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Garmangabis ist die germanische Göttin des Gebens und Schenkens. Sie kann als eine Göttin angesehen werden, an die sich die Menschen wandten, wenn sie sich etwas intensiv wünschten

 

Die bereitwillige Gebende

Garmangabis ist die germanische Göttin des Gebens und Schenkens.
Der Name dieser Göttin ist vermutlich entweder germanischen oder keltisch-gallischen Ursprungs.
Es handelt es sich um die Zusammensetzung aus den Gliedern „Gar-“. „-man-“ und „gabi(s)“.
Der Stamm „Gar-“ bzw. „Ger-“ bedeutet „begehren, intensiv wünschen“ (indogermanisch „ĝher“).
Das „-man-“ (bzw. -mon-, -men-), zeigt das Ergebnis einer Handlung an (wie Samen = „was ausgesät wird“).
Abhängig von der Interpretation des Stammes könnte der germanische Wortstamm „gabi(s)“ – geben, schenken oder bieten bedeuten, die keltische Interpretation ist „annehmen“
Dieses Wortelement „-gabi“-findet sich auch in den englischen Wörtern „gift“ und „give“ oder im deutschen „Gabe“.
Die Idee des Geschenks erscheint in der nördlichen Ideologie auch in den Runen. Die siebte Rune ist Gebo und bedeutet Geschenk.
Es gibt Theorien, dass sie mit der dänisch-germanischen Gefjon gleichzusetzen ist, die auch eine gebende Göttin ist.

Die „zuhörende“ und Wunsch erfüllende Göttin

Garmangabis kann also als eine Göttin angesehen werden, an die sich die Menschen wandten, wenn sie sich etwas intensiv wünschten. Das Ergebnis dieser Wünsche oder Gebete ist dann ein Geschenk, das sie von der Göttin erhalten. Sie ist eine „zuhörende“ und Wunsch erfüllende Göttin und wurde auch als „die reichlich Spendende“, „die bereitwillige Gebende“ verehrt.
Garmangabis gehört vermutlich zu jenen Göttinnen, die Matres oder Matronen genannt werden – mütterliche Gestalten, die manchmal Namen haben, die mit dem Geben verbunden sind: Friagabis (freundliches Geben) und Alagabiae (alles Geben).
Aus dem alten Gallischen übersetzt verweist das „-gabi“ in Garmangabis auf den Begriff „zum Mitnehmen“ und „Garman“ bzw. „Garo“ heißt „Schreien“ (verwandt mit dem altirischen „Gajir“ bzw. „Gairm“ und dem Walisischen „Gawr“). Das „Schreien“ und das „Mitnehmen“ wird dahingehend interpretiert, dass diese Göttin die Schreie – und damit wohl auch die Sorgen und den Schmerz – mitnimmt. Eine ihre Bezeichnungen ist daher „Sie, die die Schreie wegnimmt“.

Es gibt auch eine Verbindung zur indogermanischen Wurzeln „gab-yo“ (= „greifen“) sowie „karb-agno“ (= Weberbaum). Die Verbindung zu diesem Weberbaum könnte auch auf ihre Funktion als Schicksalsgöttin deuten. Schicksalsgöttinnen wie die Nornen oder die Moiren werden ja immer als Weberinnen des Schicksals- und Lebensfadens dargestellt.

Weiheinschrift auf Votivstein

Garmangabis wurde in England zur Römerzeit verehrt. Bekannt ist der Name dieser Göttin, weil er 1893 in Großbritannien auf einer Weiheinschrift eines Votivsteins im nordenglischen Ort Lanchester, Durham bei Bauarbeiten für Wasserleitungen gefunden wurde. Der Fundort liegt südlich des Hadrianswalls aus dem 3. Jahrhundert. Der Votivstein ist seitdem im Portal der „All Saints“ Kirche in Lanchester aufgestellt.

Diese Inschrift lautet: 
Deae Gar/mangabi /
et N(umini) Gordiani Aug(usti) n(ostri) pr[o] /
sal(ute) vex(illationis) Suebo/rum Lon(govicianorum) Gor(dianae)
vo/tum solverunt m(erito)

Übersetzt heißt dies:
„Für die Göttin Garmangabis und den heiligen Geist des Anführers Gordianus zum Wohlergehen und der Ablösung der Suebianer in Gordianus‘ Legionen haben die Soldaten ihren Schwur zu Recht erfüllt“.

Diese Suebianer (Sueben) waren eine Stammesgruppe germanischer Völker, die einst im Nordosten der Germania magna an der Ostsee bis zu den deutschen Mittelgebirgen lebte. Sie dienten der römischen Armee und bedankten sich offenbar bei der Göttin, dass es ihnen während ihres Militärdienstes gut erging und sie abgelöst wurden.
Auch wenn der Name Garmangabis in England gefunden wurde, so verweist dieser doch auf eine Göttin, die von den germanischen Neckar-Sueben verehrt wurde.

auch: Deae Garmangabi

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