Gayatri – Hinduistische Göttin, die als Personifikation des Gayatri-Mantras gilt

Gayatri verkörpert die erwachte Dimension des Menschen und spendet Segen für spirituelle Erleuchtung.Als Muttergöttin vertreibt Gayatri die Wolken der Ignoranz, damit Menschen wieder die Sonne sehen können, die immer hinter den Wolken scheint.

 Singende Erleuchtung

Gayatri1Gayatri verkörpert die erwachte Dimension des Menschen und spendet Segen für spirituelle Erleuchtung. Als Muttergöttin vertreibt Gayatri die Wolken der Ignoranz, damit Menschen wieder die Sonne sehen können, die immer hinter den Wolken scheint.
Vor allem aber, damit die Menschen ihr eigenes helles, strahlendes, sonniges Wesen erkennen können, das auch in Zeiten tiefster emotionaler Dunkelheit und Verzweiflung immer da ist.

Das Mantra der Göttin

Gayatri hat dafür auch eine sehr einfache und praktikable Technikzur Verfügung gestellt —  das Gayatri-Mantra. Mit dem Rezitieren bzw. dem rituellen Singen dieses Mantras wendet man sich an die höchste Intelligenz, an die Quelle allen Lichts.

Dies mit der Bitte, die begrenzte Intelligenz des eigenen Seins zu beleben, zu nähren und zu inspirieren. Gayatri selbst wendet sich mit diesem Mantra an die Göttin Savitri. Zusammen mit ihr und Sarasvati , der Göttin der Weisheit repräsentiert sie die drei Phasen der Sonne im Tageslauf.

Daher wird das Mantra traditionell auch dreimal täglich gesungen:
Gayatri steht für die aufgehende Sonne und das Morgengebet, Savitri verkörpert die Sonne zu Mittag sowie das Mittagsgebet während Sarasvati die untergehende Sonne sowie das Abendgebet darstellt.

Das Gayatri-Mantra mit seinen vierundzwanzig Silben gilt daher als populärste vedische Hymne. Es ist für viele Hindus das tägliche Gebet. Es gibt einige Versionen darüber, wie oft es rezitiert wird: Mindestens 3 Mal täglich je 3 Mal Oder 3 Mal täglich je 33 Mal oder täglich insgesamt 108 Mal —  für die 108 Namen und Attribute alle der von den Hindus angebeteten Gottheiten.

Über das Gayatri-Mantra gibt es in vielen hinduistischen Schriften, in den Upanishaden ebenso wie in der Bhagavadgita und auch in der späteren Literatur unzählige Hinweise auf dessen Heiligkeit und mystische Bedeutung. Weltweit singen Menschen dieses tief berührende Gayatri Mantra. Es gilt als eines der ältesten Gebete der Menschheit und wird in der antiken Sanskrit-Sprache gesungen.

Dieser heilige Gesang —  so sagt man —  dreht sich vom Herz des/der SängerIn spiralförmig durch das ganze Universum. Es fokussiert auf Frieden und erleuchtetes Bewusstsein für Alle und Alles.

Die Sprache, die singt und die alle Furcht überwindet

Gayatri als göttliche Repräsentin dieses Mantras wird daher als das all existierende Sein verehrt. Sie ist auch die Göttin der Sprache und des Versmaßes, denn es ist „die Sprache, die singt und die alle Furcht überwindet“. (Chandogya Up. III.12.1.-6)

Ein Beispiel der Lobpreisung Gayatris aus den Upanishaden:
O Gayatri, du bist die Lebenskraft und der Glanz in Allem
Du bist der Ursprung und Nahrung der Himmlischen
Du bist das Universum und auch sein Bestand
Du bist alles was existiert und dessen Lebensspanne
Du übertriffst alles Du bist die Wahrheit des Pranava (Om)
Ich erwecke dich als Gayatri, Spenderin der Erleuchtung
Ich erwecke dich als Savitri, Spender des Lebens
Ich erwecke dich als Sarasvati, Spenderin von Weisheit (Mahanarayana Up.XXV.1)

Schöpfung aus drei Kuhdunghaufen

Die Mythologie erzählt, dass sie aus drei Kuhdunghaufen geschaffen wurde (Gaya= Kuhdung, tri= drei). Ihr Reittier ist die Kuh, die in vielen Kulturen als das mütterlichste aller Tiere gilt und die bei den Hindus auch heilig ist.

Angeblich wurde Gayatri durch einen Zufall die zweite Gattin des Schöpfergottes Brahma: Als er ein Ritual vollziehen wollte, bei dem die Anwesenheit seiner Gattin Sarasvati erforderlich war, ließ diese auf sich warten. Augenblicklich heiratete Brahma daraufhin Gayatri, um das Ritual ausführen zu können.
Als Sarasvati davon erfuhr, verwünscht sie Brahma zornerfüllt dazu, nur einmal im Jahr Mittelpunkt religiöser Verehrung zu sein.

Gayatri wird meist als schöne Göttin in einer roten Lotosblüte sitzend dargestellt. Diese Lotusblüte steht für Wohlstand und Fülle. Sie hat oft fünf Köpfe in verschiedenen Farben, mit zehn anmutigen Augen. In ihren zwei, vier oder zehn Armen hält sie verschiedene Dinge. Meist ist ein Schwan ihr Begleittier.

Jedes ihrer Gesichter hat eine besondere Bedeutung:

Das perlenfarbene Gesicht repräsentiert Glanz und Großartigkeit. Nach einer alten Geschichte fallen Regentropfen von den Sternen direkt in den Mund der Meeresschnecken, die daraus Perlen machen.

Wenn man das korallenfarbige Gesicht anschaut, dann offenbart sich das Prinzip des „nitchala Tattwa“, und verleiht einen ruhigen Geist.

Das goldene Gesicht verleiht Gayatri und allen, die sie betrachten, außergewöhnliche, ja fast überirdische Anmut.

Das blaue Gesicht repräsentiert die Weite des Himmels und des Meeres und steht damit für Fülle und Wohlstand.

Das weiße Gesicht ist die pure Reinheit, vor allem Reinheit des Geistes und Weisheit und verstrahlt göttliche Gunst.

Mit ihren zehn Augen kann sie in alle acht Richtungen blicken, das neunte und das zehnte sind zu Erde und Himmel gerichtet und damit ist sie immer mit dem Göttlichen verbunden.
Mit den ersten fünf ihrer zehn Hände kann sie alles nehmen, das die Erde schenkt, die anderen fünf Hände greifen nach dem göttlichen Glück.
Die Sonne, an die sich das Gayatri-Mantra richtet, bedeutet nicht nur den physikalischen Himmelskörper, der das gesamte Leben schafft und von dem es abhängt, den Hindu-Schriften dient sie auch als Metapher mit spiritueller Bedeutung: Als Lebenskraft und als Glanz in Allem sowie als Spenderin der Erleuchtung.

Strahlkraft und Erleuchtungsmomente

Wenn Frauen ihre Strahlkraft ehren bzw. Erleuchtungsmomente erleben wollen, dann sind sie bei Gayatri richtig.
Ein alter Spruch besa
gt: Wende dein Gesicht der Sonne zu —  so fallen die Schatten hinter dich. So einfach ist ein Ritual für diese Göttin.

Wobei es hier natürlich nicht nur um die Himmelssonne geht, sondern um das Anziehende, Strahlende im Leben.
Zum Glück hilft uns hier auch ein einfaches physikalisches Prinzip: Wie einfach ist es, mit einer einzigen Kerze einen dunklen Raum zu erhellen. Wie schwierig hingegen, das Licht zu vertreiben. Da muss man sich ganz schön anstrengen und alle Ritzen zustopfen, damit jeder Lichtstrahl draußen bleibt.

Wenn du dich ärgerst, kränkst, missmutig bist, wende dich von dem ab, das deine Sinne verdunkelt, wende deine Aufmerksamkeit der Sonne, dem Glanz, dem Schönen zu und lass die Schatten hinter dich fallen. Du wirst sehen, Gayatri vertreibt die dunklen Wolken …

Ein Beispiel für das Gayatri-Mantra

Sanskrit: गायत्री gāyatrī

Kommentar verfassen