Tamfana gilt als älteste belegte der germanischen Gottheiten, die besonders vom Stamm der Marsen (Friesen) verehrt wurden. Als Erd- bzw. Erntegöttin ist sie eine Gebieterin über die Zeit, bzw. auch die Gebieterin über das Abgemessene bzw. über das Zeitmaß.

Gebieterin über das Abgemessene

Tamfana gilt als älteste belegte der germanischen Gottheiten, die besonders vom Stamm der Marsen (Friesen) verehrt wurden. Überliefert wurde sie von Tacitus in dessen Annalen.

Die Bezeichnung Tamfana bedeutet eigentlich „großer Hain“ (tam = so, so sehr / fanum = Hain, Heiligtum). In diesem Hain schien es also ein Heiligtum gegeben zu haben, Tacitus beschreibt, wie Caesar Germanicus ein Heiligtum der Marsen (zwischen Lippe und Ruhr) dem Erdboden gleichmachte. Das Original spricht aber wörtlich von einem „gefeierten Tempel“, den sie „großer Hain“ nannten.
Bei diesem Tempel bzw. Hain wurden auch Herbst- bzw. Erntefeste abgehalten. Nach dem Bericht von Tacitus wurde dort ein nächtliches ausgelassenes Fest mit Bankett und Alkohol gefeiert. Ältere Forschungen terminierten dieses auf Ende Oktober oder zum Vollmond als ein Winterfest. Wahrscheinlicher ist jedoch ein Datum Ende September. Das Fest könnte somit möglicherweise mit dem Datum der Herbst-Tag-und-Nachtgleiche zusammenhängen und damit ein Erntedankfest gewesen sein. 
In den Nächten der Tamfana wurde der „Wechsel des Jahres“ gefeiert, also der Übergang vom Sommer zum Winter, die Einbringung der Ernte und die Aufnahme der Geister der Verstorbenen ins Reich der Toten. Gerade in dieser Zeit im Jahr macht man sich Gedanken über die Vergänglichkeit, wie lange das Zeitmaß des Jahres, der Wärme und des Lichts und auch jenes des eigenen Lebens noch dauern wird.

Inbegriff der herbstlichen Erde 

Aus den Aufzeichnungen kann geschlossen werden, dass auch eine Göttin verehrt wurde, deren Name man nicht wirklich kennt und die als Tamfana überliefert ist. Im Gegensatz zum Nerthus-Kult, der im Frühjahr stattfand, könnte demnach Tamfana der Inbegriff der herbstlichen Erde sein, eine Erntegöttin. Es gibt Parallelen zum skandinavischen Disenkult mit herbstlichen Weihegaben an die Erdgöttin. 
Es gibt auch Hinweise, dass sie die Gemahlin des Himmelsgottes Tiwaz Istvaz ist. Die Kombination Himmelsgott und Erdgöttin ist ja in der Mythologie sehr üblich. Daher kann man davon ausgehen, dass es eine Göttin mit diesem oder einem ähnlichen Namen gab.

Es taucht auch die Bezeichnung Tainfana auf, dies wird mit Loszweigheiligtümer übersetzt, was wieder auf einen Heiligen Hain schließen lässt.



Viele etymologische Deutungen

Die Wortwurzel „Tamf-“ lässt auf „temp-“ schließen – mit dem Bedeutungsspektrum von „spannen“, was lateinisch für „tempus“ (die „Zeitspanne“) stehen würde, damit ist sie eine Göttin bzw. Gebieterin über die Zeit, bzw. auch die Gebieterin über das Abgemessene. Denn auch die indogermanische Sprachwurzel „dap“ (= teilen, verteilen) könnte im Namen der Göttin stecken. Das Verteilen vom Ernteertrag ist immer eine wichtige Angelegenheit, die im Namen der Göttin durchgeführt wurde. 

Altnordisch (altisländisch) bedeutet „þamb“ „Schwellung, Fülle“. Vergleiche norwegisch: „temba“ (= füllen, stopfen, große Mahlzeit). Diese „Fülle“ deutet auf „Erntesegen“ also wäre Tamfana eine Göttin des Erntesegens.

Die indogermanische Wurzel ihres Namens läge in „tepere“, altindisch „tapas“ (= Hitze), damit ist sie also eine Göttin des Herdes oder des Feuers. Die römischen Aufzeichnungen über diese Göttin vergleichen sie auch mit ihrer Göttin für das Herdfeuer Vesta, da ihr Name auch „Dämpfpfanne“ bedeuten könnte.

Aus ihrem Namen wird auch auf ihr Attribut – ein Sieb geschlossen (tampf = Sieb). All das bringt uns auch zum Wort „Dampf“. Möglicherweise gab es in den Hainen der Tamfana heiße Quellen oder es wurden in Ritualen z.B. Kräuter verkocht, die verdampften und mit einem Sieb abgeseiht wurden. Daher kann Tamfana auch als Heilungsgöttin gedeutet werden. 

Erfinderin des Weihnachtsbaumes?

Eine weitere Theorie deutet den Namen Tanfana als „Tannenfahne“. Das deutet auf den alten heidnischen, dann christlich gewordenen Weihnachtsbaum hin. Das wäre naheliegend, da sie ja mit ihrer Kultstätte in einem Heiligen Hain auch eine Waldgöttin ist. Bereits in alten germanischen Riten wurden Tannen mit goldenen Ringe und Ketten geschmückt. 
Die niederländische Sage „Die heilige Fahne und die stählerne Krone“ berichtet, dass der Tempel der Göttin Tamfana in Friesland stand. Dort wurden der Sage zufolge lange zwei wertvolle Schätze aufbewahrt, die von Friso, dem Stammvater der Friesen aus fernen Landen mitgebracht wurden: Eine stählerne Krone und eine kostbare rote Fahne.  

Eingeordnet wird Tamfana zum einen im Matronenkult des Rheinlandes, andererseits auch in den Disenkulten des wikingerzeitlichen Skandinaviens.

Einer der wahrscheinlichen Standorte des Templum Tanfanae ist die heutige Stadt Borgholzhausen, da bis in die Moderne hinein ein Teil der Stadt (Tämmfanne, Tennfanne) ihren Namen trug und sich noch heute dort z.B. die Tanfanastraße befindet.  

auch: Tanfana, Tainfana, Tabana  

 

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