Mylitta – Babylonisch-phönizisch-sumerische Göttin des Mondes und der Fruchtbarkeit

Mylitta ist für die Zeugung und die Geburt, für Wohlstand und (sexuelle) Liebe zuständig. Sie ist die weibliche Hauptgottheit Babyloniens.

Die geschickte Zauberin

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Mylitta ist für die Zeugung und die Geburt, für Wohlstand und (sexuelle) Liebe zuständig. Sie ist die weibliche Hauptgottheit Babyloniens und ist möglicherweise identisch mit Ascherah.

Ihr Heiligtum war neben der heiligen Quelle von Afka. Es heißt, dass in diese Quelle regelmäßig Feuer fiel. Dies erneuerte die Jugendkraft der Göttin. Mylitta war damit fähig, die Kraft des strömenden Wassers mit der Energie des himmlischen Feuers zu verbinden. Dies war der Inbegriff der höchsten sexuellen Energie, der von Mylitta und ihren Tempelpriesterinnen verkörpert wurde.

Dieser unglaublich magische, spirituelle und alchemische Akt wurde offenbar in ihren Tempeln auf körperliche Art nachvollzogen und gefeiert. Ihr Beiname ist daher auch die „geschickte Zauberin“.

Feier des Lebens und der Sexualkraft in ihren Tempeln

In herkömmlichen Beschreibungen wird Mylitta daher zuallererst immer gleich mit „Tempelprostitution“ in Verbindung gebracht.

Nach den Aufzeichnungen von Herodot und nach hebräischen Schriften musste sich jede babylonische Jungfrau zu Ehren der Göttin Mylitta einmal im Leben in Tempel für „Liebesdienste“ hingeben – für eine Summe an Geld, die vom Tempel bestimmt wurde und dem Tempel zugute kam. Herodot beschreibt, wie sich babylonische Priesterinnen mit bekränzten Häuptern in Weihrauchdüften Fremde erwarteten, um mit ihnen heilige Riten der Liebe zu vollziehen. Reisende aus Griechenland und Rom, die in den Genuss dieser Tempelfreuden kamen, sahen all dies allerdings aus männlicher Sicht, und nannten Mylitta daher die Göttin des Verlangens, die sie mit Aphrodite und Venus gleichsetzten.

Der zugrunde liegende heilige Akt blieb den Männern offenbar verborgen. Es scheint sich dabei nämlich, wie bei vielen anderen Göttinnen, deren Priesterinnen „Tempelprostitution“ zugeschrieben wird, um die Feier des Lebens und der Sexualkraft gehandelt zu haben, ein Fruchtbarkeitsritual bzw. um einen Göttinnendienst, bei dem das höchste Gut der Menschheit — nämlich die Fähigkeit zur Fortpflanzung und zur Lust — zelebriert wurde. Erst in patriarchalen Gesellschaften wurde dies mit Prostitution bezeichnet und bekam eine abfällige Wertung.

Ihre ursprünglichen Namen sind Mulitta bzw. Mu’Allidtu, da diese Göttin besonders durch die Beschreibungen von Herodot über die Kultur des alten Phöniziens bekannt ist, kennt man vor allem ihren ins Griechische übersetzten Namen Mylitta.

Haarschnitt zu Ehren der Göttin

Die Anhängerinnen der Mylitta schnitten sich bei Eintritt ihrer Geschlechtsreife ihre Haare kurz, um der Göttin ihre Jugendlocken zu opfern.

Die heiligen Tiere der Mylitta sind Fische und Tauben. Die Taube weist ihr auch den Status einer Muttergöttinnen zu, deren Zeichen in vielen Kulturen die Taube ist (siehe auch Sophia, Anahita, Aphrodite, Astarte).

Manche Darstellungen zeigen sie als nackte, bärtige Frau, die auf einer Schildkröte oder einem Ziegenbock reitet.
Als Mondgöttin war sie für die zyklische Kraft der Fruchtbarkeit (von Menschen, Tieren und Pflanzen) zuständig.

auch: Mulitta, Mu’Allidtu, Alitta

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