In manchem alten Wappen sieht man Vereina heute noch in ihrer ursprünglichen Gestalt. Die Flussfrau mit den zwei Fischschwänzen. Sie ist noch heute die Hüterin der Fruchtbarkeit spendenden und heilkräftigen Quellen.

Segen bringende Flussfrau

Vereina2Besonders in der Schweiz ist Vereina immer noch sehr bekannt. Es gibt Vereina-Orte soweit das Auge reicht und in kaum einem Land gibt es so viele Frauen namens Verena.

Ihre Spuren finden sich aber auch im Schwarzwald, auf der Schwäbischen Alb und in Bayern wieder. Heute wird sie vor allem als Heilige verehrt. Ihre eigentliche Herkunft wird jedoch in der keltischen Mythologie vermutet.

Wenn man auf der Suche nach ihr in Sagen, Geschichten und alten Büchern stöbert findet man immer wieder Ähnlichkeiten zu Göttinnen anderer Regionen und Kulturen, z.B. zur Holla, Venus und Freya (bei letzteren ist natürlich auch eine etymologische Verbindung zu sehen: Vrena – Freya). 
Ihr waren und sind zahlreiche Berge und Hügel, Quellen und Flüsse, Schluchten und Kultsteine geweiht, an denen die Menschen sie besuchen und um Heilung oder ähnliches bitten.

Umwandlung in eine Heilige

Die Macht und Kraft der alten Göttin war allgegenwärtig und das störte die christlichen Kirchenväter natürlich immens. So ging es Vereina wie vielen alten Muttergöttinnen: Sie wurde in eine Heilige umgewandelt.
Die meisten kennen sie heute nur noch als „Heilige Verena“. Man dichtete ihr eine seltsame Herkunftsgeschichte an, die historisch in keinster Weise belegbar ist: So wird von einer Frau aus Theben in Ägypten berichtet, die im 3. Jhdt. n.d.Z. zusammen mit der „thebäischen Legion“, deren Existenz umstritten ist, erst nach Italien und dann in die Schweiz gelangte. Nach dem Tod ihres Verlobten und den Soldaten der thebäischen Legion soll sie sich in eine Höhle einer Schlucht zurück gezogen haben, die heute „Verenaschlucht“ heißt. Dort soll sie sich der Kranken und Bedürftigen angenommen haben, armen Kindern sie die Haare gekämmt und das Gesicht gewaschen haben. 
In dieser Höhle soll die Heilige Verena zusammen mit einer alten weisen Frau gelebt haben. Dies deutet darauf hin, dass diese alte Weise die Muttergöttin Vereina höchstpersönlich ist und die Menschen auf diese Weise in ihren Erzählungen Bezug auf sie nahmen, ohne die Kirche zu verärgern. Die Alte soll an ihrem Spinnrad ihre Fäden gesponnen und danach gewebt haben. Das deutet auf ihre Funktion als Schicksalsgöttin hin. Die Heilige Verena, also die Junge, soll diese Webarbeiten verkaufthaben, das heißt, sie hat das von der Alten gewebte Schicksal zu den Menschen gebracht. Und man erzählt sich auch, dass sie die Neugeborenen aus den Felsen, den Höhlen und den Bächen der Schlucht geholt hat. Noch heute kann man in der Verenaschlucht viele Löcher erkennen, aus denen laut Legende die Kinder kommen. Die Mythen um die Göttin erzählen jedenfalls, dass sie durch ihre magische Heilkraft so manchen Kinderwunsch erfülle.


Die Höhle der Verena kann übrigens nicht mehr betreten werden, denn sie wurde mit einer Kapelle zugebaut. Eine weitere Kapelle steht direkt gegenüber. Es wurden also keine Mühen gescheut, die Göttin an diesem und anderen Orten in Vergessenheit geraten zu lassen und den Kult der „zum Märchen gewordenen Gestalt einer heidnischen Mutter- und Heilgöttin zu zerstören. Und dennoch gelang es nicht die Göttin gänzlich zu überdecken. Ihre Energie ist allgegenwärtig, in jedem Bach, in jeden Fluss, in den Bergen, Wiesen und Schluchten der ganzen Schweiz. Noch immer werden zahlreiche alte Volkslieder über sie gesungen und ihre Geschichten und Legenden erzählt.
Und da gibt es auch zwischen Klosters im Prättigau mit Sagliains im Engadin den 19.042 Meter langen Vereinatunnel, das ist der weltweit längste Eisenbahntunnel. Die Schreibweise Vereina mit dem i lässt darauf schließen, dass hier nicht auf die die Heilige Verena (ohne i), sondern auf die alte Göttin Bezug genommen wurde. Und so gibt es wieder eine imposante Grotte, über die sie schützend wacht.

In manchem alten Wappen sieht man Vereina heute noch in ihrer ursprünglichen Gestalt: Als Flussfrau mit zwei Fischschwänzen. Sie ist noch heute die Hüterin der Fruchtbarkeit spendenden und heilkräftigen Quellen.

Der Legende nach vermochte sie es, auf einem Stein flussaufwärts zu fahren. Früher pilgerte das Volk wie auch der Adel zu ihren Kultstätten und riefen sie um Schutz und Segen an.

Krug und Kamm

Im Mittelalter wurde sie mit Krug und Kamm dargestellt.
Der Krug kann als Symbol der fließenden, nährenden Kraft gedeutet werden, die von dieser Göttin ausgeht. Krüge von Göttinnen sind auch immer ein Symbol für die Gebärmutter, aus der neues Leben kommt, wie aus den Höhlen, aus denen die Göttin die Neugeborenen bringt.
Der Kamm lässt darauf schließen, dass sie auch etwas mit der Liebes- und Schönheitsgöttin Venus zu tun hat, dies wurde im christlichen Sinn umgewandelt, indem man erzählte, sie hätte arme Kinder gewaschen und gekämmt. Der Kamm steht aber auch für den Webkamm, Symbol der Schicksalsgöttinnen, der großen Weberinnen.

Wahrscheinlich hat sie auch mit der Göttin Verbeia, die im britischen Raum zu finden ist, gleiche Wurzeln.

auch: Verena, Vrena, Vrene, Frau Vrenes, Frene, Vreneli

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