Rheia – Griechische, kretische, vorhellenistische Mutter-, Erd- und Schöpfungsgöttin

Ursprünglich ist Rheia kretisch-minoischer Herkunft – eine Riesin, die große Bergmutter, die im Ida-Gebirge auf Kreta manifestiert sein soll. Sie war im matriarchal strukturierten Kreta die universelle Mutter, die keinen Gemahl hatte und alle Lebensbereiche abdeckte – die Erde selbst, die alle Geschöpfe aus ihrem wilden und fruchtbaren Wesen hervorbringt und wieder in sich aufnimmt bzw. verschlingt.

Ursprüngliche Macht 

Ursprünglich ist Rheia kretisch-minoischer Herkunft — eine Riesin, die große Bergmutter, die im Ida-Gebirge auf Kreta manifestiert sein soll.

Sie war im matriarchal strukturierten Kreta die universelle Mutter, die keinen Gemahl hatte und alle Lebensbereiche abdeckte — die Erde selbst, die alle Geschöpfe aus ihrem wilden und fruchtbaren Wesen hervorbringt und wieder in sich aufnimmt bzw. verschlingt.

Wohnt im Erdkern als Königin des kreisenden Universums

Als Erdmutter wohnt „Rheia mit der weißen Sternenspur“ im Erdkern, als „Königin des kreisenden Universums“ im Zentrum der Milchstraße, unserer Galaxie. Sie ist die Urmutter. Ihr Schoß ist der Kessel der Schöpfung.

Nach Überlieferungen wurde Rheia, die riesenhafte Göttin, neben der alle Männer kleinwinzig erschienen, mit mystischen Orgien leidenschaftlich verehrt, bei denen Musikzüge mit Pfeifen und Zimbeln aufspielten. Ihre Symbole waren flammende Fackeln, Messingtrommeln und die Doppelaxt.

Alte Mutterreligion adaptiert für den olympischen Pantheon

Als die matriarchale Struktur Kretas durch patriarchal geprägte hellenistischer Stämme mit ihren männlichen Göttern beeinflusst und schließlich erobert wurde, mussten viele der ehemals Großen Göttinnen für den olympischen Pantheon adaptiert werden, denn ganz abschaffen konnten die neuen patriarchalen Herrscher die alte Mutterreligion nicht.

Rheia wurde so zur Titanin, also gehörte damit nur einer zweiten Garnitur der Gottheiten an. Sie wird aber immerhin als Tochter der Gaia und des Uranos und, Schwester und Gemahlin des Kronos, die Mutter der bedeutender GöttInnen: Hera, Hestia, Demeter, Hades, Poseidon und Zeus.

Der Vater, der die Kinder frisst

Rheias Bruder und Gemahl Kronos fürchtete, von seinen Kinder gestürzt zu werden und verschlang die ersten fünf daher gleich nach der Geburt. Rheia, zum sechsten Mal schwanger, bat ihre Eltern um Hilfe, welche sie zum Gebären des Zeus nach Lyktos auf Kreta schickten. Rheia wickelte einen Stein in Windeln und gab diesen statt des Sohnes ihrem Mann zu schlucken.

In einer geheimen Höhle im kretischen Ida-Gebirge (also in Rheia selbst) wurde Zeus versteckt und von den Göttinnen Amaltheia und Mellonia versorgt. Zeus stürzte schließlich seinen Vater Kronos und befreite seine Geschwister wieder aus dessen Bauch.

Dazu war aber der weise Rat der Göttin Metis notwendig, die ein Brechmittel kannte, nach dessen Einnahme Kronos erst den Stein, dann seine verschlungenen Kinder wieder erbrach. Rheia, ihre Mutter Gaia und ihre Töchter Hera (bzw. auch Demeter gelten alle als Vertreterinnen und Verkörperungen der Großen Göttin.

Da diese Göttinnen große Ähnlichkeiten miteinander haben — sie haben alle herausragende erdverbundene Eigenschaften, ihre Männer hatten alle Angst vor den eigenen Kindern gestürzt zu werden — nimmt man an, dass es sich um immer dieselbe Göttin in anderer Gestalt bzw. um eine dreifaltige Göttin handelt.

Hera — He Era (= die Erde) gilt vor allem als jugendliches Selbst der Rheia, deren Namen sich auch mit einer Verdrehung der Buchstaben Hera-Rhea gleichen.

Nicht allein auf die Ägäis beschränkt

Die kretisch-minoische Große Göttin Rheia war nicht allein auf die Ägäis beschränkt. Bei den alten Volksstämmen in Südrussland war sie Rha, die Rote.
Eine Verwandtschaft als Mutter der Zeit besteht auch zu der indischen Kali — als Gebärende und Alles-Verschlingende, als Mutter, die Geburt und Tod bringt sowie als Gebieterin über Zeit und Raum. Sinnverwandt steht die Wortwurzel des Namens Rheia, era, noch heute für die zyklische Ära.

Als Rheia in den olympischen Pantheon integriert wurde, verlor sie zugunsten ihres Mannes Kronos (oder Chronos) diese Wesensmerkmale. Er war nun der Vater der Zeit, er verschlang nun seine Kinder. Wobei es schon einen wesentlichen Unterschied macht, ob die Muttergöttin, jene die Kinder gebärt diese dann auch wieder verschlingt und in sich aufnimmt (um sie wieder neu zu gebären) oder ob das Verschlingen zur Männersache wird. Kronos kastrierte und tötete schließlich seinen Vater Uranos und wurde seinerseits vom eigenen Sohn Zeus bedroht.

Ursprünglich war es „Rheia Kronia“, die als Mutter der Zeit die kastrierende Mondsichel als Sense schwang und den Himmelsvater, den Sonnen- und Getreidegott hinmähte, damit es etwas zu ernten gab und die Natur vom Sommer in den Herbst und Winter gehen kann, um wieder im Frühjahr neu zu erwachen.

Verbot der monogamen Ehe

Mit der Übernahme der patriarchal strukturierten Olympioniken wurde vieles anders. So vergewaltigte Zeus auch seine Mutter Rheia, weil sie ihm eine monogame Ehe verbot (in ihrer ursprünglichen Kultur wurde die Gruppenehe praktiziert).
Dies als interessantes Detail der griechischen Mythologie, in der Zeus ja nicht gerade als monogamer Ehemann bekannt war. Rheia und Hera, die in der olympischen Götterwelt immer mehr zu einer Figur verschmolzen wurden, symbolisieren diese männliche Wahrnehmung auch tausende Jahre danach eindrucksvoll.

Die liebreizende junge Ehefrau Hera wird vom Ehemann im Laufe der Zeit immer mehr als Mutter (Rheia) wahrgenommen. Dies nimmt er zum Anlass, sich mit anderen Schönheiten zu vergnügen, um dann immer wieder heim ins gemütliche Nest von Muttern zurückkehren zu können. Bloß, dass daheim eigentlich nicht Mami sondern die mit Recht erzürnte Frau Gemahlin wartet — bis sie eines Tages nicht mehr wartet …

Drachenkraft der alten Göttin

Rheia-Hera hatte irgendwann auch einmal die Nase voll und besann sich ihrer ursprünglichen Geburtsmagie und brachte in Parthenogenese die Schlange Python zur Welt, was an den Mythos der Eurynome (eine Ausdrucksform der Rheia) erinnert, die auch aus sich selbst heraus den Schlangengott Ophion geboren hat.
Mit Python, der hellsichtigen Schlange des Orakels von Delphi hat Rheia auch wieder die
Drachenkraft der alten Göttin züruck in die Welt gebracht.

Rheia erinnert Frauen an ihre ursprüngliche Macht, an ihre Riesen-Kräfte, an ihre Fähigkeit, alles aus sich selbst zu schöpfen.

Sie — als ursprüngliche Beherrscherin von Zeit und Raum — mahnt Frauen, sich die Verwendung dieser beiden Dimensionen nicht von den Männern wegnehmen zu lassen, so wie sie es getan hat.

Sie steht für alles Matrilineare, für die Kraft, das Wissen und die Macht die von den Müttern auf die Töchter übergeht.

auch: Rhea

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