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Lucina bringt das Licht und Kinder ans Licht der Welt. Sie ist damit die Göttin der Schwangeren, Gebärenden und der sich Kinder wünschenden Frauen. Im Christentum wurde aus der Göttin Lucina vermutlich die heilige Lucia (oder Luzia), deren Fest in skandinavischen Ländern am 13. Dezember gefeiert wird.

Die Lichtbringerin

 Lucina bringt das Licht und Kinder ans Licht der Welt. Sie ist damit die Göttin der Schwangeren, Gebärenden und der sich Kinder wünschenden Frauen. Lucina, die oft als ein Aspekt der Juno gesehen wird, wird vor allem von schwangeren Frauen um eine leichte Geburt gebeten.

Wird ein Kind geboren, so sagt man noch heute, es erblickt das Licht der Welt. Das Gebären von Kindern, das unter dem Schutz der Lucina steht, wird als „Anfang des Lichts“ bezeichnet. Wobei sich wahrscheinlich zwei Göttinnen ihre Zuständigkeiten beim Geburtsakt teilten: Candelifera überwacht alle Stadien der Geburt und half den Kindern dabei, ihren Weg durch den Geburtskanal zu finden.

Ist die Geburt vollbracht, so heißt es in manchen Texten, dass Candelifera das Neugeborene der Lucina übergibt, die ihm dann die Augen öffnet und damit „Erleuchtung“ schenkt.

Lucina bringt Kinder also das Licht und Licht in die Welt. Genau deshalb wird sie auch wegen allerlei Augenleiden angerufen.

Der Name Lucina bedeutet eigentlich „kleines Licht“ – steht also für Mondlicht. Aus der Annahme, dass die weibliche Physiologie in enger Beziehung zu den Mondphasen steht, wird Lucina gleichermaßen als Mond- und Geburtsgöttin verehrt. Sie ist auch die Göttin der Mondmysterien.

Die Heilige mit der Lichterkrone

Im Christentum wurde aus der Göttin Lucina vermutlich die heilige Lucia (oder Luzia), deren Fest in skandinavischen Ländern am 13. Dezember gefeiert wird. Sie symbolisiert damit im tiefsten Winter die Wiedergeburt der Sonne und des Lichts. Symbolisch dafür tragen Frauen Lichtkronen.

Lucia soll als Tochter einer gutbürgerlichen Familie um 283 in Sizilien geboren worden sein. Sie konvertiert zum Christentum und um heilig gesprochen zu werden, musste sie eine dieser üblichen schrecklichen Märtyrerinnen-Geschichten über sich ergehen lassen. Sie gelobte ein gottgefälliges Leben in ewiger Jungfräulichkeit zu führen. Und damit weigerte sie sich auch, einen von ihrem Vater auserwählten Mann zu heiraten und wurde dadurch als Christin entlarvt. Sie wurde zum Tode verurteilt und sollte verbrannt werden. Da sie aber in den Flammen unversehrt blieb, wurde sie enthauptet. Auch daran starb sie nicht. Worauf die Todes- und Folterarten auf vielfache Weise jedoch erfolglos weitergeführt wurden (Kehle mit Schwert durchstoßen, mit siedendem Öl übergossen, Augen ausgestochen und noch weitere Unglaublichkeiten).
Die ausgestochenen Augen, mit denen sie noch immer sieht, gelten als Zeichen, dass sie eine Lichtbringerin ist, das gilt nicht nur für das Augenlicht sondern für das zur Wintersonnenwende wiederkehrende Licht. Santa Lucia ist daher auch die Schutzheilige für alle Augenkranke, denen sie das (Augen-)Licht wieder schenken soll.
Abgesehen von der christlichen Faszination an solchen Brutalitäten, könnte das alles auch damit erklärt werden, dass es sich gar nicht um eine menschliche Figur sondern um eine unsterbliche Göttin handelt. Allein die Tatsache, dass sie unversehrt aus dem Feuer entstiegen ist, zeigt ihre eigentliche Funktion als Licht- und damit auch Feuergöttin, der dieses Element nichts anhaben kann, weil sie es ja selbst ist.

Die Legende der menschlichen Lucia erzählt, dass sie ständig in Angst lebte, weil viele ihrer christlichen Schwestern und Brüder zu dieser Zeit verfolgt und für ihren Glauben hingerichtet wurden.
Unerkannt brachte sie Lebensmittel in die finsteren Kellerverließe, in denen sich ihre GlaubensgenossInnen versteckt hatten. Um die Hände frei zu haben und so viel wie möglich tragen zu können, setzte sie sich in den dunklen Gängen einen Kranz mit Kerzen auf. Damit erklärt sich auch der Brauch mit den Lichterkronen.

Von der Mondgöttin zur blutigen Luz

Die ganze Geschichte der Lucia veranlasste die katholische Kirche, sie heilig zu sprechen und damit zum einen die römische Mondgöttin Lucina zu ersetzen, andererseits sollte sie mit ihrem Feiertag am 13. Dezember die alte Muttergöttin Percht ablösen, deren wichtigste Zeit ja gerade im Dezember beginnt. Dieses Vorhaben ist allerdings gründlich misslungen.
Die Menschen vertrauten in den Rauhnächten nicht der zarten, blonden, lichtvollen, heiligen Lucia, der Retterin der verfolgten Christen, der Lichtbringerin im weißen dünnen Kleidchen.
Sie wollten vielmehr – den äußeren Gegebenheiten im Dezember entsprechend – die wilde Percht, die mit ihrer Kraft durch die Lande braust und mit den Winterkräften ringt.


So wurde die mythologische Figur angepasst, und heilige Lucia verwandelte sich in die Kinder mordende Blutige Luz, die Kehrseite der süßen, sanften Lichtbringerin.
Offenbar vertrauten die Menschen wohl eher darauf, dass sie gegen die Dämonen der dunklen Dezembernächte eher gewappnet sind, wenn sie die grausige Luzl an ihrer Seite haben – rot, stark und wild und nicht weiß, scheu und rein wie die Heilige.

Auffallend auch der Wortstamm Luz, der auch im Namen Luzifer steckt, jenem Gegenspieler Gottes, der interessanter Weise ja auch Licht bringt.
Die „ Blutige Luz“ kam auf ähnliche Art wie Luzifer (dem „Lichtbringer“) zu ihrem „schlechten Ruf“, denn in der christlichen Welt sind neben Gottvater und -Sohn halt andere lichtvolle Gestalten nicht so gerne gesehen, selbst wenn sie heilig gesprochen wurden.
So gilt in Ungarn, im slawischen und im süddeutschen Raum die grausige Luzl als Mahnerin des Schicksals ähnlich der Percht und der Holla
Mit der blutigen, wilden Luzl wurde aus der zarten weißen Heiligen letztendlich wieder das, was Lucina in ihrem Ursprung war: Als Mondgöttin war sie Gebieterin über das weibliche Blut, als Geburtsgöttin ist sie natürlich auch immer Schicksalsgöttin. Ein Fragment des Frauen- und Mondblutes hat sich aber auch die Heilige Lucia bewahrt: Über ihren schneeweißen Mondkleid trägt sie immer einen blutroten Gürtel.

Die Tiere von Göttin Lucina sind der Kuckuck und der Marienkäfer.
Das griechische Pendant zu Lucina ist Eileithya.

Der Weizen der Luziennacht

In der Luziennacht (13. Dezember) wurden in früheren Zeiten zahlreiche Orakelbräuche ausgeübt.

In vielen Gegenden von Schwaben bis Ungarn ist es üblich, am Luzientag symbolisch Weizen zu säen. Diese sollen keimen und ein wenig frisches Grün in die winterlichen Wohnräume bringen.
Das kleine Licht und der grüne Weizen – das vereint sich wunderbar in den alten Bräuchen rund um den Lucien-Tag am 13. Dezember.

Dazu werden Weizenkörner auf einen Teller oder in einen Blumentopf gelegt, die man dann auf Erde oder Watte keimen lässt.

Bis zur Wintersonnenwende beginnt der Weizen, wenn er immer wieder neu befeuchtet wird, zu grünen und erinnert so an die Lebenskraft der Erdgöttin und an die sich immer wieder erneuernde Schöpfungskraft in den dunklen Winternächten.

Aus der Länge der Triebe wird auf die Ernte des kommenden Jahres geschlossen. Der etwa auf 10 cm hochgewachsene Weizen wird vielerorts auch am Heiligen Abend in die weihnachtlichen Krippen gelegt. Statt Weizen werden oft auch Linsen (die Luzienlinsen) zum Keimen verwendet. Das Aufstellen von Luzienzweigen und Luzienweizen ist noch heute verbreitet.  

auch: Juno Lucina

 

 

Mehr zu den Mythen rund um Lucina bzw. Lucia finden sich auch im artedea-eBook
 „Das Weizenorakel der Sancta Lucia“

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