginnen kann. Die Vestalinnen entzündeten das Feuer im Freien, in der von der Göttin gesegneten Natur und brachten es mit einem „cribrum“ (Siebgefäss) in das Innere des Tempels. 

Natürlich ist auch unser Monat Juni ist nach dieser Göttin benannt und ist in vielen Ländern immer noch der traditionelle Monat für Eheschließungen. Juno steht vor allem für Frauenpower. Die alte Verkörperung der Juno als Lebenskraft der Jugend, ihre vielschichtigen Zuständigkeiten für alle weiblichen Angelegenheiten lassen sie zur umfassenden Frauen-Göttin werden.

Wurde ihr griechisches Pendant Hera zu einer prüden und eifersüchtigen Göttin der Ehe und Familie umgewandelt (was auch diese in ihren Ursprüngen keineswegs war), so hielt Juno diesen Unterstellungen eher Stand.

Sie erinnert Frauen, dass jede eine Juno —  die Leben spendende Macht, die sie führt und beschützt – in sich trägt. Frauen sind praktisch von Juno „beseelt“ und es braucht daher auch keiner aufwändigen Rituale, um die Göttin zu rufen, sie ist im Kern jeder Frau enthalten und ihre Impulse müssen „einfach“ nur gelebt werden.

auch: Iuno  

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