Sita ist eine Göttin der Fruchtbarkeit sowie des Ackers, genauer gesagt der gepflügten Felder, der Feldfrüchte und damit der Landwirtschaft. Sie ist eine Tochter der Erdgöttin Bhumi.

Die Starke, Tapfere, Sanfte und Duldsame

Sita ist eine Göttin der Fruchtbarkeit sowie des Ackers, genauer gesagt der gepflügten Felder, der Feldfrüchte und damit der Landwirtschaft. Sie ist eine Tochter der Erdgöttin Bhumi.

Ihr Name Sītā kommt aus dem Sanskrit und bedeutet wörtlich „Ackerfurche“.
Da Hindus an Wiedergeburt glauben, wird Sita als eine Inkarnationen der
Göttin Lakshmi angesehen.
Als Weihegaben werden Sita gekochter Reis und Gerste in einer Brot- bzw. Kuchenform dargebracht. 
Nach Sita ist auch ein Asteroid des inneren Asteroiden-Hauptgürtels benannt.

Tugendhaft, wahrhaftig und standhaft

In der Vorstellungswelt des antiken Indiens ist Sita eine Erdgöttin, die mit Wachstum und Vegetation in Verbindung stand und den Schoß der Erde verkörpert.
Sie ist eine der wichtigsten Frauengestalten in der indischen Mythologie. Neben ihrer Funktion als Erd- und Fruchtbarkeitsgöttin steht sie für Tugendhaftigkeit, Wahrhaftigkeit und ethische Standhaftigkeit.
Besonders symbolisiert sie auch die eheliche Treue. Eine der vielen Geschichten besagt, sie sei einst durch das Feuer gegangen, um ihrem Mann Rama ihre Untreue zu beweisen. 

Sie symbolisierte auch die Wirkung des Pfluges und wurde angerufen, wenn während eines speziellen Fruchtbarkeitsrituals vier Furchen in einen Acker gezogen werden.
Das wird auch als  Allegorie auf ihre Ehe mit ihrem göttlichen Gemahl Rama bzw. Indra angesehen. Sie ist die fruchtbare Erde, ihr Gemahl ist der Pflug


Das impliziert die Notwendigkeit einer Fruchtbarkeit bringenden männlichen Kraft, die die Erdgöttin belebt und erweckt.
Im Rama-Kult wurde sie fast ausschließlich über ihren Ehemann definiert, für den sie sich bis zur Selbstopferung aufgibt. Die Geschichte von Sita und Rama wird ausführlich im altindischen Epos Ramayana erzählt. 

In einer Ackerfurche gefunden 

Der Mythos erzählt, dass sie als kleines Mädchen von Janaka, dem König von Mithila, während des rituellen Pflügens zu Beginn einer landwirtschaftlichen Periode in einer Ackerfurche gefunden wurde. Er nahm sie als seine Tochter an. 
Eines Tages spielte Sita mit ihren Freundinnen mit einem Ball. Dieser rollte während des Spiels unter den Bogen des Shiva und niemand konnte den Ball hervorholen. Sita allerdings hob den Bogen mit Leichtigkeit auf, sodass eine der Spielgefährtinnen den Ball hervorholen konnte. Ihr Ziehvater hatte das Spiel beobachtet und war sehr verwundert über die große Stärke von Sita. Denn der Bogen war so schwer, dass es nicht einmal zehn Männer schafften, diesen anzuheben.
Das war allerdings nicht weiter verwunderlich, dass Sita als Erdgöttin diese Stärke besaß.

Die Herangewachsene will der König nur einem Mann zur Frau geben, der ihr ebenbürtig ist und dem es gelingt, den großen Bogen von Shiva zu spannen. Im Gegensatz zu den anderen Königen gelingt dies dem Prinzen Rama scheinbar mühelos. Danach sollen sie einander voller gegenseitiger Liebe geheiratet haben.

Das Exil im Wald

Einige Zeit, nachdem Rama die schöne Sita geheiratet hat, begleitet sie ihn freiwillig ins Exil in die Wälder, wo sie in einer Einsiedelei vierzehn Jahre ein einfaches Leben führen. Damit wird sie auch eine Göttin des Waldes und dessen Tieren und Pflanzen, deren wahren Seelen sie gut kennt und versteht.
Im Ramayana zeigt sich ihr Bezug zur Fruchtbarkeit dadurch, dass die Natur auf ihre Handlungen reagiert, z.B. dass ihr die Tiere helfen und sie schützen und auch Pflanzen auf sie reagieren. 
Im Wald wurde sie vom Dämonen Ravana entführt, der sie in sein Harem integrieren wollte, wogegen Sita sich aber erfolgreich wehrte.
Rama suchte Sita verzweifelt überall.

Die Feuerprobe und die Rückkehr zur Erdmutter

Vom Dämonen endlich befreit, gab es am Königshof Getratsche, ob Sita ihrem Rama treu geblieben war. Darauf machte sie eine Feuerprobe, die ihre Treue unter Beweis stellte.
Sita ging furchtlos durch ein Feuer. Der Gott des Feuers hielt Sita in seinen Armen und als sie unversehrt wieder aus den Flammen heraustrat, rief dieser aus: „Oh Rama! Dies ist Deine Sita! Sie ist völlig rein und unschuldig.“ 

Schließlich brachte sie in ihrer Einsiedelei im Wald die Zwillingssöhne Kusha („Gras“) und Lava („Geschnittenes“) zur Welt und war danach eine allein erziehende Mutter. Denn ihr Mann Rama will nämlich seine Vaterschaft nicht anerkennen, obwohl Sima beteuert, nie an einen anderen Mann gedacht zu haben. 
Verzweifelt und zornig bittet sie ihre Mutter, die Erde (Bhumi), ihren Schoß für sie zu öffnen.

Sogleich gab Mutter Erde nach und aus ihr bricht ein von Schlangen getragener Thron. Danach kam aus dem Erdspalt ein anmutiges Wesen von göttlicher Gestalt und Ausstrahlung.
Diese nahm Sita mit heftiger Zuneigung und Liebe in ihre Arme, worauf sie im selben Augenblick verschwand. Die Zuschauenden erstarrten vor Ehrfurcht und Verwunderung. 

Als Rama den Ernst der Lage erkennt, protestiert er zwar, doch vergebens.
Die Erde nahm ihre Tochter wieder in sich auf, die findet, dass ihr Mann sie als Ehefrau nicht verdient hat.

Diese Aufnahme der Sita in ihre Mutter Bhumi symbolisiert auch den natürlichen Vorgang in der Landwirtschaft, in der die Ackerscholle der gepflügten Erde nach Beendigung eines Erntezyklus wieder in den Urgrund der Erde zurückkehrt. Dadurch wird Fruchtbarkeit im nächsten Erntezyklus möglich.
Die Erde ist sich dabei immer selbst „treu“ und muss nichts und niemanden Rechenschaft darüber ablegen, warum sie fruchtbar ist.  

Vorbild für indische Frauen

Sita ist einerseits das Symbol für die weibliche Sanftheit und Duldsamkeit, für Durchhaltevermögen, Geduld, Selbstaufopferungsgabe und Nachsicht – ganz so wie es ein Acker ist, der sich dem Pflug hingibt.
Sie folgt vorerst Rama bereitwillig in allem. 
Andererseits ist sie konsequent und unbarmherzig, als sich herausstellt, dass ihr Ehemann nicht hinter ihr steht und ihr nicht glaubt.
Aber auch schon davor würde die ganze Geschichte ihrer Ehe ohne ihre Handlungen nicht so voran schreiten. Sie treibt Rama an und ist seine motivierende Kraft. 

Diese beiden gegensätzlichen Kräfte entsprechen sehr den Eigenschaften einer Erdgöttin: Lange lässt die Erde geduldig alles mit sich machen, um dann umso heftiger ihre Naturgewalt zu zeigen.

Sita gilt im heutigen Indien immer noch als Vorbild für viele Frauen.
Allerdings sind die gegensätzlichen Aspekte auch im traditionelle Frauenbild Indiens sichtbar: Viele Frauen leben die demütige, duldsame Seite von Sita und müssen Diskriminierung und Gewalt über sich ergehen lassen.
Ihre bürgerlichen Rechte werden durch ihre Familien zum Teil in erheblichem Maße außer Kraft gesetzt bzw. ignorier
t.    

Aber es sind auch über eine Million wichtiger Ämter und Positionen in den Städten, den Gemeinden, in der Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft von Frauen besetzt und lange Zeit war Indra Gandhi „die Frau“ an der Spitze des Staates. Und es hat sich eine sehr starke Frauenbewegung gebildet, die viel für die Frauen Indiens bewirkt hat. 

Sita gilt in den Mythen nicht nur als die stärkste sondern auch die tapferste Frau der Welt, denn sie bewältigte viele Widrigkeiten, harte Prüfungen und großes Leid – so wie die Erde, deren Göttin sie ist. 

auch: Sri Sita Mata, Sītā

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